ErnÀhrung: Stanford-Professor rÀt zu 80 Prozent ausgewogener Kost
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 04:12 Uhr | Redaktion boerse-global.deStrenge DiĂ€tvorgaben scheitern im Alltag hĂ€ufig an ihrer mangelnden Praxistauglichkeit. Christopher Gardner, Professor fĂŒr Medizin und Direktor der ErnĂ€hrungsstudien an der Stanford University, rĂ€t laut einem Bericht der Zeitung The Guardian von rigiden ErnĂ€hrungskonzepten ab.
Stattdessen empfiehlt der Autor des Buches âFood Senseâ, sich etwa 80 Prozent der Zeit ausgewogen zu ernĂ€hren, da eine flexible Haltung langfristig deutlich besser beibehalten werden könne.
Der âProtein Flipâ und pflanzliche Lebensmittel
Im Mittelpunkt von Gardners Ansatz steht ein verstĂ€rkter Konsum von GemĂŒse, Obst, Vollkorn und HĂŒlsenfrĂŒchten, ohne dass eine rein vegetarische oder vegane ErnĂ€hrung zwingend erforderlich sei.
Zur praktischen Umsetzung verweist der Mediziner auf das Prinzip des sogenannten âProtein Flipâ: GemĂŒse, Körner und HĂŒlsenfrĂŒchte bilden dabei den Hauptbestandteil einer Mahlzeit, wĂ€hrend Fleisch lediglich in kleineren Portionen gereicht wird.
Gardner hebt in diesem Zusammenhang die Richtwerte der Weltgesundheitsorganisation fĂŒr Erwachsene und Kinder ab zehn Jahren hervor, die einen tĂ€glichen Verzehr von mindestens 400 Gramm Obst und GemĂŒse sowie 25 Gramm natĂŒrlicher Ballaststoffe vorsehen.
Bei industriell hergestellten, stark verarbeiteten Lebensmitteln mahnt der Forscher zu einer differenzierten Betrachtung. Anstatt ausschlieĂlich auf den Verarbeitungsgrad zu achten, sollten Verbraucher auch die Gehalte an Zucker, Salz und Fett sowie die gesamte Zusammensetzung des Produkts im Blick behalten.
Ausgewogenheit statt strikter Verbote
Fachleute betonen regelmĂ€Ăig, dass eine nachhaltige ErnĂ€hrungsumstellung auf Vollwertigkeit und Alltagstauglichkeit setzen sollte. Eine ErnĂ€hrungsberaterin hebt hervor, dass natĂŒrliche, möglichst unverarbeitete Lebensmittel zu bevorzugen seien; fertige Backmischungen sparten zwar Zeit, kosteten jedoch NĂ€hrstoffe.
Auch kohlenhydratreiche Beilagen wie Reis, Kartoffeln und Nudeln mĂŒssten keineswegs vollstĂ€ndig vom Speiseplan gestrichen werden, da vor allem die Gesamtzusammensetzung einer Mahlzeit und deren Zubereitung ausschlaggebend seien.
DĂ€nische ErnĂ€hrungswissenschaftler von cafej weisen zudem darauf hin, dass traditionelle Rezepte oft zweckmĂ€Ăiger seien als spezielle DiĂ€tkost. Eine Kombination aus Ballaststoffen, Zucker und Fetten sei sinnvoll; eine Kugel Eis oder Sahne zu Obstkompott stelle kein Problem dar.
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ErgĂ€nzend erlĂ€utert Redakteurin Sophie Madsen, dass die natĂŒrliche SĂŒĂe aus ganzen FrĂŒchten zu einer geringeren Gesamtnahrungsmenge und einer zuverlĂ€ssigeren SĂ€ttigung fĂŒhre.
Passend zu flexiblen Verhaltensmustern existieren kulturelle Leitlinien fĂŒr das Essverhalten: Die japanische Weisheit âHara hachi buâ aus Okinawa besagt, nur zu essen, bis ein SĂ€ttigungsgrad von etwa 80 Prozent erreicht ist.
Ob dies ursĂ€chlich fĂŒr die dortige Langlebigkeit ist, gilt als ungeklĂ€rt. Forschende betonen, dass der menschliche Körper etwa 15 bis 20 Minuten benötigt, um ein SĂ€ttigungsgefĂŒhl wahrzunehmen. Bei Untergewicht oder Essstörungen sei dieser Ansatz ohne Ă€rztliche Absprache jedoch ungeeignet.
Proteinquellen und Mahlzeitenabfolge im wissenschaftlichen Fokus
Die Wahl der Lebensmittel hat zugleich ökologische und physiologische Konsequenzen. Eine Untersuchung von 20 EiweiĂlieferanten mittels des BPI-Scores unter Leitung von Chris Macdonald an der UniversitĂ€t Cambridge und dem Better Protein Institute bewertet Proteine anhand gesundheitlicher und ökologischer Kriterien.
Tofu erreichte darin mit 36 von 40 Punkten den ersten Platz, gefolgt von Bohnen, Chiasamen und Quinoa, wÀhrend Rind, Lamm, Mozzarella und Cheddar am unteren Ende abschnitten.
Pro 100 Gramm GesamteiweiĂ erzeugt Tofu der Analyse zufolge unter ein Kilogramm Treibhausgase und benötigt etwa zwei Quadratmeter Land, wĂ€hrend Rindfleisch ĂŒber 64 Kilogramm Emissionen und rund hundertmal mehr FlĂ€che beansprucht. Macdonald stuft diese Supermarktdaten als vorlĂ€ufig ein.
Bei der NĂ€hrstoffdichte liefert Corry Matthews zufolge eine Portion gekochte HĂŒhnerbrust von drei Unzen circa 26 Gramm Protein, eine halbe Tasse fester Tofu etwa 10 bis 15 Gramm und zwei Esslöffel Chiasamen rund vier bis fĂnf Gramm. Ashley Koff merkt hierzu an, dass Tofu von vielen Menschen schwer verdaut werde.
Hinsichtlich der Blutzuckerregulation liefert eine Metaanalyse des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) ĂŒber 18 randomisierte kontrollierte Studien im Fachjournal Clinical Nutrition weitere Einblicke.
Wer sich mit der Wirkung von Lebensmitteln auf den Körper befasst, kann EntzĂŒndungsprozesse und Schmerzen oft schon durch einfache Supermarkt-Produkte wie Ingwer oder Brokkoli lindern. Erfahren Sie in diesem Guide, welche 12 natĂŒrlichen Helfer Ihre VitalitĂ€t im Alltag steigern können. Gratis-Ratgeber: Die 12 stĂ€rksten EntzĂŒndungs-Killer entdecken
Wird GemĂŒse vor Kohlenhydraten verzehrt, sinkt der Blutzucker nach 30 Minuten um durchschnittlich rund 22 Milligramm pro Deziliter, liegt jedoch nach zwei Stunden etwa vier Milligramm pro Deziliter höher als in den Kontrollgruppen.
Die Insulinwerte lagen nach 30 Minuten um 13,14 Mikroeinheiten pro Milliliter und nach 60 Minuten um 12,03 Einheiten niedriger, stiegen nach zwei Stunden jedoch um 7,10 Einheiten an. DDZ-ErnÀhrungswissenschaftlerin Katharina Kampmann-Gongoll betont, dass sich daraus keine dauerhafte Senkung ableiten lasse.
Dr. Alexander Lang warnt vor einer unkritischen Ăbertragung dieser Ergebnisse auf Ăltere oder Personen mit Diabetes. FĂŒr Prof. Michael Roden bleiben die allgemeine LebensmittelqualitĂ€t, die Mahlzeitenzusammensetzung sowie eine adĂ€quate Energiezufuhr die entscheidenden GröĂen.
Mehr zum Thema bei Frankfurter Rundschau: âDeutsches Diabetes-Zentrum warnt: GemĂŒse vor Kohlenhydraten senkt den Blutzucker nicht dauerhaftâ
