Forscher finden mehr als 1.000 AtommĂŒll-FĂ€sser im Atlantik
27.06.2025 - 04:30:38Bei ihrer Suche nach vor Jahrzehnten entsorgtem AtommĂŒll haben Wissenschaftler bereits mehr als 1.000 FĂ€sser im Nordostatlantik entdeckt und verortet. Das teilte eine Sprecherin der französischen Forschungsorganisation CNRS mit. Das internationale Forschungsteam war Mitte Juni vom westfranzösischen Brest aus mit ihrem Schiff «L'Atalante» zu ihrem Suchareal im WesteuropĂ€ischen Becken des Atlantiks aufgebrochen.
Vier Wochen lang wollen sie dort nach AtommĂŒll-FĂ€ssern suchen und schauen, welchen Einfluss diese auf das örtliche Ăkosystem haben. Mit dabei ist auch ein Forscher vom ThĂŒnen-Institut fĂŒr Fischereiökologie in Bremerhaven.
Hunderttausende AtommĂŒll-FĂ€sser landeten vor Jahren im Ozean
Zwischen den 1950er und 1980er Jahren haben etliche Staaten nuklearen Abfall im Ozean entsorgt. Die Tiefen des Ozeans, die fernab der KĂŒste und von menschlicher AktivitĂ€t lagen, erschienen als gĂŒnstige und einfache Lösung, um das zu entsorgen, was in der Industrieentwicklung und in Laboren anfiel â zumindest dort, wo der Ozean als geologisch stabil galt.Â
Ăber das Leben in den Weltmeeren wusste man damals wenig. Erst 1993 wurde die Entsorgung von AtommĂŒll im Ozean schlieĂlich untersagt. Mindestens 200.000 FĂ€sser werden alleine im Nordostatlantik vermutet â in 3.000 bis 5.000 Metern Tiefe.
Fachleute wollen Karte mit FĂ€ssern erstellen
Wo genau sich der NuklearmĂŒll befindet, ist aber nicht bekannt. Auch ĂŒber den Zustand der Tonnen und ob sie einzeln oder in Gruppen liegen, weiĂ man nicht viel. 21 Forschende sind deshalb derzeit in dem Gebiet unterwegs, in dem wohl die HĂ€lfte der AbfĂ€lle landete.Â
Das Team will eine Karte mit Atomfass-Funden erstellen und etliche Proben von Wasser, Boden und Tieren nehmen. UnterstĂŒtzung bekommen sie dabei vom autonomen Tauchroboter Ulyx, der unter anderem ĂŒber eine Kamera fĂŒr 3D-Bilder und ein Sonarsystem zur Ortung von GegenstĂ€nden mit Schall verfĂŒgt.
Patrick Chardon, Leiter des Projekts NODSSUM (Nuclear Ocean Dump Site Survey Monitoring) geht davon aus, dass bei den allermeisten nuklearen AbfĂ€llen im Nordatlantik die RadioaktivitĂ€t nach etwa 300 bis 400 Jahren quasi verschwunden sein dĂŒrfte. Jedoch seien die FĂ€sser damals so konzipiert worden, dass sie dem Druck der Tiefe standhalten, nicht aber so, dass sie die RadioaktivitĂ€t wirklich einschlieĂen. Schon seit lĂ€ngerem könnte RadioaktivitĂ€t aus den BehĂ€ltern entweichen, vermutet der Atomphysiker.





