Entzündungswerte im Blut: Höchste 20 Prozent haben 43 Prozent mehr Risiko
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 12:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zelltherapien, die ursprünglich vor allem in der Onkologie eingesetzt wurden, rücken zunehmend in den Fokus der Herz-Kreislauf-Medizin. Ein internationales Forschungskonsortium unter Leitung des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) arbeitet an neuartigen CAR-T-Zelltherapien, die schädliche Entzündungsreaktionen nach einem Herzinfarkt verringern und die Regeneration des geschädigten Herzmuskels gezielt unterstützen sollen.
Das Projekt CARDIO und europäische Partner
Wie aus einem Bericht des Universitätsklinikums Würzburg hervorgeht, wird das Vorhaben unter dem Namen CARDIO über das Rahmenprogramm Horizon Europe mit rund 7 Millionen Euro gefördert. Davon fließen rund 2,8 Millionen Euro an den Standort Würzburg.
Das Konsortium bündelt Kompetenzen verschiedener europäischer Institutionen:
* Das spanische Forschungszentrum CNIC in Madrid entwickelt Antikörper gegen spezifische Zielstrukturen in atherosklerotischen Plaques.
* Das CeMM in Wien bringt Technologien aus den Bereichen CRISPR und Einzelzellanalysen ein.
* Die Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) übernimmt Aufgaben im Bereich des Protein-Engineerings.
* Die DKMS stellt eine Spenderdatenbank bereit, um die Entwicklung sogenannter Off-the-Shelf-CAR-T-Zellen zu ermöglichen.
Zelluläre Mechanismen gegen Gefäß- und Gewebeschäden
Im Zentrum der Entwicklungsarbeit am Universitätsklinikum Würzburg stehen sogenannte CAR-Tregs – regulatorische T-Zellen mit dem Transkriptionsfaktor FOXP3. Diese Zellen werden myosinspezifisch ausgerüstet, um das nach einem Infarkt aus zerstörten Herzmuskelzellen freigesetzte Myosin zu erkennen und überschießende Immunreaktionen lokal einzugrenzen.
Ein zweiter Ansatz des Projekts zielt auf die Prävention ab: Durch die Modulation chronischer Entzündungen in atherosklerotischen Plaques soll dem Fortschreiten von Gefäßveränderungen vorgebeugt werden. Das therapeutische Potenzial regulatorischer T-Zellen wird auch in der Fachliteratur diskutiert.
In einer Übersichtsarbeit im Journal of Translational Medicine von Forschenden des Children's Hospital of Soochow University wird beschrieben, dass CAR-Tregs die gestörte Immuntoleranz bei Gefäßentzündungen wie der Vaskulitis wiederherstellen könnten, obgleich bisher noch keine therapeutische Wirksamkeit in Tiermodellen oder bei Patienten publiziert wurde.
Eine Studie mit rund 480.000 Menschen zeigt: Wer zu den obersten 20 Prozent der Entzündungswerte gehört, trägt ein 43 Prozent höheres Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall — oft ohne es zu ahnen. Der kostenlose Guide erklärt den Blutmarker GlycA und zeigt sieben Alltagsstrategien, mit denen Sie Ihre stille Entzündung senken können. Kostenlosen Entzündungs-Guide anfordern
Die Wissenschaftler um Zhiyuan Liu verwiesen darauf, dass Tregs als CD4-positive T-Lymphozyten durch Marker wie FOXP3 und CD25 gekennzeichnet sind und aktivierte Endothelien sowie Entzündungsmediatoren als Zielstrukturen infrage kommen.
Chronische Entzündung als kardiovaskulärer Risikofaktor
Die Bedeutung immunologischer Prozesse für das Herz-Kreislauf-System unterstreichen auch epidemiologische Untersuchungen. Eine Studie des MRC Laboratory of Medical Sciences und des Imperial College London, die Daten von rund 480.000 Menschen im European Journal of Preventive Cardiology analysierte, zeigte deutliche Zusammenhänge zwischen chronischer Entzündung und strukturellen Herzveränderungen.
Anhand des Blutmarkers GlycA stellten die Londoner Forscher fest, dass Personen in den obersten 20 Prozent der Entzündungswerte ein um 43 Prozent höheres Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall aufwiesen als Personen mit den niedrigsten Werten.
Zudem zeigten sich bei Betroffenen verdickte Herzwände, verkleinerte Kammern und ein vermindertes Füllungsvolumen. Studienleiter Declan O'Regan wies darauf hin, dass möglicherweise Millionen Menschen mit einer unbemerkten Entzündung leben, die das Herz über lange Zeiträume schleichend verändert.
Verdickte Herzwände, verkleinerte Kammern, vermindertes Füllungsvolumen — diese schleichenden Veränderungen können sich über Jahre unbemerkt aufbauen. Ein einfacher Selbstcheck hilft Ihnen einzuschätzen, ob Sie betroffen sein könnten. Selbstcheck jetzt starten
Neben schleichenden Gefäßprozessen können auch akute Belastungen die Herzfunktion beeinträchtigen, wie Fachleute beim Broken-Heart-Syndrom beobachten. Dorothée Remmler-Bellen vom Berufsverband der Präventologen erläuterte, dass das Organ dabei nicht physisch zerbreche, sondern vielmehr die Pumpleistung infolge extremen Stresses schlagartig nachlasse.
Forscher wie Stefan Reber untersuchen in diesem Zusammenhang die biologischen Schnittstellen zwischen Stress, Immunsystem und Mikrobiom, die maßgeblich beeinflussen, wie widerstandsfähig der Organismus gegenüber kardiovaskulären Schäden bleibt.
