Essstörungen: 50% Anstieg bei jungen MÀdchen seit 2019
05.06.2026 - 12:51:38 | boerse-global.de
Das Spannungsfeld zwischen sportlichem Ehrgeiz, Schulstress und psychischer StabilitÀt fordert immer mehr Aufmerksamkeit.
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Wachsender Druck und seine Folgen
In psychologischen Beratungsstellen nehmen die Fallzahlen stetig zu. Schulpsychologe Basil Eckert aus dem Kanton Schwyz beobachtet diesen Trend trotz leicht sinkender SchĂŒlerzahlen. Sein PlĂ€doyer: mehr Gelassenheit und unverplante Zeit fĂŒr Kinder und Jugendliche.
Besonders drastisch zeigt sich die Entwicklung im Leistungssport. Bundesligaspielerin Lea Ambrosius schilderte ihre Erfahrungen mit lebensbedrohlichem Untergewicht im Jahr 2024. Auch Zweitligaspielerin Betty Lange blickte auf einen krankheitsbedingten Krankenhausaufenthalt mit 16 Jahren zurĂŒck.
Eine KKH-Studie untermauert diese Entwicklung: Zwischen 2019 und 2023 stiegen Essstörungen bei jungen MĂ€dchen um 50 Prozent. Experten fĂŒhren dies unter anderem auf die Belastungen wĂ€hrend der Corona-Pandemie zurĂŒck.
Hohe Abbruchquoten im Breitensport
RB-Leipzig-TorhĂŒter PĂ©ter GulĂĄcsi schlug Anfang Juni auf einem Fachgipfel zur Kindergesundheit Alarm. Nur 15 Prozent der 11- bis 17-JĂ€hrigen bewegen sich ausreichend. Besonders kritisch: 75 Prozent der Jungen und 90 Prozent der MĂ€dchen steigen vorzeitig aus dem Leistungssport aus.
Die Deutsche Sportjugend (dsj) fordert daher tĂ€gliche Bewegungs- und Sportangebote im Ganztag. In einer Mitteilung vom Mai 2026 betonte die Organisation die Notwendigkeit verstĂ€rkter Kooperationen und geeigneter Infrastruktur â vor allem fĂŒr benachteiligte Kinder.
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Was PĂ€dagogen fordern
SportpĂ€dagoge Alfred Richartz von der UniversitĂ€t Hamburg verwies Anfang Juni auf die UN-Kinderrechte: Zwang zum Sport sei rechtswidrig. Kinder hĂ€tten ein Recht auf Ruhe, Freizeit und Spiel. Kollege Nils Neuber von der UniversitĂ€t MĂŒnster rĂ€t zu einer breiten motorischen Basis statt frĂŒhzeitiger Spezialisierung.
Modelle fĂŒr die Praxis
Verschiedene Projekte zeigen, wie Sport und Gesundheit ohne Ăberlastung funktionieren können:
Ganzheitliche Ausbildung: Im Sportinternat des 1. FC Magdeburg koordinieren Sportlerklassen Schule und Training. Ein geregelter Tagesablauf mit Vormittags- und Nachmittagstraining soll die Vereinbarkeit fördern.
Niederschwellige Angebote: In Gelnhausen ist fĂŒr Mitte Juni ein Forscherfest unter dem Motto Gesundheit geplant. Kinder können dort spielerisch Herzfrequenzmessung, Bewegungsparcours und StressbewĂ€ltigung kennenlernen.
Gezielte Kurse: In Magdeburg und Mannheim starten im Juni BogenschieĂ-Kurse fĂŒr MĂ€dchen und kostenlose Tanzprojekte â Sportangebote ohne Leistungsdruck.
Die Initiativen zeigen einen klaren Trend: Sportliche AktivitĂ€t wird zunehmend mit mentaler Gesundheit und pĂ€dagogischer Begleitung verknĂŒpft. Das Ziel ist die langfristige Bindung Jugendlicher an den Sport â ohne Ăberlastung.
