EPA bei Darmkrebs: 62 Prozent überlebten fünf Jahre, Studie bleibt vorläufig
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 19:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deMedienberichte thematisieren vermehrt Fragen zum Einfluss von Omega-3-Präparaten auf das körpereigene Immunsystem und prüfen die gesundheitliche Bedenklichkeit einer regelmäßigen Einnahme. Im Zentrum der Diskussion stehen neue Laborergebnisse zur Immunabwehr, die der breiten wissenschaftlichen Datenlage und bisherigen Erkenntnissen zur Krebsprävention gegenübergestellt werden.
Laborbefunde zu Immunzellen und Krebsabwehr
Ausgangspunkt neuer Debatten ist eine tierexperimentelle Untersuchung der Yale University unter Leitung von Li Yuan. Darin zeigte sich, dass die Omega-3-Fettsäure Eicosapentaensäure (EPA) über den Rezeptor LRP5 in natürliche Killerzellen (NK-Zellen) gelangt und deren Anti-Tumor-Aktivität hemmt. Bei Mäusen, deren NK-Zellen diesen Rezeptor nicht aufwiesen, bekämpften die Immunzellen Krebszellen stärker, wodurch Tumore langsamer wuchsen.
Die Ergebnisse dieser Mausstudie belegen jedoch weder ein erhöhtes Krebsrisiko noch einen konkreten Schaden beim Menschen. Forschende des Universitätsklinikums Göttingen, Julia Lenger und Ivan Bogeski, betonten vor diesem Hintergrund, dass kein belastbarer Grund bestehe, Präparate mit Docosahexaensäure (DHA) oder EPA abzusetzen. Da die Versuche ausschließlich an Mäusen stattfanden, sei die Übertragbarkeit auf den menschlichen Organismus bislang ungeklärt.
Widersprüchliche Signale aus klinischen Studien
Die bisherige epidemiologische Datenlage stützt die Vermutung eines allgemeinen Krebsrisikos nicht. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2022 stellte fest, dass eine niedrige Omega-3-Aufnahme mit einem höheren Krebsrisiko einherging.
Höhere Omega-3-Spiegel im Blut waren demnach mit einem selteneren Auftreten von Dickdarm-, Magen- und Lungenkrebs assoziiert. Lediglich bei sehr hohen Spiegeln zeigte sich in den Daten ein mögliches, leicht erhöhtes Risiko für Prostatakrebs.
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Zudem deuten Daten aus der klinischen Onkologie darauf hin, dass gezielte Gaben unter bestimmten Bedingungen nützlich sein könnten. Auf dem ESMO-Kongress in Madrid vorgestellte Ergebnisse einer Studie mit 418 Patienten im Vereinigten Königreich untersuchten den Einsatz von täglich 4 Gramm EPA im Vergleich zu einem Mineralöl-Placebo vor und nach Operationen bei fortgeschrittenem Darmkrebs mit Lebermetastasen.
Nach fünf Jahren lebten in der EPA-Gruppe 62 Prozent der Teilnehmenden gegenüber 45 Prozent in der Placebogruppe, was einem Unterschied im Gesamtüberleben von 17 Prozentpunkten entspricht. Das progressionsfreie Überleben lag im Median bei 13,5 Monaten unter EPA und 12,9 Monaten unter Placebo.
Der leitende Forscher Mark Hull von der University of Leeds ordnete die Resultate jedoch als vorläufig und noch nicht im Peer-Review-Verfahren begutachtet ein. Eine Empfehlung als Standardtherapie lasse sich daraus nicht ableiten, zumal die genauen Mechanismen unklar seien.
Behördliche Empfehlungen und Risiken
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass Nahrungsergänzungsmittel mit DHA und EPA für gesunde Personen nicht erforderlich sind, insbesondere wenn regelmäßig Fisch verzehrt wird. Zudem seien hohe Dosen nicht risikofrei: Bei Herzpatienten könne eine hochdosierte Gabe das Risiko für Vorhofflimmern steigern.
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Auch Fachleute aus der Pharmazie mahnen zur Differenzierung. Hohe Dosen von Omega-3-Fettsäuren können das Blutungsrisiko erhöhen, weshalb Personen, die Antikoagulanzien oder Medikamente gegen Bluthochdruck und Cholesterin einnehmen, eine supplementierung mit medizinischem Fachpersonal abstimmen sollten.
Beim Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln sei vor allem auf den tatsächlichen Gehalt an EPA und DHA zu achten, anstatt sich lediglich an der Gesamtmenge an Fischöl zu orientieren.
