Erkältung, Vitamin

Erkältung und Vitamin C: Einnahme bei ersten Symptomen bringt keinen Effekt

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 07:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Vitamin C kann bei regelmäßiger Einnahme die Erkältungsdauer leicht verkürzen; bei ersten Beschwerden bleibt ein Nutzen aus.
Ein hölzerner Tisch mit einer leeren Teetasse und einer Schale mit Ingwerwurzeln in natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Medizinische Fachleute beurteilen die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln wie Vitamin C, Zink sowie Ingwer-Zubereitungen bei den ersten Anzeichen einer Erkältung skeptisch. Gängige Präparate versprechen zwar oft eine rasche Abwehr drohender Infekte, wissenschaftliche Belege für einen solchen Nutzen bei akut einsetzenden Beschwerden fehlen jedoch weitgehend.

Warum sich ein Infekt bei Symptombeginn kaum noch stoppen lässt

Der Allgemeinmediziner Markus Tullius von der Helios Klinik Wipperfürth verweist darauf, dass eine beginnende Erkältung nicht mehr aufgehalten werden kann.

Zwischen dem ersten Kontakt mit den Erkältungsviren und dem Auftreten spürbarer Symptome vergehen in der Regel etwa 48 Stunden. Ist die Infektion in den Schleimhäuten erst einmal angelaufen, lässt sich der Ausbruch der Erkrankung nicht mehr abwenden.

Kälte allein führt dabei nicht zu einem Infekt, da Erkältungen durch Viren verursacht werden. Faktoren wie nasse Haare, Zugluft oder kalte Füße lösen die Erkrankung zwar nicht direkt aus, können aber in Kombination mit trockener Luft die Schutzfunktion der Schleimhäute schwächen.

Antibiotika zeigen gegen die viralen Erreger keine Wirkung. Auch der Versuch, einen Infekt in der Sauna auszuschwitzen, führt laut Untersuchungen nicht zum Ziel.

Eine Studie der Berliner Charité aus dem Jahr 2010 mit 157 frisch erkälteten Personen zeigte, dass sich die Symptomschwere bei 90 Grad Celsius heißer Luft im Vergleich zu 24 Grad Celsius nicht signifikant unterschied. Bei Fieber, Husten und Gliederschmerzen raten Mediziner generell von Saunagängen ab.

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Studienlage zu Vitamin C und Zink

Die gezielte Einnahme von Vitamin C und Zink bietet laut Markus Tullius keinen wissenschaftlich belegten Schutz vor Erkältungen. Während eine regelmäßige Einnahme von Vitamin C die Dauer einer Erkrankung leicht verkürzen kann, zeigt der Beginn der Einnahme erst beim Auftreten erster Symptome keinen Effekt.

Auch Eva Hummers von der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) sowie Sonja Siegert vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) stellen klar, dass Vitamin-C-Präparate einer Erkältung nicht vorbeugen.

Eine dauerhafte, prophylaktische Einnahme könne die Krankheitsdauer lediglich um etwa 10 Prozent reduzieren – beispielsweise von zehn auf neun Tage. Setzt die Einnahme hingegen erst mit den ersten Krankheitszeichen ein, bleibt diese Wirkung aus.

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Dies deckt sich mit Ergebnissen eines Cochrane-Reviews mit über 11.000 Teilnehmenden: Eine regelmäßige Einnahme verringerte das Erkältungsrisiko in der Allgemeinbevölkerung demnach nicht signifikant. Allerdings verkürzte sich die Krankheitsdauer bei Erwachsenen um rund 8 Prozent und bei Kindern um 14 Prozent.

Bei Kindern, die täglich 1 bis 2 Gramm einnahmen, lag die Reduktion bei 18 Prozent. Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2013, das Studien aus mehr als 50 Jahren auswertete, kam ebenfalls zu dem Schluss, dass Vitamin C bei Beginn nach Symptomschluss die Erkrankung weder verkürzt noch lindert.

Eine signifikante Verringerung des Erkältungsrisikos um etwa die Hälfte durch regelmäßige Gabe zeigte sich lediglich bei extremen körperlichen Belastungen, etwa bei Marathonläufern, Skifahrern und Soldaten im Kälteeinsatz.

Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2023, die 15 Vergleiche aus zehn randomisierten Doppelblindstudien mit einer Mindestdosis von 1 Gramm Vitamin C pro Tag untersuchte, ergab eine durchschnittliche Verringerung des Schweregrads der Symptome um 15 Prozent. Die Cochrane-Autoren sahen in den geringen Vorteilen jedoch keinen Anlass für eine dauerhafte Einnahme als Nahrungsergänzung.

Die Wirksamkeit von Zink bleibt laut einer Cochrane-Auswertung ebenfalls unsicher. Als mögliche unerwünschte Wirkungen der Zinkaufnahme werden Geschmacksstörungen und Magenbeschwerden angeführt.

Dosierung, Risiken und einfache Maßnahmen

Der Tagesbedarf an Vitamin C liegt nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde NIH für Frauen bei etwa 75 Milligramm und für Männer bei rund 90 Milligramm, wobei die empfohlene Obergrenze bei 2.000 Milligramm täglich liegt. Europäische Referenzwerte geben einen täglichen Bedarf von etwa 95 Milligramm für Frauen und etwa 110 Milligramm für Männer an.

Sehr hohe Dosen können unerwünschte Folgen haben: Neben Magen-Darm-Beschwerden führt ein Überschuss zu vermehrter Oxalatausscheidung im Urin, was die Bildung von Nierensteinen begünstigen kann. Vor allem bei Fieber und Dehydrierung erhöht eine unkontrollierte Zufuhr aus mehreren Präparaten dieses Risiko.

Die italienische Pharmakologin Maria Antonietta Riemma betont in diesem Zusammenhang, dass Nahrungsergänzungsmittel weder eine ausgewogene Ernährung noch Impfungen oder verordnete medizinische Behandlungen ersetzen. Laut Daniel M. Davis geht die weite Verbreitung des Glaubens an Vitamin C als Erkältungsmittel auf Linus Pauling zurück, der selbst täglich 3.000 Milligramm zu sich nahm.

Zur Linderung akuter Beschwerden bewähren sich einfache Basismaßnahmen:
- Ausreichend trinken, inhalieren und mit Salzwasser gurgeln
- Nasenspülungen anwenden
- Honig zur Reizlinderung nutzen (ausgenommen bei Säuglingen unter einem Jahr)
- Dem Körper ausreichend Ruhe gönnen

Abschwellende Nasensprays mit Wirkstoffen wie Xylometazolin oder Oxymetazolin sollten nicht länger als maximal eine Woche angewendet werden. Bei Fieber, das länger als drei Tage anhält, fehlender Besserung nach einer Woche sowie bei Ohrenschmerzen, starken Nebenhöhlenbeschwerden oder Atemnot ist eine ärztliche Abklärung ratsam.

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