Erziehung: Studie mit 2.700 Kindern zeigt Folgen inkonsequenter Regeln
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 00:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deInnere Antreiber und die Herausforderung bedürfnisorientierter Erziehung
Wie die Oldenburger Psychologin Jill Baier in einem Bericht der Frankfurter Rundschau darlegt, entsteht elterlicher Stress bei Müttern nur zu einem geringen Teil durch äußere Faktoren, sondern vor allem im Innen.
Kinder fungieren im Alltag häufig als Spiegel der eigenen Lebensthemen. Nach Baiers Einschätzung bedeutet ein bedürfnisorientierter Erziehungsansatz, die Bedürfnisse sämtlicher Familienmitglieder zu berücksichtigen – ausdrücklich auch jene der Eltern selbst.
Gerade Angehörige der Millennial-Generation tun sich nach ihren Beobachtungen oft schwer damit, klare Grenzen zu ziehen. Viele von ihnen seien früher selbst mit starren Vorgaben aufgewachsen, die ohne inhaltliche Erklärung durchgesetzt wurden. Grenzen seien jedoch bei zentralen Angelegenheiten unverzichtbar, etwa für die Sicherheit im Straßenverkehr oder bei der Zahnpflege.
In solchen Momenten dürfe ein Kind den damit verbundenen Frust auch uneingeschränkt spüren und zeigen. Bei weniger bedeutsamen Alltagsfragen, wie dem Tragen einer nassen Socke oder dem Zeitpunkt des Ausziehens von Gummistiefeln, sollten Eltern dagegen nicht starr auf ihrem eigenen Plan beharren.
Das Risiko elterlicher Erschöpfung durch überhöhte Ansprüche
Der innere Druck zur Perfektion belastet viele Erziehende nachhaltig. Laut einer Untersuchung der Forscherinnen Isabelle Mikolajczak und Moïra Roskam aus dem Jahr 2018 mit 923 Eltern beschreibt das BR²-Modell elterliches Burnout als ein anhaltendes Ungleichgewicht zwischen den Anforderungen der Betreuung und den real verfügbaren Ressourcen.
Zu diesen Ressourcen zählen unter anderem Erholungsphasen, Unterstützung, Eigenzeit und partnerschaftliche Mitverantwortung. Wie die Psychologin Iosune Mendia ausführt, sind Mütter aus sozialen und kulturellen Gründen deutlich häufiger von dieser chronischen Erschöpfung betroffen als Väter.
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Zur Prävention wird geraten, die Ansprüche an eine vermeintlich ideale Mutterrolle zu senken und Verantwortung aktiv abzugeben. In diesem Kontext betont auch die Psychologin Stefanie Stahl, dass Eltern keineswegs perfekt sein müssen, sondern ein hinreichend gutes Verhalten ausreiche. Zudem sollten Eltern das Verhalten ihrer Kinder nicht als Maßstab für den eigenen Selbstwert werten.
Klare Orientierung statt endloser Debatten im Alltag
Dass Verlässlichkeit und Grenzziehungen für das Wohlbefinden von Kindern wichtig sind, zeigen auch entwicklungspsychologische Daten. Eine Studie von Dr. Xiaoye Xu von der SUNY Cortland aus dem September 2026, die auf Daten von über 2.700 Kindern im Alter von 5 bis 18 Jahren basiert, verweist darauf, dass inkonsequente Disziplin unabhängig vom Maß an elterlicher Zuwendung mit vermehrten Verhaltensauffälligkeiten und emotionalen Problemen einhergeht. An der Erhebung nahmen allerdings lediglich 52 Väter teil, weshalb die Aussagekraft für Väter eingeschränkt bleibt.
Gleichzeitig führt der Versuch, Konflikte rein partnerschaftlich auszuhandeln, mitunter zu einer Überforderung. Familiencoach Sebastian Reisinger stellt fest, dass viele moderne Eltern im Alltag zu viel reden und zu viele Fragen stellen, statt klare Führung zu übernehmen. Negative Gefühle beim Kind auszuhalten, falle vielen schwer, was nach Reibereien rasch zu Schuldgefühlen führe.
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Vor den Folgen einer fehlenden Grenzziehung warnt auch die Psychologin Caroline Goldman: Das Ausbleiben notwendiger Frustrationserfahrungen könne bei Heranwachsenden zu Verhaltensproblemen wie Frustrationsintoleranz oder Regelverweigerung beitragen. Ein klarer Rahmen entlastet somit langfristig sowohl Kinder als auch Eltern.
