Entzündungswerte: Studie mit 480.000 Menschen zeigt 43 % mehr Herzrisiko
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 12:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die medizinische Forschung liefert neue Erkenntnisse darüber, wie chronische Entzündungsprozesse und psychische Belastungen die organische Gesundheit langfristig beeinflussen.
Eine Untersuchung, über die das European Journal of Preventive Cardiology laut einem Bericht vom 1. Oktober 2026 berichtete, wertete hierzu Daten von rund 480.000 Menschen in Großbritannien aus. Die Ergebnisse verdeutlichen die Korrelation zwischen Entzündungsmarkern und schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Kardiovaskuläre Risiken durch erhöhte Entzündungswerte
Teilnehmende, deren Entzündungswerte im obersten Fünftel lagen, wiesen der Studie zufolge ein um 43 % höheres Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall auf als Personen im untersten Fünftel.
Die Forscher nutzten für ihre Analyse unter anderem genetische Daten, Bildgebungsverfahren und den Entzündungsmarker GlycA. Dabei stellten sie fest, dass erhöhte Werte zudem mit strukturellen Veränderungen des Herzens korrespondieren.
Dazu gehören verdickte Herzwände, kleinere Herzkammern und eine geringere Herzfüllung. Da sich solche Veränderungen über Jahre hinweg unbemerkt entwickeln können, kommt der frühzeitigen Identifikation von Risikofaktoren eine zentrale Bedeutung zu.
Ein ergänzender molekularer Mechanismus wurde von der Universität Leipzig und dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) beschrieben. In einer Ende September 2026 veröffentlichten Arbeit in „Signal Transduction and Targeted Therapy“ identifizierten Wissenschaftler den sogenannten Super Elongation Complex (SEC). Dieser beschleunigt die RNA-Elongation und fördert damit krankhafte Veränderungen der Endothelzellen, was die Entstehung instabiler Atherosklerose-Plaques begünstigt. In experimentellen Modellen konnte eine Hemmung des SEC die Plaquebelastung und den Zellumbau reduzieren.
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Die Rolle von Stress und postakuten Infektionssyndromen
Neben chronischen Entzündungen stellt auch akuter emotionaler oder körperlicher Stress ein Risiko für die Herzfunktion dar. Berichte vom 30. September 2026 zum sogenannten Takotsubo-Syndrom beschreiben eine vorübergehende Funktionsstörung des Herzmuskels, die Symptome eines Herzinfarkts wie Atemnot und Brustschmerzen auslösen kann.
Rund 90 % der Betroffenen sind Frauen, besonders häufig nach den Wechseljahren. Charakteristisch ist, dass sich beim Herzkatheter typischerweise keine verschlossenen Herzkranzgefäße zeigen. Dennoch betonen Mediziner, dass die damit verbundenen Komplikationen ernst zu nehmen sind.
Ein weiteres Feld der Langzeitfolgen betrifft postakute Infektionssyndrome (PAIS). Wissenschaftliche Schätzungen des Altea-Netzwerks gehen davon aus, dass rund 10 % der Menschen nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 Long COVID entwickeln.
Eine Auswertung der Universitätsmedizin Halle unter 47.000 Teilnehmenden zeigte Ende September 2026 auf, dass PAIS-Fälle zu 17,2 % auf SARS-CoV-2, zu 3,7 % auf Influenza und zu 1,3 % auf RSV zurückzuführen waren.
Bei über 75 % der Betroffenen blieb der Erreger unbekannt. Laut Studienautor Jonas Frost liegt das Risiko, nach einer Atemwegsinfektion anhaltende Beschwerden zu entwickeln, bei 16 %. Nur 17 % der Erkrankten genasen innerhalb eines Jahres vollständig.
Entzündungsprozesse in weiteren Organsystemen
Die Auswirkungen chronischer Entzündungen beschränken sich nicht auf das Herz-Kreislauf-System. Forscher der Charité zeigten in einer Studie in „Nature Communications“, wie das Bakterium Helicobacter pylori über Entzündungssignale einen Umbau der Magenschleimhaut provoziert. Dieser Prozess könne zu Krebsvorstufen führen.
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Ebenso weisen Untersuchungen der Universität Bonn auf systemische Belastungen durch Umweltfaktoren hin. Laut einem Bericht vom 30. September 2026 nehmen Erwachsene wöchentlich bis zu 5 g Plastik auf. Mikroplastikpartikel in Bakteriengröße beeinträchtigten in Mausmodellen die Funktion der Leber-Kupfferzellen und führten zu vermehrten Fetteinlagerungen in der Leber.
Angesichts dieser vielfältigen organischen Risiken rücken präventive Ansätze und die Erforschung der Immunaktivierung stärker in den Fokus. Die American Heart Association (AHA) würdigte in diesem Zusammenhang Annet Kirabo für ihre Forschung zu Natrium-Signalwegen in Immunzellen und deren Rolle bei Bluthochdruck.
Für den klinischen Alltag empfehlen Experten zur Stressbewältigung regelmäßige Bewegung und klare Ruhezeiten, während von einer Selbstmedikation zur Stressreduktion abgeraten wird.
