Essstörungen, Diagnosen

Essstörungen: Diagnosen bei MÀdchen um 50% gestiegen

Veröffentlicht am: 03.07.2026 um 03:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Diagnosen von Essstörungen bei jungen MÀdchen stiegen seit 2019 um 50 Prozent. Social Media und Leistungsdruck gelten als Hauptursachen.

Essstörungen bei Jugendlichen: DAK-Bericht zeigt drastischen Anstieg
Eine nachdenkliche junge Frau im Profil, die aus einem Fenster blickt, mit sanftem, natĂŒrlichem Licht, das eine nachdenkliche Stimmung erzeugt. Illustration mit AI erstellt.

Ein DAK-Bericht aus 2024 zeigt: Bei jugendlichen MĂ€dchen legten die Diagnosen im Vergleich zu 2019 um 50 Prozent zu. Auch in Schleswig-Holstein ist der Trend deutlich – dort befanden sich 2023 insgesamt 17.302 Menschen wegen Essstörungen in Behandlung. Das entspricht einem Plus von zwölf Prozent innerhalb von fĂŒnf Jahren.

Besonders betroffen: Junge Frauen und MĂ€dchen. Branchenexperten zufolge sind 80 bis 90 Prozent der Erkrankten weiblich. Magersucht (Anorexie) nimmt dabei eine Sonderstellung ein – sie hat unter allen psychischen Erkrankungen die höchste Sterblichkeitsrate. In Europa leiden bis zu zwei Prozent der Bevölkerung an Anorexie, MĂ€dchen erkranken statistisch zehnmal hĂ€ufiger als Jungen. Hinzu kommt: Rund 62 Prozent der Betroffenen haben zusĂ€tzliche Begleiterkrankungen, vor allem Depressionen.

Social Media als Treiber der Krise

Fachleute sehen eine gefÀhrliche Mischung aus gesellschaftlichem Leistungsdruck, Pandemie-Folgen und sozialen Medien. Digitale Plattformen propagieren unrealistische Schönheitsideale und befeuern riskante Trends wie extremes Abnehmen.

Ein Meilenstein in der rechtlichen Auseinandersetzung: Im MĂ€rz 2026 entschied eine Jury in Los Angeles, dass soziale Medien fĂŒr psychische SchĂ€den bei Jugendlichen mitverantwortlich gemacht werden können. Die EU-Kommission kritisiert zudem manipulative Designs bei TikTok und Snapchat. Die Psychologin Annika Brandtner von der UniversitĂ€t Duisburg-Essen warnt: Jugendliche seien wegen ihrer noch unvollstĂ€ndigen Selbstregulierung besonders gefĂ€hrdet.

Doch die Folgen sind nicht nur psychisch. Dr. Tomasz Jarczok, Chefarzt an der KJF-Klinik Josefinum, betont: Schwere Magersucht-VerlÀufe können sogar das Gehirnvolumen reduzieren.

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Neue TherapieansÀtze gegen lange Wartezeiten

Die Forschung sucht nach Alternativen zur stationĂ€ren Aufnahme – denn die Wartezeiten sind oft lang. Die FIAT-Studie, an der unter anderem die CharitĂ© Berlin und die Krankenkasse mhplus beteiligt sind, untersucht die familienbasierte Therapie (FBT). An 22 Studienzentren bundesweit testen Forscher, ob telemedizinisch gestĂŒtzte Therapie fĂŒr Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 17 Jahren eine echte Alternative sein kann.

Parallel dazu gibt es neue medikamentöse Entwicklungen – mit Risiken. Eine vorlĂ€ufige Studie des Karolinska Institutet zeigt: Rund zehn Prozent der Menschen mit diagnostizierter Essstörung erhielten Medikamente zur Gewichtsreduktion. In der Vergleichsgruppe ohne Essstörung waren es nur sieben Prozent. Die Forscher mahnen zur Vorsicht – vor allem bei Anorexie-Patienten, die solche PrĂ€parate teils auf dem Schwarzmarkt besorgen.

VersorgungslĂŒcken und politische Forderungen

Die strukturelle Unterversorgung im Bereich mentale Gesundheit bleibt ein Dauerbrenner. In Schleswig-Holstein kommt ein Schulpsychologe auf ĂŒber 5.900 SchĂŒler – weit entfernt von den Forderungen der FachverbĂ€nde. Dabei sind laut Robert Bosch Stiftung rund 25 Prozent der Jugendlichen psychisch auffĂ€llig. Experten fordern eine bessere Vernetzung der Hilfsangebote.

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Auch die ErnĂ€hrungspolitik steht in der Diskussion. WĂ€hrend auf TikTok Trends wie ballaststoffreiche ErnĂ€hrung („Fibermaxxing“) boomen, fordert die SPD strukturelle Maßnahmen – etwa eine Zuckersteuer auf Softdrinks. Modellrechnungen zufolge könnte eine solche Abgabe langfristig Milliarden im Gesundheitssystem sparen. ZusĂ€tzlich fordern Experten mehr ErnĂ€hrungsthemen und Angehörigenarbeit in Schulen und Kitas, um frĂŒhzeitig gegenzusteuern.

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