Erwerbsbeteiligung: 20- bis 24-Jährige auf Rekord von 76,8 Prozent
Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 11:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der öffentlichen Debatte wird jungen Arbeitnehmern der sogenannten Generation Z oft eine mangelnde Leistungsbereitschaft unterstellt. Eine Analyse aktueller Arbeitsmarktdaten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) aus dem August 2026 zeichnet jedoch ein anderes Bild. Die Zahlen belegen eine historisch hohe Erwerbsbeteiligung unter jungen Erwachsenen und stellen damit gängige Vorurteile infrage.
Signifikanter Anstieg der Erwerbsbeteiligung
Die Untersuchungen der IAB-Forscher Hellwagner und Weber zeigen, dass die Erwerbsbeteiligung der 20- bis 24-Jährigen über das letzte Jahrzehnt deutlich zugenommen hat. Von 2015 bis 2025 stieg dieser Wert um 7,1 Prozentpunkte auf insgesamt 76,8 Prozent. Dies stellt laut dem Institut den höchsten Stand seit Jahrzehnten dar. Selbst unter schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen setzte sich dieser Trend fort: Seit 2023 erhöhte sich die Erwerbsquote in dieser Altersgruppe trotz einer schwachen Konjunktur um weitere 0,9 Prozentpunkte.
Im Vergleich dazu lag die Erwerbsquote der 25- bis 64-Jährigen im Jahr 2025 bei 87,2 Prozent. Auch in dieser Gruppe war ein Zuwachs zu verzeichnen, der mit 3,1 Prozentpunkten seit 2015 beziehungsweise 0,4 Prozentpunkten seit 2023 jedoch moderater ausfiel als bei den jüngeren Erwerbstätigen.
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Erhöhte Arbeitsbereitschaft bei Studierenden und Nichtstudierenden
Ein besonders deutlicher Wandel zeigt sich im Segment der akademischen Ausbildung. Die Erwerbsquote der Studierenden im Alter von 20 bis 24 Jahren verzeichnete zwischen 2015 und 2023 einen massiven Sprung um 19,3 Prozentpunkte auf 56 Prozent. Doch auch bei den Nichtstudierenden derselben Altersklasse blieb das Engagement auf hohem Niveau. In dieser Gruppe lag die Erwerbsquote im Jahr 2025 bei 85,9 Prozent, was einem Anstieg von 1,6 Prozentpunkten entspricht.
Der IAB-Experte Enzo Weber betonte in diesem Zusammenhang, dass das Klischee einer grundsätzlichen Arbeitsunwilligkeit der Generation Z nicht mit der statistischen Realität übereinstimme. Die Daten deuteten vielmehr auf eine starke Integration in den Arbeitsmarkt hin. Auffällig sei zudem, dass junge Menschen überdurchschnittlich häufig in Branchen wie dem Handel und der Gastronomie tätig sind.
Ergänzende Studien stützen die Forschungsergebnisse
Die Befunde des IAB werden durch weitere Untersuchungen gestützt. Die im Jahr 2026 veröffentlichte Studie „Jugend in Deutschland“ belegt auf Basis einer Befragung von 2.000 Personen im Alter von 14 bis 29 Jahren eine hohe Leistungsbereitschaft innerhalb dieser Alterskohorte. Bereits die Shell-Jugendstudie aus dem Jahr 2024 hatte herausgearbeitet, dass Arbeit für junge Menschen weiterhin einen hohen Stellenwert besitze, wobei gleichzeitig der Wunsch nach Flexibilität an Bedeutung gewinne.
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Politischer Diskurs und wirtschaftliche Rahmenbedingungen
Die Forschungsergebnisse fallen in eine Zeit intensiver politischer Debatten über die Arbeitsmoral in Deutschland. So hatte Friedrich Merz (CDU) noch Anfang 2025 unterstrichen, dass Arbeit ein wesentlicher Teil der Lebenserfüllung sei. Markus Söder (CSU) forderte zudem eine pauschale Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit um eine Stunde.
Kritiker verweisen derweil auf die finanziellen Rahmenbedingungen für junge Menschen. Während für Verteidigungsausgaben Summen von 607 Milliarden Euro genannt werden, wird die Verzögerung bei der geplanten Erhöhung des Bafög kritisiert, die erst für das Jahr 2029 vorgesehen ist. Vor diesem Hintergrund erscheint die gestiegene Erwerbsquote von Studierenden auch als notwendige Reaktion auf wirtschaftliche Zwänge.
