Griechenland: Jagd auf giftigen Hasenkopf-Kugelfisch
29.06.2026 - 08:17:48 | dpa.dePilotprogramm fĂŒr griechische Fischer: KĂŒnftig erhalten sie in bestimmten Regionen des Landes PrĂ€mien fĂŒr den Fang des Hasenkopf-Kugelfisches (Lagocephalus sceleratus). Vorerst wendet sich die UnterstĂŒtzung an Berufsfischer rund um Kreta und in der sĂŒdlichen ĂgĂ€is, wie der Nachrichtensender Skai berichtet. Pro Kilo der invasiven Fischart sollen dann 5,33 Euro gezahlt werden. Fischerei-VerbĂ€nde begrĂŒĂen das Programm, denn der Hasenkopf macht Fischern das Leben schwer und bringt das Ăkosystem durcheinander.
Der recht unscheinbare Fisch, der gewöhnlich etwa 40 Zentimeter lang und 9 Kilogramm schwer ist, stammt eigentlich aus dem Indischen Ozean und dem Pazifik. Durch den Suezkanal wanderte er ins Mittelmeer ein, wo er erstmals 2003 nachgewiesen wurde. Obwohl es nach Angaben des Griechischen Zentrums fĂŒr Meeresforschung (HCMR) nur wenige gezielte Studien zur Auswirkung des Hasenkopfs auf die BiodiversitĂ€t gibt, deuten wissenschaftliche Modelle darauf hin, dass er negative Folgen hat. Die Art sei anpassungsfĂ€hig und es gebe wenige natĂŒrliche Fressfeinde, heiĂt es beim HCMR.
2022 wurde ein Badender gebissen
In griechischen Medien erlebte der Hasenkopf zuletzt enorme Aufmerksamkeit: zum einen, weil er giftig ist und nicht verzehrt werden darf, zum anderen, weil er sehr scharfe, schnabelartige ZĂ€hne hat und Fischer immer wieder von heftigen Bisswunden berichten, die sie etwa beim SĂ€ubern der Netze erlitten.Â
Beim HCMR gibt man jedoch fĂŒr BadegĂ€ste Entwarnung. Es sei bislang nur ein einziger Vorfall aus dem Jahr 2022 bekannt, bei dem ein Badender gebissen wurde. Und nur ein Fall von fĂŒnf auslĂ€ndischen Matrosen, die den Fisch geangelt und verzehrt hatten und sich dadurch vergifteten, aber nicht daran starben.
FangprĂ€mien auch in der TĂŒrkei
Der Hasenkopf enthĂ€lt das Nervengift Tetrodotoxin (TTX), das die Reizweiterleitung in den Nerven blockiert und durch Erhitzen beim Kochen nicht zerstört wird. Dennoch beruhigt man beim HCMR, die Risiken seien Ă€uĂerst gering - wesentlich hĂ€ufiger gebe es Verletzungen etwa durch das heimische PetermĂ€nnchen.Â
Die FangprĂ€mie zielt denn auch nicht auf die Badenden, sondern auf die Fischer ab, denn der Hasenkopf frisst ihnen die Netze leer und zerbeiĂt sie dabei. Und er vermehrt sich stark, wodurch heimische Arten verdrĂ€ngt werden. In tĂŒrkischen GewĂ€ssern, wo der Fisch schon vor Jahren zum Problem wurde und wo es ebenfalls PrĂ€mien fĂŒr seinen Fang gibt, sieht man die Aktion als Erfolg. So wurden laut tĂŒrkischem Landwirtschafts- und Forstministerium im vergangenen Jahr rund 290.000 Hasenköpfe gefangen. Dies habe SchĂ€tzungen zufolge 22 Millionen neue Individuen verhindert.
Der griechische Minister fĂŒr lĂ€ndliche Entwicklung und ErnĂ€hrung, Margaritis Schinas, gibt sich zurĂŒckhaltend. «Unser Ziel ist es, Anreize zu schaffen, aber ehrlich gesagt werden wir keine spektakulĂ€ren VerĂ€nderungen sehen», sagte er gegenĂŒber griechischen Medien. Ausrottung sei nicht möglich, es gehe vielmehr um die Begrenzung der Population vor allem wĂ€hrend der Laichzeit und um die UnterstĂŒtzung der Berufsfischer, denen das Tier die Netze leerfrisst. Ansonsten, so bilanziert Schinas, sei der Hasenkopf-Kugelfisch leider gekommen, um zu bleiben.
