ENZARAD-Studie: 802 Patienten zeigen keinen klaren Vorteil durch Enzalutamid
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 23:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn der Behandlung des Hochrisiko-Prostatakrebses steht der Nutzen intensivierter Hormontherapien kontinuierlich auf dem Prüfstand der klinischen Forschung. Eine Langzeituntersuchung zur Wirksamkeit des Androgenrezeptor-Signalweginhibitors Enzalutamid liefert differenzierte Ergebnisse.
Wie das Fachportal targetedonc.com in einem Bericht vom 2. November 2026 zusammenfasste, bringt der Zusatz von Enzalutamid bei Hochrisiko-Prostatakrebs im Gesamtkollektiv weder beim metastasenfreien Überleben noch beim Gesamtüberleben einen statistisch signifikanten Vorteil gegenüber einer Standardtherapie mit nichtsteroidalen Antiandrogenen.
Studiendesign und therapeutischer Rahmen
Die zugrunde liegende Phase-3-Studie ENZARAD (ANZUP 1303; NCT02446444) untersuchte den Einfluss des Wirkstoffs bei insgesamt 802 Patienten mit Hochrisiko-Prostatakrebs. Das Studiendesign sah einen direkten Vergleich zweier Behandlungsstrategien vor.
Ein Studienarm erhielt Enzalutamid in einer Dosierung von 160 mg täglich über einen Zeitraum von 24 Monaten. Der Vergleichsarm wurde über 6 Monate mit einem nichtsteroidalen Antiandrogen (NSAA) behandelt.
Beide Gruppen erhielten zudem eine definitive Strahlentherapie der Prostata sowie eine begleitende Androgendeprivationstherapie (ADT) über eine Gesamtdauer von 24 Monaten. Die Auswertung der langfristigen Wirksamkeit erfolgte bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 92 Monaten. Die wissenschaftlichen Ergebnisse wurden am 24. Oktober 2026 online im Fachjournal Journal of Clinical Oncology publiziert.
Fehlender Überlebensvorteil in der Gesamtpopulation
Bei der primären Wirksamkeitsanalyse zeigte sich nach 8 Jahren kein signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen. Die Rate des metastasenfreien Überlebens (MFS), erfasst mittels konventioneller Bildgebung, lag nach 8 Jahren bei 74 Prozent unter Enzalutamid im Vergleich zu 72 Prozent unter NSAA. Dies entsprach einer Hazard Ratio (HR) von 0,88 bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall (95% CI) von 0,67 bis 1,15 und einem P-Wert von 0,34. Insgesamt wurden im Studienverlauf 207 MFS-Ereignisse dokumentiert, davon 98 im Enzalutamid-Arm und 109 im NSAA-Arm.
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Ähnlich verhielten sich die Daten beim Gesamtüberleben (OS). Die 8-Jahres-Rate für das Gesamtüberleben betrug 83 Prozent in der Enzalutamid-Gruppe gegenüber 80 Prozent im Vergleichsarm (HR 0,87; 95% CI 0,63-1,20; P=.40).
Auch im Hinblick auf die Verträglichkeit zeigte sich eine ausgeglichene Verteilung: Unerwünschte Ereignisse der Grade 3 bis 5 traten bei jeweils 185 Patienten in beiden Behandlungsarmen auf.
Abweichende Signale bei pelviner Lymphknotenbestrahlung
Während der primäre Endpunkt in der Gesamtkohorte nicht erreicht wurde, ergaben detaillierte Subgruppenanalysen Hinweise auf abweichende Effekte bei ausgewählten Patientengruppen.
Bei einer definierten Subgruppe von 324 Patienten, bei denen eine Bestrahlung der pelvinen Lymphknoten vorgesehen war, zeigte sich ein statistisch signifikanter Vorteil zugunsten der Enzalutamid-Behandlung. In dieser Kohorte lag die Hazard Ratio bei 0,47 (95% CI 0,29-0,76; adjustierter P-Wert = 0,004).
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Die Daten der ENZARAD-Studie verdeutlichen, dass eine pauschale Intensivierung der Androgenblockade mittels Enzalutamid bei lokalisiertem Hochrisiko-Prostatakrebs im breiten Patientenkollektiv keinen messbaren Überlebensvorteil über die etablierte Standardbehandlung hinaus erbringt.
Zugleich verweisen die Ergebnisse auf die Bedeutung lokoregionärer Faktoren, insbesondere der Einbeziehung des pelvinen Lymphabflussgebiets in das Bestrahlungskonzept, für künftige Therapieentscheidungen.
