GeBeDi, Thesen

ePA-Neustart: GeBeDi fordert mit 95 Thesen eine digitale Neuausrichtung

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 00:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Initiative kritisiert geringe ePA-Nutzung und verlangt eine dezentrale, arztgeführte Dokumentation mit stärkerer Kontrolle für Patienten.
Ein leerer, modern gestalteter Krankenhausflur mit hellen Fliesen und natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Die Initiative „Gesundheit besser digitalisieren“ (GeBeDi) dringt auf eine grundlegende Neuausrichtung der digitalen Gesundheitspolitik in Deutschland.

Wie heise.de am 29. Oktober 2026 berichtete, stellte der Zusammenschluss auf einer Pressekonferenz in Berlin vor dem Bundesgesundheitsministerium ein Positionspapier mit 95 Thesen und zehn Kernzielen vor. Das Bündnis übt scharfe Kritik an der bisherigen Umsetzung der elektronischen Patientenakte (ePA) und fordert einen konzeptionellen Wechsel.

Kritik an PDF-Ablage und zentraler Steuerung

Nach Angaben der Gematik greifen derzeit rund 5,85 Millionen Menschen aktiv auf die ePA zu. Dies entspricht einem Anteil von circa 8 Prozent der rund 73 Millionen angelegten Akten. Vertreter des GeBeDi-Bündnisses sehen darin ein klares Zeichen für ein verfehltes Konzept. Andreas Meißner kritisierte im Rahmen der Vorstellung, die ePA sei weder arzt- noch patientengeführt, sondern werde maßgeblich durch die Politik und Krankenkassen bestimmt.

Der Hausarzt Stefan Streit bemängelte die technische Ausgestaltung und bezeichnete das aktuelle System als bloße Sammlung von PDF-Dateien ohne funktionierende Suchfunktion. Es sei nicht zielführend, an einem offensichtlich gescheiterten Ansatz festzuhalten.

In einem am 29. Oktober 2026 veröffentlichten Gastbeitrag einer Arbeitsgruppe des Bündnisses – vertreten durch Dieter Adler vom DPNW, Ulrich Kelber sowie Silke Lüder von der Freien Ärzteschaft – zogen die Autoren eine ernüchternde Bilanz: Nach 20 Jahren Vorlaufzeit und Ausgaben in Höhe von vielen Milliarden Euro biete die Akte nur einen überschaubaren Nutzen.

Zudem habe ein kürzlich vorgenommenes Update dazu geführt, dass Versicherte nicht mehr Dokument für Dokument einzeln freigeben können, sondern die Einsicht nur noch pauschal gewähren oder verweigern dürfen.

Anzeige

Wer sich mit der rechtssicheren Dokumentation sensibler Daten befasst, steht oft vor komplexen Anforderungen an die Nachweisbarkeit. Dieser kostenlose Ratgeber unterstützt Sie dabei, die notwendigen Dokumentationspflichten effizient und gesetzeskonform zu organisieren. Kostenlose Muster-Vorlage und Schritt-für-Schritt-Anleitung jetzt gratis herunterladen

Föderierte Strukturen statt zentraler Sammelbecken

Als Alternative fordert GeBeDi eine arztgeführte, föderierte Dokumentation, bei der Daten dezentral verbleiben und im Behandlungsfall bei vorliegender Patienteneinwilligung in Echtzeit verknüpft werden. Entscheidungen der Nutzer über ihre eigenen Daten müssten dabei grundsätzlich vor Forschungsinteressen stehen.

Zudem mahnt die Initiative an, grundlegend unterschiedliche Funktionen wie Notfallakten, Kopien der Patientenakte, Kommunikationswege sowie Datensammlungen für die Forschung nicht in einer einzigen Anwendung zu vermengen. Über eine strukturierte Bestandsaufnahme solle geprüft werden, welche bestehenden Komponenten, wie etwa das E-Rezept, wiederverwendet werden können.

Anzeige

Der Schutz vor unbefugtem Datenzugriff ist besonders bei dezentralen Strukturen und mobilen Arbeitsprozessen eine zentrale Herausforderung für jedes Unternehmen. Erfahren Sie in diesem kostenlosen E-Book, wie Sie Sicherheitslücken proaktiv schließen und aktuelle gesetzliche Anforderungen erfüllen. Gratis-E-Book: IT-Sicherheit stärken und Unternehmen schützen

Ulrich Kelber, Bundesdatenschutzbeauftragter außer Dienst von 2019 bis 2024, betonte, dass sich der geforderte Neustart vor allem auf den Entwicklungsprozess beziehe, und verwies auf praxiserprobte Systeme in skandinavischen und baltischen Nachbarländern.

Zugleich warnte die GeBeDi-Arbeitsgruppe vor den Risiken zentraler Datensammlungen und verwies auf Sicherheitsvorfälle bei privaten Dienstleistern in dänemark, Finnland und den USA. Für ihre Vorschläge erwartet die Initiative derzeit jedoch wenig Unterstützung aus der Politik; bei Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) rechne man gegenwärtig nicht mit offenen Ohren.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70431039 |