Entzündungsmarker GlycA: Höchste Werte gehen mit 43 Prozent mehr Herzrisiko einher
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 18:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Chronische Entzündungsprozesse im Körper rücken zunehmend als eigenständiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den Fokus. Zwei aktuelle Auswertungen liefern dazu neue Anhaltspunkte: eine großangelegte Studie des Imperial College London zu Entzündungsmarkern im Blut sowie eine Übersichtsarbeit zu einer häufigen Zahnerkrankung. Beide legen nahe, dass systemische Entzündungen und Herzgesundheit enger zusammenhängen als bislang angenommen – auch wenn die zugrunde liegenden Daten keine Kausalität belegen können.
Entzündungswerte und Herzstruktur bei fast 500.000 Menschen
Forscher des Imperial College London werteten laut einem Bericht vom 24. September 2026 Daten von 488.079 Teilnehmenden der UK Biobank aus, veröffentlicht im European Journal of Preventive Cardiology. Im Zentrum stand der Entzündungsmarker GlycA.
Die Ergebnisse zeigen: Höhere GlycA-Werte gingen mit strukturellen Veränderungen am Herzen einher – darunter ein kleinerer linker Ventrikel, dickere Herzwände und ein geringeres Schlagvolumen sowie eine schlechtere diastolische Funktion.
Zudem war ein höherer Entzündungswert mit einem gesteigerten Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzinsuffizienz verbunden.
Konkret hatten Personen mit den höchsten GlycA-Werten laut der Auswertung ein um 43 Prozent höheres Ereignisrisiko als jene mit den niedrigsten Werten. Im höchsten Entzündungs-Fünftel der Studienteilnehmenden erlitten während der Nachbeobachtungszeit rund 15 Prozent einen schweren kardiovaskulären Vorfall, im niedrigsten Fünftel waren es etwa 11 Prozent.
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Die Studie identifizierte auch Faktoren, die mit den Entzündungswerten zusammenhingen: Rumpffett, Rauchen und psychische Belastung standen mit höheren GlycA-Werten in Verbindung, während Bewegung und eine gesündere Ernährung mit niedrigeren Werten assoziiert waren.
Auch sozioökonomische Benachteiligung zeigte einen Zusammenhang mit erhöhter Entzündung. Da es sich um Beobachtungsdaten handelt, lässt sich daraus jedoch keine direkte Ursache-Wirkung-Beziehung ableiten.
Zahnerkrankung als möglicher Risikofaktor
Einen weiteren Baustein liefert eine ebenfalls am 24. September 2026 berichtete Umbrella-Review zu apikaler Parodontitis, einer Entzündung im Bereich der Zahnwurzelspitze. Die Analyse fasste zehn systematische Übersichtsarbeiten zusammen, darunter fünf Metaanalysen, mit Studienpopulationen von 1.108 bis zu 673.083 Personen je Review. Die Evidenzbasis reicht dabei bis Februar 2025.
Die zusammengeführten Daten zeigen ein um 32 Prozent erhöhtes relatives Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei apikaler Parodontitis sowie 83 Prozent höhere Odds.
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Die einzelnen Metaanalysen kamen auf relative Risiken zwischen 1,20 und 1,38 sowie Odds Ratios zwischen 1,53 und 2,94. Die Autoren weisen allerdings auf eine erhebliche Heterogenität zwischen den einbezogenen Studien hin und betonen ebenfalls, dass die Ergebnisse keinen Kausalitätsnachweis darstellen.
Mundgesundheit als unterschätzter Faktor
Ergänzend dazu verweist das Universitätsklinikum Bonn (UKB) auf Zahlen der Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS 6), wonach rund 14 Millionen Menschen in Deutschland an einer fortgeschrittenen, behandlungsbedürftigen Parodontitis leiden.
Betroffen ist demnach jeder Fünfte der 35- bis 44-Jährigen sowie mehr als die Hälfte der 65- bis 74-Jährigen. Das UKB weist darauf hin, dass Zahnfleischbluten ein frühes Warnzeichen sein kann und Parodontitis mit negativen Auswirkungen auf Diabetes und die Herz-Kreislauf-Gesundheit in Verbindung steht.
Um die zahnmedizinische Versorgung in diesem Bereich zu stärken, haben das UKB und die Zahnärztekammer Nordrhein innerhalb von zehn Jahren 168 Dentalhygieniker:innen fortgebildet.
Einordnung
Beide Forschungsstränge – die Untersuchung zu Bluttmarkern und die Übersichtsarbeit zu Zahnwurzelentzündungen – deuten in dieselbe Richtung: Chronische, teils unauffällige Entzündungsprozesse im Körper könnten das Herz-Kreislauf-Risiko über strukturelle und funktionelle Veränderungen am Herzen beeinflussen. Für gesicherte Aussagen zu Ursache und Wirkung fehlen jedoch bislang kontrollierte Studien, wie die beteiligten Forschenden übereinstimmend betonen.
