EU-Elektrifizierungsstrategie, Kommission

EU-Elektrifizierungsstrategie: Kommission stellt Plan am 17. Juli vor

Veröffentlicht am: 12.07.2026 um 10:41 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die EU-Kommission prĂ€sentiert einen Aktionsplan zur Modernisierung der Stromnetze mit verbindlichen Zielen fĂŒr 2040.

EU-Elektrifizierungsstrategie: Milliarden fĂŒr Smart Meter und Netze
Intelligenter StromzÀhler mit Digitalanzeige von Energiedaten vor verschwommener europÀischer Stadtsilhouette in der DÀmmerung. Illustration mit AI erstellt.

Die EuropĂ€ische Union will mit einem umfassenden Aktionsplan die Stromnetze modernisieren und die AbhĂ€ngigkeit von fossilen Importen drastisch reduzieren. Am 17. Juli 2026 stellt die Kommission ihre Elektrifizierungsstrategie vor – mit verbindlichen Zielen fĂŒr 2040.

Deutschland hinkt bei Smart Metern massiv hinterher

Die Zahlen sind ernĂŒchternd: WĂ€hrend Schweden, Italien, DĂ€nemark und acht weitere EU-Staaten bei der Smart-Meter-Durchdringung zwischen 99 und 100 Prozent liegen, kommt Deutschland auf magere 2 Prozent im Jahr 2024. Auch Zypern (0 Prozent vor dem Start der MasseneinfĂŒhrung 2025) und Ungarn (11 Prozent) gehören zu den Schlusslichtern.

Die EU hat ihre Ziele nach dem verpassten 2020-Deadline nachgeschĂ€rft: Bis 2030 sollen 50 Prozent, bis 2033 sogar 65 Prozent aller Haushalte mit intelligenten StromzĂ€hlern ausgestattet sein. FĂŒr die deutsche Energiewende ist das ein zentraler Baustein – schließlich fließen ohne Smart Meter weder dynamische Tarife noch effizientes Lastmanagement.

Milliardenmarkt fĂŒr intelligente ZĂ€hler

Der Markt befindet sich im Umbruch. Laut Analysen von Berg Insight waren Ende 2025 rund 209 Millionen intelligente StromzĂ€hler in der EU27+3-Region installiert – das entspricht zwei Dritteln aller Kunden. Bis 2031 soll die Quote auf 85 Prozent steigen, das entspricht einem jĂ€hrlichen Wachstum von 5,1 Prozent.

Anzeige

Neue Technologien und die Vernetzung der Infrastruktur bringen neben Effizienzgewinnen auch neue rechtliche Pflichten mit sich. Dieser kostenlose Report klĂ€rt auf, welche rechtlichen Pflichten und Bedrohungen Unternehmer im Zuge der neuen KI- und Digital-Gesetze jetzt kennen mĂŒssen. Aktuelle Cyberrisiken und Gesetze hier kostenlos einsehen

Zwischen 2025 und 2031 werden voraussichtlich 131 Millionen neue GerĂ€te verbaut. WĂ€hrend in Deutschland, Großbritannien und Polen noch die erste Generation installiert wird, setzen Frankreich, die Niederlande und Spanien bereits auf die zweite Generation. Ein technologischer Wandel zeichnet sich auch bei den Kommunikationsprotokollen ab: LPWA-Technologien wie LTE-M und NB-IoT werden bis 2028 voraussichtlich ĂŒber 50 Prozent des Marktes ausmachen.

Ein besonders dynamisches Segment ist der DrehstromzÀhler-Markt: Hier prognostizieren Experten ein jÀhrliches Wachstum von 8,2 Prozent zwischen 2026 und 2033. Zu den wichtigsten Playern zÀhlen Landis+Gyr, Itron, Siemens, Kamstrup und Sagemcom.

Milliardenschwere Einsparpotenziale

Die wirtschaftlichen Vorteile sind enorm. Allein die Kosten fĂŒr abgeregelte erneuerbare Energien – also die Verschwendung ĂŒberschĂŒssigen Ökostroms – beliefen sich 2025 auf 435 Millionen Euro in Deutschland und umgerechnet rund 424 Millionen Euro in Großbritannien. Ein optimiertes Smart-Meter-Netz könnte hier gegensteuern: Zeitvariable Tarife und systemweite Einsparungen von 71 Milliarden Euro pro Jahr bis 2030 sind möglich.

Auch beim Gas tut sich etwas: Die Zahl intelligenter GaszĂ€hler soll von 59 Millionen (2025) auf 79 Millionen (2031) steigen. Der globale Markt fĂŒr DrehkolbengaszĂ€hler wĂ€chst von umgerechnet rund 2,6 Milliarden Euro (2025) auf voraussichtlich 4,2 Milliarden Euro (2035) – angetrieben durch Wasserstoff-Beimischung und industrielle Modernisierung.

Anzeige

Mit der zunehmenden Digitalisierung der Energiewirtschaft steigen auch die Anforderungen an die IT-Sicherheit in kleinen und mittelstĂ€ndischen Unternehmen. Ein gratis E-Book enthĂŒllt, wie Sie SicherheitslĂŒcken proaktiv schließen und gleichzeitig neue gesetzliche Anforderungen ohne teure Investitionen erfĂŒllen. Gratis-Ratgeber fĂŒr IT-Sicherheit jetzt herunterladen

Investitionsbedarf von ĂŒber einer Billion Euro

Die Dringlichkeit ist groß: Zwischen 2024 und 2025 stagnierten die Emissionen im Stromsektor. EU-Energiekommissar Dan JĂžrgensen und IEA-Chef Fatih Birol betonen, dass eine schnelle Elektrifizierung der einzige Weg sei, um die AbhĂ€ngigkeit von fossilen Importen – insbesondere aus Russland – zu beenden.

DafĂŒr sind gewaltige Investitionen nötig: Rund 1,2 Billionen Euro mĂŒssen in die Netzinfrastruktur fließen. Der Environmental Performance Index 2026 sieht Estland als Vorreiter: Das Baltikum belegt weltweit Platz eins bei der Reduzierung von Treibhausgasen in der Stromerzeugung. Estland strebt bis 2030 eine 100-prozentige erneuerbare Stromversorgung an – unterstĂŒtzt durch umfangreiche GebĂ€udesanierungen und den Nordic-Baltic Hydrogen Corridor, eine Pipeline, die bis 2035 fertiggestellt sein soll.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 69752123 |