Erkältungsmittel mit Pseudoephedrin: Blutdruck kann um über 30 mmHg steigen
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 11:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deKombinationspräparate gegen Erkältungsbeschwerden erfreuen sich in Apotheken großer Beliebtheit, bergen jedoch erhebliche gesundheitliche Risiken. Die Stiftung Warentest und die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker warnen vor dem unkritischen Einsatz von Pseudoephedrin-haltigen Mitteln.
Laut einem Bericht vom 04.11.2026 betrifft diese Einschätzung weit verbreitete, in der Lauer-Taxe geführte Präparate wie Aspirin Complex, Boxagrippal, Grippal Complex Doppelherz, Grippostad Complex, Ibu-1A Pharma Grippal, Ratiogrippal, Reactine Duo, Rhinopront Kombi und Wick DayNait.
Signifikante Belastung für das Herz-Kreislauf-System
Der abschwellende Wirkstoff Pseudoephedrin stimuliert das Gefäßsystem, was gravierende unerwünschte Wirkungen nach sich ziehen kann. Eine Auswertung der Stiftung Warentest ergab 51 gemeldete Verdachtsfälle von Nebenwirkungen aus den vergangenen Jahren.
Neben allergischen Reaktionen handelte es sich dabei überwiegend um Herz-Kreislauf-Probleme wie Herzrasen und Blutdruckanstieg; ein Fallbericht deutete zudem auf einen möglichen Herzinfarkt im Zusammenhang mit dem Wirkstoff hin.
Die pharmakologische Wirkung erklärt die Belastung: Pseudoephedrin führt über eine Alpha-adrenerge Vasokonstriktion sowie eine Beta-Stimulation zu einer Verengung der Blutgefäße. Bei einem normalen Ausgangsblutdruck von 120/80 mmHg steigt der Wert üblicherweise um 5 bis 10 mmHg an.
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Bei Personen mit vorbestehender Hypertonie kann der Anstieg hingegen 20 bis über 30 mmHg betragen, begleitet von einer Tachykardie. Diese Reaktionen setzen meist bereits 30 bis 60 Minuten nach der Einnahme ein.
Überdies wirkt die Substanz als Antagonist zu blutdrucksenkenden Medikamenten wie Beta-Blockern und ACE-Hemmern. Steigt der Blutdruck nach der Anwendung auf Werte von 180/120 mmHg oder höher, ist umgehend ärztliche Hilfe erforderlich.
Auch der CHP-Gesundheitssprecher Ali R?za Erbay wies darauf hin, dass Pseudoephedrin das Ischämierisiko bei Koronarpatienten erhöhe und selten mit dem posterioren reversiblen Enzephalopathie-Syndrom (PRES) sowie dem reversiblen zerebralen Vasokonstriktionssyndrom (RCVS) assoziiert sei.
Strenge Kontraindikationen für Risikogruppen
Aufgrund dieser Wirkungen sind Pseudoephedrin-haltige Präparate bei schwerem Bluthochdruck, bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie für Schwangere, Stillende und Kinder kontraindiziert.
Entsprechende Einschränkungen spiegeln sich auch in internationalen Produktinformationen wider: Für das in Italien von Bayer vertriebene Präparat Aspirina Influenza Naso Chiuso (500 mg Acetylsalicylsäure und 30 mg Pseudoephedrin pro Beutel, zugelassen ab 16 Jahren) gelten schwere Hypertonie, schwere koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, Glaukom und Harnretention als Ausschlusskriterien.
Besondere Vorsicht gilt bei Minderjährigen. Laut einer Auswertung der Medizinischen Hochschule Hannover zusammen mit Giftinformationszentren treten Vergiftungen vor allem bei unter Sechsjährigen auf. Sicherheitsdaten zu dem Kombinationsmittel Bromfed verzeichnen 54 Todesfälle durch Dekongestiva einschließlich Pseudoephedrin bei Kindern bis zu sechs Jahren, davon 43 Fälle bei Säuglingen unter einem Jahr.
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Vorgaben für Dauer und Kombination
Fachleute mahnen zur Zurückhaltung bei rezeptfreien Erkältungsmitteln. Systemische Dekongestiva wie Pseudoephedrin, Phenylephrin oder Phenylpropanolamin sollten grundsätzlich nur kurzzeitig eingenommen werden. Bei Produkten wie Aspirina Influenza Naso Chiuso wird eine Einnahmedauer ohne ärztliche Konsultation auf maximal drei Tage begrenzt, bei einer Höchstdosis von sechs Beuteln pro Tag und einem Mindestabstand von vier Stunden.
Zudem wird davor gewarnt, verschiedene rezeptfreie Erkältungsmittel eigenmächtig zu kombinieren, da sonst Überdosierungen drohen. Vor der parallelen Einnahme sollten die Inhaltsstoffe abgeglichen und pharmazeutischer Rat eingeholt werden.
Ali R?za Erbay forderte in diesem Kontext auch eine Stärkung der Pharmakovigilanz und erinnerte daran, dass auch andere typische Erkältungswirkstoffe Risiken bergen: So könne Kodein in hohen Dosen eine Atemdepression hervorrufen, während Chlorpheniramin bei älteren Patienten Schläfrigkeit und anticholinerge Effekte auslösen könne.
