Entzündungsmarker, GlycA

Entzündungsmarker GlycA: 43% höheres Herzinfarkt-Risiko nachgewiesen

Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 10:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Hohe GlycA-Werte standen in einer UK-Biobank-Analyse mit veränderter Herzstruktur und einem um 43 Prozent erhöhten Risiko schwerer Ereignisse in Verbindung.

GlycA-Studie zeigt Zusammenhang mit strukturellen Herzveränderungen
Klinische Laborumgebung mit Reagenzgläsern auf einem weißen Untergrund zur medizinischen Forschung. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen den Zusammenhang zwischen chronischen Entzündungsprozessen und langfristigen Risiken für das Herz-Kreislauf-System. Im Zentrum steht dabei der Entzündungsmarker GlycA, dessen Konzentration im Blut Rückschlüsse auf schleichende strukturelle Veränderungen des Herzens zulässt, die oft über Jahre hinweg symptomlos verlaufen.

Großangelegte Analyse der UK-Biobank liefert neue Daten

Eine umfangreiche Untersuchung unter der Leitung von Prof. O'Regan vom MRC LMS (Medical Research Council London Institute of Medical Sciences) hat Daten der UK-Biobank ausgewertet, um die Auswirkungen von Entzündungen auf die Herzmorphologie zu bestimmen. Die Analyse umfasste insgesamt 488.079 Teilnehmer, bei denen GlycA-Messungen vorlagen. Ein Teilkollektiv von 70.809 Personen wurde zudem mittels Herz-MRT und EKG untersucht.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine dauerhaft erhöhte Entzündungslast mit messbaren Veränderungen des Herzmuskels korreliert. Den Untersuchungen zufolge wiesen Probanden mit hohen GlycA-Werten häufiger verdickte Herzwände sowie kleinere Herzkammern auf.

Zudem wurden eine verschlechterte Füllung des Herzens und ein insgesamt geringeres Schlagvolumen beobachtet. Diese Prozesse finden laut den Forschern oft unbemerkt statt, bevor klinische Symptome auftreten.

Auswirkungen auf das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko

Die Langzeitbeobachtungen über einen medianen Zeitraum von 15,3 Jahren, in denen 74.336 klinische Ereignisse dokumentiert wurden, belegen die prognostische Relevanz des Markers.

Für Personen, deren GlycA-Werte im höchsten Fünftel der Verteilung lagen, wurde eine adjustierte Hazard Ratio von 1,43 (95%-Konfidenzintervall 1,38–1,49) für schwerwiegende Ereignisse wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzinsuffizienz oder kardiovaskulär bedingten Tod ermittelt.

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Dies entspricht einem um 43 Prozent höheren Risiko für die obersten 20 Prozent der Probanden im Vergleich zu den untersten 20 Prozent. Ein wesentlicher Aspekt dieser Erkenntnis ist, dass dieser Zusammenhang auch bei Personen ohne bekannte Vorerkrankungen besteht. Die Entzündungswerte fungieren somit als unabhängiger Indikator für künftige gesundheitliche Komplikationen.

Biologische Mechanismen und Einflussfaktoren der Entzündung

In der Analyse wurden spezifische Proteine als treibende Kräfte hinter diesen Entwicklungen identifiziert, insbesondere IL-1 und TNF. Den Daten zufolge vermittelte ein IL-1-Rezeptorantagonist etwa 27 Prozent des statistischen Zusammenhangs zwischen dem GlycA-Spiegel und dem linksventrikulären enddiastolischen Volumen. Dies liefert wichtige Hinweise auf die biologischen Pfade, über die Entzündungen die Herzstruktur beeinflussen.

Zusätzlich zur biologischen Komponente untersuchte ein Team im Rahmen einer Exposom-Analyse mit 478.941 Teilnehmern externe Faktoren, die mit erhöhten Entzündungswerten einhergehen. Dabei korrelierten Faktoren wie die Körperfettverteilung, Rauchen, psychischer Stress sowie ein niedrigerer sozioökonomischer Status mit höheren GlycA-Werten.

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Einordnung der Ergebnisse und methodische Grenzen

Die Autoren der Studie verweisen auf die Zusammensetzung der Teilnehmergruppe der UK-Biobank, die zu rund 95 Prozent aus weißer Bevölkerung bestand. In diesem Zusammenhang wird auf einen möglichen Selektionsbias hingewiesen, der bei der Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Bevölkerungsgruppen berücksichtigt werden muss.

Die Forschungsarbeit wurde durch den Medical Research Council sowie die British Heart Foundation finanziert. Die detaillierten Ergebnisse wurden im European Journal of Preventive Cardiology unter der doi: 10.1093/eurjpc/zwag435 veröffentlicht.

Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit, chronische Entzündungen als relevanten Faktor in der kardiovaskulären Prävention stärker zu gewichten, insbesondere da die damit verbundenen strukturellen Herzveränderungen über lange Zeiträume symptomfrei bleiben können.

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de | wissenschaft | 70129617 |