EPoS-II-Studie: Fünf Jahre bis zur Kontrolle ähnlich sicher wie drei
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 09:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach der Entfernung von Darmpolypen stellt sich für das Gesundheitssystem regelmäßig die Frage nach dem optimalen Überwachungszeitraum. Eine am 17. September 2026 im Fachjournal The New England Journal of Medicine publizierte Zwischenanalyse der europäischen EPoS-II-Studie (European Polyp Surveillance Trial) liefert dazu neue Erkenntnisse.
Die Untersuchung geht der Frage nach, ob Kontrolluntersuchungen nach der vollständigen Resektion von Hochrisiko-Adenomen ohne erhöhtes Sicherheitsrisiko von drei auf fünf Jahre verlängert werden können.
Kaum Unterschiede bei der Krebsinzidenz nach fünf Jahren
Für die randomisierte klinische Studie wurden 10.799 Patientinnen und Patienten im Alter von 40 bis 74 Jahren aus 49 Zentren in acht europäischen Ländern erfasst. Die Teilnehmenden wurden nach der Entfernung der Hochrisiko-Adenome auf eine Überwachungskoloskopie nach entweder drei oder fünf Jahren randomisiert. Die vorab geplante Zwischenanalyse erfolgte nach einer Beobachtungszeit von 5,5 Jahren.
Dabei lag die kumulative Inzidenz für kolorektale Karzinome nach fünf Jahren bei 0,77 % in der 5-Jahres-Gruppe und bei 0,82 % in der 3-Jahres-Gruppe. Damit erreichte die längere Frist das Kriterium der statistischen Nicht-Unterlegenheit.
Zudem traten keine signifikanten Unterschiede bezüglich des Tumorstadiums auf. Die Zahl der Todesfälle infolge eines kolorektalen Karzinoms belief sich auf drei Personen (0,06 %) in der Gruppe mit 5-Jahres-Intervall und zwei Personen (0,04 %) in der Gruppe mit 3-Jahres-Intervall.
Entlastungspotenzial für endoskopische Kapazitäten
Die Verlängerung des Überwachungsintervalls führte in der entsprechenden Kohorte zu rund 49 % weniger Koloskopien. Sollten sich die Befunde langfristig bestätigen, ließe sich die Zahl der Überwachungskoloskopien um nahezu die Hälfte reduzieren.
Die EPoS-II-Zwischenanalyse zeigt: Nach vollständiger Resektion von Hochrisiko-Adenomen ist ein Kontrollintervall von fünf Jahren dem dreijährigen nicht unterlegen — bei rund 49 % weniger Überwachungskoloskopien. Unser kostenloser Praxisleitfaden ordnet die Daten für den Alltag ein und liefert einen Entscheidungsbaum für die Intervallwahl. Jetzt kostenlosen Praxisleitfaden anfordern
Die EPoS-Studie war im Jahr 2015 von Rodrigo Jover (CIBEREHD, ISABIAL) und Michael Bretthauer (Universität Oslo) initiiert worden. Mehr als die Hälfte der gesamten Studienteilnehmenden stammte aus Spanien, während Polen mit 1006 Teilnehmenden das viertgrößte Kontingent stellte.
In Spanien fallen jährlich über eine Million Koloskopien an, von denen 10 bis 20 % der Überwachung nach Polypenentfernungen dienen. Zugleich registriert das Land laut der Sociedad Española de Oncología Médica 44.132 neue Krebsfälle im Jahr 2026. Eine Reduktion unnötiger Folgeuntersuchungen könnte medizinische Ressourcen bündeln.
Qualität der Erstuntersuchung bleibt die Grundvoraussetzung
Trotz der deutlichen Entlastungseffekte ändern die Zwischenergebnisse die derzeitigen klinischen Empfehlungen vorerst nicht. Der primäre Endpunkt der Studie ist auf eine Langzeitbeobachtung nach zehn Jahren ausgelegt; diese abschließende Auswertung steht noch aus.
Ein verlängertes Nachsorgeintervall lässt sich nur rechtfertigen, wenn die Erstkoloskopie sauber war: vollständige Resektion, hohe Adenomdetektionsrate, dokumentierte Qualität. Unser Leitfaden bündelt eine Checkliste zur Qualitätssicherung der Indexkoloskopie — damit Sie die Umstellung auf fünf Jahre intern begründen können. Checkliste Qualitätssicherung jetzt sichern
Monika Ferlitsch von der Klinik Floridsdorf, eine Ko-Autorin der Arbeit, betonte, dass die Intervalle für die Überwachung nach der Entfernung von Hochrisiko-Adenomen zwar überdacht werden sollten, die entscheidende Grundlage hierfür jedoch unverändert eine qualitativ hochwertige Erstkoloskopie bleibe. Nur wenn die Adenome bei der Indexkoloskopie vollständig und sorgfältig entfernt wurden, lässt sich eine spätere Kontrolle medizinisch rechtfertigen.
