Essstörungen, MedUni

Essstörungen: MedUni Wien veröffentlicht neuen Fachratgeber

06.05.2026 - 14:15:49 | boerse-global.de

Die MedUni Wien veröffentlicht einen aktuellen Ratgeber zu Diagnostik und Therapie von Essstörungen, der auch soziale Medien als Risikofaktor benennt.

Essstörungen: MedUni Wien veröffentlicht neuen Fachratgeber - Foto: ĂŒber boerse-global.de
Essstörungen: MedUni Wien veröffentlicht neuen Fachratgeber - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Die Medizinische UniversitĂ€t Wien hat Anfang Mai 2026 einen neuen Ratgeber zu Diagnostik und Therapie von Essstörungen veröffentlicht. Essstörungen sind mittlerweile die dritthĂ€ufigste chronische Erkrankung im Jugendalter – nach Asthma und Adipositas.

Verfasst wurde die Publikation von Andreas Karwautz, Leiter der Ambulanz fĂŒr Essstörungen und PrĂ€sident der European Disorders Regeneration Society (EDRS). Der Ratgeber orientiert sich an den aktuellen Klassifikationskriterien der Weltgesundheitsorganisation (ICD-11).

Neben bekannten Krankheitsbildern wie Anorexia nervosa und Bulimia nervosa beschreibt er neuere Kategorien: die Binge-Eating-Störung, ARFID (vermeidend-restriktive ErnÀhrungsstörung), Pica sowie die Purging-Störung und orthorektisches Verhalten.

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Soziale Medien als Risikofaktor

Ein zentraler Aspekt der aktuellen Forschung ist der Einfluss soziokultureller Faktoren. Karwautz verweist insbesondere auf die Rolle sozialer Medien und moderner Schönheitstrends, die Essstörungen begĂŒnstigen können.

Da die FrĂŒherkennung entscheidend fĂŒr den Therapieerfolg ist, kombiniert der Ratgeber medizinische Fakten mit Erfahrungsberichten betroffener Jugendlicher. Die MedUni Wien plant fĂŒr Ende Mai 2026 eine Fachveranstaltung, um die neuen Erkenntnisse zu diskutieren.

Die regionale Versorgung zeigt die KomplexitÀt des Thema: In StÀdten wie Worms bieten Organisationen wie der Caritasverband mittlerweile spezialisierte frauenspezifische Beratungen an, die auch Suchtproblematiken wie Medikamentenmissbrauch oder Kaufsucht abdecken.

Europa verschÀrft ErnÀhrungsregeln

Parallel zur klinischen Aufarbeitung verschĂ€rfen mehrere europĂ€ische Staaten ihre ErnĂ€hrungspolitik. Das niederlĂ€ndische ErnĂ€hrungszentrum aktualisierte am 5. Mai 2026 seine nationalen Richtlinien, bekannt als „Schijf van Vijf“.

Die neuen Empfehlungen sehen eine deutliche Reduktion des Fleischkonsums auf maximal 300 Gramm pro Woche vor – rotes Fleisch soll lediglich 100 Gramm ausmachen. Im Gegenzug wurde die empfohlene Menge an HĂŒlsenfrĂŒchten auf 250 Gramm pro Woche erhöht.

Auch beim Milchkonsum rÀt das Zentrum zu reduziertem Verzehr und verstÀrktem Wechsel zu pflanzlichen Alternativen. Erstmals flossen Umweltauswirkungen und Schadstoffbelastungen in die Empfehlungen ein.

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In Spanien gelten ab Mai 2026 strengere Regeln fĂŒr die Schulverpflegung. Öffentliche und private Schulen mĂŒssen ZuckergetrĂ€nke, Energy-Drinks und verarbeitetes Fleisch verbieten. Frittierte Speisen sind nur noch einmal pro Woche erlaubt.

Hintergrund: Die Quote von Übergewicht bei Kindern im Alter von sechs bis neun Jahren liegt in Spanien bei etwa 36 Prozent, in einkommensschwachen Familien sogar bei knapp 50 Prozent.

GLP-1-Medikamente: Segen mit Nebenwirkungen

Ein dominierendes Thema in der ErnÀhrungsmedizin ist der Aufschwung von GLP-1-Rezeptor-Agonisten wie Semaglutid und Tirzepatid. Die Medikamente ermöglichen bei Adipositas signifikante Gewichtsreduktionen von bis zu 20 Prozent.

Der Hamburger ErnÀhrungsmediziner Matthias Riedl warnt jedoch vor unkritischer Anwendung. Eine begleitende ErnÀhrungsumstellung sei zwingend erforderlich, um Risiken zu minimieren.

Daten zeigen: Nach dem Absetzen der PrĂ€parate nimmt ein Großteil der Patienten rund 60 Prozent des verlorenen Gewichts wieder zu. Zudem droht Verlust an Muskelmasse.

Warum strenge DiÀten oft scheitern

ErnĂ€hrungswissenschaftler wie Uwe Knop kritisieren die oft mangelnde Evidenzbasis pauschaler DiĂ€tempfehlungen. Restriktive DiĂ€ten seien hĂ€ufig die Hauptursache fĂŒr den Jo-Jo-Effekt und Essstörungen, betonte Knop Anfang Mai 2026.

Statt strenger Regeln plĂ€dieren Fachleute zunehmend fĂŒr „intuitives Essen“, das sich an Hunger- und SĂ€ttigungssignalen orientiert. Wissenschaftliche Untersuchungen zum „International No Diet Day“ am 6. Mai 2026 stĂŒtzen diese Ansicht.

Strenge EinschrĂ€nkungen verĂ€ndern die Hormonlage: Das Hungerhormon Ghrelin steigt, wĂ€hrend das SĂ€ttigungshormon Leptin sinkt. Das begĂŒnstigt Heißhungerattacken und langfristige Gewichtszunahme.

ErnÀhrung und Gehirngesundheit

Die Forschung liefert neue Belege fĂŒr die Verbindung zwischen ErnĂ€hrung, Darmgesundheit und kognitiver LeistungsfĂ€higkeit. Eine Langzeitstudie der Ben-Gurion-UniversitĂ€t und der Harvard University zeigt: Die Reduktion von viszeralem Bauchfett korreliert direkt mit besserer Gehirngesundheit.

Teilnehmer mit geringerem Bauchfettanteil erzielten bessere Ergebnisse in kognitiven Tests und wiesen ein grĂ¶ĂŸeres Gehirnvolumen auf. Dieser schĂŒtzende Effekt zeigte sich nicht bei Unterhautfett.

Eine klinische Studie der PCRM unter Leitung von Hana Kahleova belegte im Mai 2026: Eine fettarme vegane ErnÀhrung verbessert bei Typ-1-Diabetikern nicht nur InsulinsensitivitÀt und Cholesterin, sondern reduziert auch ernÀhrungsbedingte Treibhausgasemissionen um 55 Prozent. Eine MittelmeerdiÀt erreichte lediglich 20 Prozent.

Auch die Reihenfolge der Nahrungsaufnahme spielt eine Rolle: Laut einer Erhebung von Kantar Polska kennen nur 17 Prozent der Verbraucher die optimale Abfolge – erst GemĂŒse, dann Eiweiß, zuletzt Kohlenhydrate –, um Blutzuckerspitzen zu dĂ€mpfen.

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