EU-KI-Gesetz, Fristen

EU-KI-Gesetz: Fristen bis Dezember 2027 verlÀngert, erste Regeln ab August

26.06.2026 - 23:29:39 | boerse-global.de

Das EU-Parlament gewĂ€hrt der Industrie Aufschub bei der KI-Regulierung. Neue Termine fĂŒr Hochrisiko-Systeme stehen fest, wĂ€hrend erste Pflichten bereits im August greifen.

EU-Parlament verschiebt Fristen fĂŒr Hochrisiko-KI-Systeme
EU-KI-Gesetz - Digitales Overlay leuchtender neuronaler Netzlinien auf dem EuropĂ€ischen Parlament, mit einem Zifferblatt im Vordergrund. 26.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Das EuropĂ€ische Parlament hat die umstrittenen Fristen fĂŒr Hochrisiko-KI-Systeme verlĂ€ngert – ein ZugestĂ€ndnis an die Industrie.

In einer Abstimmung am 16. Juni 2026 stimmten 423 Abgeordnete fĂŒr die Verschiebung, 57 dagegen, 174 enthielten sich. Die Entscheidung folgt einer vorlĂ€ufigen Einigung vom 7. Mai zum sogenannten „Digital Omnibus on AI“, mit dem die EU auf massive Bedenken der Wirtschaft reagiert. Die ursprĂŒnglichen ZeitplĂ€ne galten vielerorts als kaum umsetzbar.

Gestaffelte Fristen fĂŒr verschiedene Systeme

Die neuen Fristen unterscheiden klar zwischen zwei Kategorien. FĂŒr eigenstĂ€ndige Hochrisiko-Systeme nach Anhang III der KI-Verordnung verschiebt sich die Frist vom Sommer 2026 auf den 2. Dezember 2027. Noch mehr Zeit bekommen eingebettete Hochrisiko-Systeme nach Anhang I: Sie mĂŒssen erst bis zum 2. August 2028 vollstĂ€ndig konform sein.

Doch nicht alles wird aufgeschoben. Die Transparenzpflichten und die grundlegenden Vorschriften des Gesetzes treten wie geplant am 2. August 2026 in Kraft. Die Kennzeichnungspflicht fĂŒr KI-generierte Inhalte – oft als „Wasserzeichen“ bezeichnet – folgt am 2. Dezember 2026. Ebenfalls im Dezember greift das Verbot bestimmter Anwendungen, etwa sogenannter „Nudifier“-Apps.

Börse reagiert verhalten

Die FristverlĂ€ngerung konnte die MĂ€rkte nicht beruhigen. Der deutsche DAX schloss am heutigen Freitag 1,2 Prozent im Minus. Beobachter fĂŒhren die Verluste auf anhaltende Sorgen ĂŒber Compliance-Kosten und die hohen Strafen zurĂŒck. Besonders betroffen: Die SAP-Aktie verlor 2,1 Prozent.

Anzeige

Angesichts der drakonischen Bußgelder mĂŒssen Unternehmen ihre Risikoklassen und Pflichten unter dem EU AI Act genau kennen. Dieser kostenlose Report klĂ€rt auf, welche KI-Systeme als Hochrisiko gelten und was jetzt konkret zu tun ist. Welche KI-Systeme gelten als Hochrisiko? Jetzt kostenlos aufklĂ€ren

Hintergrund ist das drakonische Strafmaß des Gesetzes. Bei VerstĂ¶ĂŸen drohen Unternehmen Bußgelder von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. „Die Fristen sind verlĂ€ngert, aber die KomplexitĂ€t der KonformitĂ€tsprĂŒfungen bleibt enorm“, warnt ein Berliner Rechtsexperte. Unternehmen mĂŒssten sofort mit den Vorbereitungen beginnen.

BrĂŒssel liefert Leitplanken

Die EU-Kommission hat bereits nachgelegt. Am 10. Juni veröffentlichte sie einen finalen Verhaltenskodex zur Kennzeichnung von KI-Inhalten. Zwar ist der Kodex technisch freiwillig, doch er gilt als entscheidende Orientierungshilfe fĂŒr Unternehmen, die bis August 2026 die Transparenzregeln des Artikels 50 erfĂŒllen wollen. Gefordert werden mehrschichtige, maschinenlesbare Markierungen wie Metadaten und digitale Wasserzeichen.

Anzeige

Trotz FristverlĂ€ngerung mahnen Compliance-Experten zur Eile, um empfindliche Strafen bei der KI-Regulierung zu vermeiden. Sichern Sie sich den kostenlosen Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act mit allen relevanten Übergangsfristen auf einen Blick. Kostenlosen Leitfaden zur KI-Verordnung jetzt herunterladen

Das regulatorische Umfeld bleibt komplex. WĂ€hrend die NIS2-Meldefrist bereits am 6. MĂ€rz dieses Jahres ablief, steht mit dem Cyber Resilience Act (CRA) bereits die nĂ€chste große HĂŒrde an – vollstĂ€ndige Compliance wird hier bis Ende 2027 erwartet.

Die finalen technischen Verhandlungen zum KI-Gesetz sollen bis September 2026 abgeschlossen sein. Danach folgt die formelle Annahme durch den EuropĂ€ischen Rat – rechtzeitig vor dem Inkrafttreten der ersten Regelungen im August.

de | wissenschaft | 69636045 |