ERP-Systeme: Netto und Bike-Discount bewältigen 40.000 Bestellungen
Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 12:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Digitalisierung von Handels- und Logistikprozessen gewinnt 2026 weiter an Fahrt – deutsche Unternehmen migrieren verstärkt auf cloudbasierte ERP-Systeme. Im Zentrum stehen dabei Microsoft Dynamics 365, SAP S/4HANA und spezialisierte SaaS-Lösungen, die flexiblere und schnellere Prozesse versprechen.
Microsoft Dynamics 365: Der neue Standard im Handel?
Die BAUR-Gruppe hat ihre Marke quelle.de nach 14 Monaten Entwicklungszeit vollständig auf Business Central und die diva-Plattform umgestellt. Rund 30 Peripheriesysteme und 110 Schnittstellen wurden dabei integriert. Im Abnahmetest überzeugte das System: Bei mehr als 2.200 Testfällen lag die Erfolgsquote bei 98 Prozent.
Auch andere Händler setzen auf den Microsoft-Stack. Die NeS GmbH, E-Commerce-Tochter von Netto Marken-Discount, migrierte Mitte 2025 von Dynamics NAV auf Business Central. Nach 18 Monaten Projektlaufzeit verarbeitete das Unternehmen am ersten Betriebstag 10.000 Bestellungen – unterstützt durch ein Portal mit über 200 angebundenen Lieferanten. Im Fachhandel zog Bike-Discount im März 2026 nach: Das neue System, angebunden an einen Shopware-6-Webshop, bewältigte in der ersten Live-Woche rund 30.000 Bestellungen.
SaaS-Lösungen für den Mittelstand
Der Bedarf an schnell einsatzbereiten ERP-Systemen wächst – speziell bei Start-ups und wachstumsstarken KMU. MAC IT-Solutions, Ende 2025 für seine Multichannel-Software ausgezeichnet, bringt mit diva now eine SaaS-Variante seiner Plattform an den Markt. Sie verspricht skalierbare Infrastruktur ohne lange Implementierungszeiten.
PureNature (C2M Commerce GmbH) startete den Rollout bereits im Januar – parallel zum Umzug der Logistik von Idar-Oberstein nach Würzburg. Die Entwicklung zeigt: Händler legen zunehmend Wert auf schnelle Deployment-Zeiten und die nahtlose Anbindung externer Logistikdienstleister und Marktplätze.
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Cloud-Infrastruktur: Rüstzeug für den Black Friday
Neben den Kernfunktionen überholen große Einzelhändler ihre Dateninfrastruktur, um Spitzenlasten wie den Black Friday zu bewältigen. Der US-Konzern Target hat seine Produktsuchsysteme auf Google Cloud Spanner Graph migriert. Der Umbau senkte den Wartungsaufwand für die Infrastruktur um die Hälfte und verbesserte zugleich die Zuverlässigkeit von Empfehlungs- und Suchfunktionen.
In Deutschland verfolgt die Rewe Group eine mehrstufige Migration ihrer SAP-Systeme in die Google Cloud. Ziel: geringere Betriebskosten durch verbrauchsbasiertes Billing und modernisierte Sicherheitsstandards. Der Hygiene- und Gesundheitskonzern Essity wiederum hat seine B2B-E-Commerce-Transformation in ein globales S/4HANA-Projekt integriert und setzt dabei auf SAP Commerce Cloud.
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Finanzprozesse und Verwaltung digitalisieren
Auch das Finanzwesen wird schlanker: Segway-Ninebot hat CCH Tagetik eingeführt und seinen Monatsabschluss um 45 Prozent beschleunigt. Ein Entity-Abschluss gelingt nun innerhalb eines Tages, das vollständige Management-Reporting binnen vier Tagen nach Monatsende.
Im öffentlichen Sektor erreichen S/4HANA-Migrationen wichtige Meilensteine: Die BAnst PT startete ihr System am 1. Januar 2026 für 1.000 Nutzer. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) implementierte nach 18 Monaten eine KI-Werkzeugkiste für seine 25.000 Studierenden und 10.000 Beschäftigten. Die Modernisierungswelle erfasst also nicht nur den Handel – sie ist zu einem breiten Trend über alle Organisationsformen geworden.
