Ernährung, Rheuma

Ernährung und Rheuma: Entzündungsindex erhöht Arthritis-Chancen um 17 Prozent

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 20:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien verknüpfen entzündungsärmere Ernährungsmuster mit rheumatoider Arthritis; Ernährung ergänzt die Behandlung, ersetzt sie aber nicht.

Ernährung bei Gelenkbeschwerden: Was Studien zu Rheuma zeigen
Frische Lebensmittel wie Beeren, Nüsse, grünes Blattgemüse und Olivenöl auf einem rustikalen Holztisch. Illustration mit AI erstellt.

Ernährungsgewohnheiten stehen bei rheumatischen Erkrankungen und Gelenkschmerzen zunehmend im Fokus präventiver sowie begleitender Ansätze. In einem Vortrag mit dem Titel „Essen Sie Ihre Gelenke stark“ thematisierte Gesundheitsberaterin Elke Beiter am 5. Oktober in Irndorf typische Ernährungsfehler, die im Zusammenhang mit Gelenkbeschwerden auftreten können. Dabei hob sie den übermäßigen Konsum von Weißmehl, Süßigkeiten, Fleisch, Wurst sowie zuckerhaltigen Softdrinks hervor.

Einfluss entzündungsfördernder und schützender Lebensmittel

Als biochemischer Faktor wurde in dem Vortrag insbesondere die in Fleisch und Wurstwaren enthaltene Arachidonsäure genannt, welche entzündliche Prozesse im Körper begünstigen könne. Im Gegenzug böten pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Kräuter und Gewürze wertvolle Ballaststoffe.

Zugleich verdeutlichte der Vortrag die Grenzen individueller Erfahrungsberichte: Ein von Beiter geschilderter Einzelfallbericht zum Konsum von Cola stelle keinen allgemeinen wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweis dar.

Dass die Ernährungsweise Entzündungsmechanismen modulieren kann, wird auch in weiteren fachlichen Zusammenhängen diskutiert. Bei Kniearthrose könne eine angepasste Ernährung Entzündungsprozesse beeinflussen, führe jedoch nicht zu einer Heilung der Erkrankung.

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Zu den empfohlenen Lebensmitteln zählen unter anderem Beeren, fetter Fisch, Olivenöl, Nüsse, Hülsenfrüchte, Blattgemüse und Gewürze, während stark verarbeitete Produkte, zugesetzter Zucker sowie gesättigte Fette begrenzt werden sollten.

Eine Übersichtsarbeit von 21 Studien aus dem Jahr 2022 zeigte zudem, dass 100-prozentiger Orangensaft Entzündungsmarker senken kann. Nach Daten des Robert Koch-Instituts waren im Jahr 2025 in Deutschland 16,5 Prozent der Erwachsenen von Arthrose betroffen.

Ergänzung zur Therapie statt vollständiger Ersatz

Medizinische Organisationen betonen regelmäßig die Rolle der Ernährung als begleitende Maßnahme. Die Deutsche Rheuma-Liga, die unter anderem Selbstmanagement-Kurse mit Schmerzbewältigung, Entspannung und Alltagstipps anbietet, verweist darauf, dass eine Ernährungsumstellung die medikamentöse Therapie nicht ersetzt.

Bei rheumatoider Arthritis werde eine mediterrane Kost als sinnvolle Ergänzung empfohlen. Insgesamt existieren mehr als 100 unterschiedliche rheumatische Erkrankungen, was differenzierte Behandlungsansätze erforderlich macht.

Neben der Ernährung bleiben körperliche Bewegung, Krafttraining und physiotherapeutische Maßnahmen zentrale Säulen bei der Behandlung von Gelenkbeschwerden.

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Studienlage zu Ernährungsindizes und Gelenkgesundheit

Den statistischen Zusammenhang zwischen Ernährungsmustern und entzündlichen Erkrankungen untersuchte eine Fall-Kontroll-Studie des ICMR-NIN in Hyderabad, die in der Fachzeitschrift „Nutrients“ erschien. Untersucht wurden 615 Erwachsene im Alter von 18 bis 55 Jahren, darunter 301 neu diagnostizierte Patientinnen und Patienten mit rheumatoider Arthritis sowie 314 gesunde Kontrollpersonen.

Die Gruppe mit rheumatoider Arthritis wies einen höheren medianen Dietary Inflammatory Index (DII) auf (2,18 gegenüber 0,37 in der Kontrollgruppe). Zudem zeigte sich bei den Betroffenen seltener eine hohe Ernährungsvielfalt (50,2 Prozent gegenüber 74,2 Prozent) und eine niedrigere mediane Mikronährstoff-Adequanz (18,9 Prozent gegenüber 32,9 Prozent).

Pro DII-Einheit stiegen die berechneten Chancen für das Vorliegen einer rheumatoiden Arthritis um 17 Prozent. Umgekehrt sank die Wahrscheinlichkeit je Einheit an Ernährungsvielfalt um 27 Prozent und je 10 Prozent höherer Mikronährstoff-Adequanz um 12 Prozent. Die Forschenden betonten, dass diese Ergebnisse einen statistischen Zusammenhang abbilden, jedoch keinen Kausalitätsbeweis liefern.

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