Intel gibt PlĂ€ne fĂŒr Fabrik in Magdeburg auf
25.07.2025 - 03:57:59Der kriselnde Chipkonzern Intel hat die milliardenschweren PlĂ€ne fĂŒr eine Fabrik in Magdeburg aufgegeben. Intel werde kĂŒnftig KapazitĂ€ten nur noch ausbauen, wenn es dafĂŒr genug Nachfrage von Kunden gebe, sagte Firmenchef Lip-Bu Tan. Dieser «neuen Ausgaben-Disziplin» wird auch der geplante Standort in Polen zum Opfer fallen. Zudem lĂ€uft der nĂ€chste Stellenabbau.
Das Aus fĂŒr Magdeburg kommt nicht ganz ĂŒberraschend. Schon im September vergangenen Jahres wurde das Projekt aus Eis gelegt - fĂŒr zwei Jahre, wie damals hieĂ. Und Intel-Manager lieĂen zuletzt durchblicken, dass die Bagger erst anrollen wĂŒrden, wenn sich genug Nachfrage fĂŒr mehr Chips abzeichnet.
3.000 ArbeitsplÀtze in Magdeburg waren geplant
Der erste Spatenstich in Sachsen-Anhalt war einst fĂŒr 2024 angepeilt worden. Dabei sollten rund 3.000 ArbeitsplĂ€tze entstehen. Die Investition wurde auf rund 30 Milliarden Euro beziffert.Â
Das Werk in Deutschland war Teil eines ambitionierten Plans des vorherigen Chefs Pat Gelsinger, Intel aus der Krise zu fĂŒhren. Er wollte den Halbleiter-Pionier auch als Auftragsfertiger fĂŒr andere Chip-Firmen etablieren. Die neuen Fabriken sollten her, um potenziellen Kunden ordentlich KapazitĂ€t bieten zu können.
Zudem setzte Gelsinger darauf, dass die USA und Europa mehr Chip-Produktion aus Asien in den Westen holen wollen - und dafĂŒr auch viel Geld in die Hand nehmen. Intel bot sich ihnen als vertrauenswĂŒrdiger Partner an.
Gescheitert mit Flucht nach vorn
Es war ein gewagter - und teurer - Plan, der am Ende gegen die Wand ging. Verzögerungen bei neuen Produktionsprozessen und Zweifel potenzieller Kunden lieĂen die Zeit schwinden, in der Gelsinger das Ruder herumreiĂen wollte. Und auch wenn die Bundesregierung 2023 staatliche Hilfen von 9,9 Milliarden Euro fĂŒr die Ansiedlung in Magdeburg in Aussicht stellte - Intel hĂ€tte noch einmal doppelt so viel aufbringen mĂŒssen. Das Geld wurde aber durch fortlaufende Verluste knapper. Gelsinger musste Ende 2024 gehen.
Sein Nachfolger geht mit der Wachstumsstrategie der vergangenen Jahre hart ins Gericht. Die Fabrik-Investitionen seien «unklug und maĂlos» gewesen, kritisierte Lip-Bu Tan nach Vorlage aktueller Quartalszahlen. Und die geplanten KapazitĂ€ten hĂ€tten die Nachfrage weit ĂŒberschritten. Jetzt will Intel sogar beim Werk im US-Bundesstaat Ohio im Heimatmarkt das Tempo der Bauarbeiten drosseln.
Tiefrote Zahlen
Lip-Bu Tan sprach von einem «soliden» vergangenen Quartal. Allerdings stagnierte der Umsatz im Jahresvergleich bei 12,9 Milliarden Dollar (10,98 Mrd Euro). Unterm Strich gab es einen Verlust von 2,9 Milliarden Dollar nach roten Zahlen von 1,6 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor.Â
Dabei betont Intel, das GeschÀft sei in den vergangenen Monaten durch Sorgen rund um die Handelspolitik von US-PrÀsident Donald Trump zusÀtzlich angekurbelt worden. Kunden packten aus Angst vor neuen Zöllen zum Teil Chips auf Lager. Dieser Effekt lasse inzwischen nach.
Die Zahl der Mitarbeiter soll zum Jahresende auf rund 75.000 sinken. Lip-Bu Tan sprach in einer E-Mail an die Belegschaft von einem Abbau um etwa 15 Prozent. Doch die Zahl der Intel-BeschÀftigten war bereits zum Ende vergangenen Jahres auf knapp 109.000 von gut 124.000 Ende September gesunken.
Noch ein Zeichen fĂŒr die Krise von Intel: Der Konzern rĂ€umt ein, dass er die Entwicklung seiner modernen Prozessor-Technologie 14A fallenlassen könnte, wenn sich dafĂŒr nicht genug Kunden finden. Analyst Matt Bryson von Wedbush Securities sieht in einer solchen Einstellung ein Problem. Die Intel-Aktie fiel im nachbörslichen US-Handel um mehr als vier Prozent.
Probleme seit Jahren
Intel dominierte einst die Chipbranche, fiel dann aber zurĂŒck. Ein entscheidender Moment war der verlorene Kampf um den Platz in Smartphones. Intel hoffte, die StĂ€rke im PC-GeschĂ€ft auf die Mobil-GerĂ€te zu ĂŒbertragen - doch bei den Computer-Handys setzten sich stromsparendere Prozessoren durch. Smartphone-Chips kommen somit nicht von Intel, sondern von Wettbewerbern wie Qualcomm oder TSMC. Und bei Chipsystemen fĂŒr KĂŒnstliche Intelligenz fĂŒhrt mit groĂem Abstand Nvidia.


