EU-KI-Gesetz, Umsetzungsfristen

EU-KI-Gesetz: Umsetzungsfristen bis Dezember 2027 verschoben

Veröffentlicht: 29.06.2026 um 09:49 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Deutschland verhindert Einigung zum Digital-Omnibus-Paket. Irland ĂŒbernimmt die RatsprĂ€sidentschaft und erbt das schwierige Dossier.

EU-Digital-Omnibus: Deutschland blockiert Verhandlungsmandat
EU-KI-Gesetz - Stilisierte, verschwommene EU-Flagge mit digitalen Datenströmen, die legislative KomplexitĂ€t und Verzögerung andeuten. 29.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Der Rat der EuropĂ€ischen Union hat sich am Montag nicht auf ein Verhandlungsmandat fĂŒr das Digital-Omnibus-Gesetzespaket einigen können. Grund ist die Weigerung Deutschlands, den aktuellen Entwurf zu unterstĂŒtzen. Die scheidende zypriotische RatsprĂ€sidentschaft erklĂ€rte daraufhin, dass eine Einigung unter den Mitgliedstaaten kurzfristig nicht in Sicht sei.

Zypern gibt ab – Irland ĂŒbernimmt

Das Dossier geht nun an Irland, das turnusgemĂ€ĂŸ die RatsprĂ€sidentschaft ĂŒbernimmt. Zwar konnte Zypern bis zum 26. Juni eine grundsĂ€tzliche Einigung zum KI-Teil des Pakets vermelden – konkret zur Vereinfachung harmonisierter Regeln. Doch das Gesamtpaket bleibt blockiert. Der Streit dreht sich um nichts weniger als die Zukunft der Digitalregulierung in Europa.

KI-Gesetz: Fristen deutlich verlÀngert

Das EuropĂ€ische Parlament hat im Zuge der Verhandlungen beschlossen, die Umsetzungsfristen fĂŒr den EU AI Act deutlich zu verschieben. Die wichtigsten Änderungen im Überblick:

  • Hochrisiko-Systeme nach Anhang III: Statt August 2026 nun erst am 2. Dezember 2027 fĂ€llig – eine Verzögerung von 16 Monaten
  • Systeme nach Anhang I: MĂŒssen bis zum 2. August 2028 konform sein – zwölf Monate spĂ€ter als geplant

Branchenbeobachter fĂŒhren die Anpassungen auf intensives Lobbying zurĂŒck. Doch nicht alles wird verschoben: Die Regeln fĂŒr KI mit allgemeinem Verwendungszweck (GPAI), verbotene Praktiken und die Transparenzpflichten nach Artikel 50 gelten weiterhin ab dem 2. August 2026.

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Aus fĂŒr automatisierte Browser-Signale

Der Rat hat am 18. Juni einen umstrittenen Passus gestrichen: Artikel 88b, der automatisierte Browser-Signale zur Nutzerzustimmung vorsah, ist Geschichte. Berichten zufolge hatten große Technologiekonzerne massiv gegen die Regelung lobbyiert. Artikel 88a blieb dagegen erhalten. Branchenanalysten schĂ€tzen, dass der Werbesektor durch den Wegfall der automatisierten Signale Einnahmeverluste in Milliardenhöhe verkraften muss – SchĂ€tzungen gehen von mehreren Dutzend Milliarden Euro aus.

Die Omnibus-I-Richtlinie trat bereits am 18. MĂ€rz 2026 in Kraft. Die Mitgliedstaaten sind nun dabei, sie in nationales Recht umzusetzen. Die Frist endet am 19. MĂ€rz 2027.

Parallel laufen die Uhren ab

Der Stillstand beim Digital Omnibus kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Gleich mehrere digitale Großprojekte stehen vor entscheidenden Weichenstellungen:

Chat Control unter Druck: Am Montag begann der finale Trilog zur Verordnung zur BekĂ€mpfung sexuellen Kindesmissbrauchs (CSA). Digitalrechtler schlagen Alarm: Die geplanten Erkennungsanordnungen könnten zur MassenĂŒberwachung privater Nachrichten fĂŒhren und VerschlĂŒsselung faktisch aushebeln. Die Übergangsregeln liefen bereits am 3. April 2026 aus.

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Compliance-Experten warnen davor, die Tragweite der neuen europĂ€ischen Digital-Regulierungen zu unterschĂ€tzen, da bei VerstĂ¶ĂŸen empfindliche Strafen drohen. Laden Sie jetzt den kostenlosen Umsetzungsleitfaden herunter, um alle relevanten Übergangsfristen und Pflichten der KI-Verordnung rechtzeitig im Blick zu behalten. Kostenlosen KI-Verordnung Report hier herunterladen

Digitaler Euro nimmt Form an: Der Wirtschaftsausschuss des Europaparlaments (ECON) verabschiedete am 23. Juni eine Position zum digitalen Euro. Der Plan sieht eine 24-monatige EinfĂŒhrungsphase vor. Um zu verhindern, dass die digitale WĂ€hrung zum primĂ€ren Wertaufbewahrungsmittel wird, sind Obergrenzen fĂŒr BestĂ€nde vorgesehen. Datenschutz soll durch Zero-Knowledge-Proofs gewĂ€hrleistet werden – und die grundlegende Nutzung bleibt fĂŒr BĂŒrger kostenlos.

Die Frage ist nun, ob Irland als neue RatsprĂ€sidentschaft den Knoten durchschlagen kann. Deutschland steht in der Pflicht, seine Position zu erklĂ€ren – und die EU steht vor der Herausforderung, ihre digitale SouverĂ€nitĂ€t nicht durch innere Blockaden zu gefĂ€hrden.

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