EU-Parlament, Vorgehen

EU-Parlament fordert hÀrteres Vorgehen gegen Tech-Giganten

01.05.2026 - 14:27:21 | boerse-global.de

Das EU-Parlament verlangt eine aggressivere Durchsetzung des Digital Markets Act und kritisiert bisherige Strafen als zu milde.

EU-Parlament fordert hĂ€rteres Vorgehen gegen Tech-Giganten - Foto: ĂŒber boerse-global.de
EU-Parlament fordert hĂ€rteres Vorgehen gegen Tech-Giganten - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Das EuropĂ€ische Parlament verlangt von der EU-Kommission ein entschlosseneres Durchgreifen gegen große Technologiekonzerne. In einer am Donnerstag verabschiedeten Resolution fordern die Abgeordneten, den Digital Markets Act (DMA) konsequenter und aggressiver durchzusetzen. Der Fokus mĂŒsse sich von der reinen Compliance-PrĂŒfung hin zur Bewertung tatsĂ€chlicher Marktauswirkungen verschieben.

Hintergrund sind wachsende Bedenken, dass die sogenannten „Gatekeeper" – also die grĂ¶ĂŸten Digitalplattformen – das Gesetz durch technische Tricks und manipulative Designs systematisch umgehen. Besonders brisant: Die zunehmende Integration KĂŒnstlicher Intelligenz in ihre Kerndienste verschĂ€rft das Problem.

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Zu lasche Strafen, zu wenig Abschreckung

Die Resolution kommt nur Tage nachdem die EU-Kommission am 28. April ihre erste turnusmĂ€ĂŸige ÜberprĂŒfung des DMA vorgelegt hatte. WĂ€hrend die Kommission die Verordnung grundsĂ€tzlich fĂŒr tauglich hĂ€lt, sehen die Abgeordneten erheblichen Nachholbedarf bei der Durchsetzung.

Besonders deutlich wird die Kritik an den bisher verhĂ€ngten Strafen. Die Abgeordneten beklagen, dass die 500 Millionen Euro gegen Apple und die 200 Millionen Euro gegen Meta aus dem April 2025 völlig unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig seien. „Solche Summen entfalten bei Unternehmen mit MilliardenumsĂ€tzen keinerlei abschreckende Wirkung", heißt es in dem Papier.

Das Parlament fordert die Kommission auf, das gesamte Strafinstrumentarium auszuschöpfen – von Geldbußen bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes (bei WiederholungstĂ€tern 20 Prozent) bis hin zu strukturellen Maßnahmen. Bei systematischen VerstĂ¶ĂŸen könnten Konzerne sogar gezwungen werden, Unternehmensteile abzustoßen oder Übernahmen zu unterlassen.

Apple, TikTok und Microsoft im Visier

Die Resolution benennt konkrete ProblemfÀlle:

  • Apple bleibt wegen seiner „Core Technology Fee" und vertraglicher HĂŒrden in der Kritik, die alternative App-Stores praktisch verhindern
  • TikTok soll mit manipulativen Zustimmungsbildschirmen Nutzerentscheidungen beeinflussen
  • Microsoft wird vorgeworfen, durch Voreinstellungen den Wechsel zu Konkurrenzprodukten zu erschweren
  • Booking.com – seit Mai 2024 als Gatekeeper eingestuft – soll trotz Verbots weiterhin preisbindende Klauseln nutzen

Kleinere Unternehmen litten weiterhin unter diskriminierenden HĂŒrden, die Innovationen erstickten, so die Abgeordneten.

Neue Front: KI und Cloud-Dienste

Das Parlament richtet den Blick verstĂ€rkt auf generative KI und Cloud-Infrastruktur. Besonders Googles KI-Übersicht „AI Overview" bereitet den Abgeordneten Sorgen. Die BefĂŒrchtung: Wenn Gatekeeper die gesamte Nutzerreise kontrollieren, können sie Kunden noch stĂ€rker an sich binden und ihre Marktmacht zementieren.

Konkret fordert die Resolution eine beschleunigte PrĂŒfung von Cloud-Diensten. Bislang wurde kein Cloud-Anbieter als Gatekeeper eingestuft – obwohl im November 2025 formelle Untersuchungen gegen Amazon Web Services (AWS) und Microsoft Azure eingeleitet wurden. „Diese Infrastrukturen werden zum RĂŒckgrat der digitalen Wirtschaft", argumentiert das Parlament. Sie mĂŒssten denselben Transparenz- und InteroperabilitĂ€tsregeln unterliegen wie andere Plattformdienste.

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Gegen politischen Druck von außen

Die Resolution hat auch eine geopolitische Dimension. Die Abgeordneten warnen vor wachsendem Druck aus den USA, den DMA zu verwĂ€ssern. „Die SouverĂ€nitĂ€t der EU darf nicht zur Disposition stehen", heißt es. Berichte, wonach die Kommission aus diplomatischer RĂŒcksichtnahme Ermittlungen verlangsamen könnte, wurden scharf kritisiert.

Das Parlament fordert zudem mehr Personal und finanzielle Mittel fĂŒr die Kommission. Nur so könne sie rechtssichere Verfahren fĂŒhren, die auch vor Gericht Bestand haben.

Die Industrie sieht das naturgemĂ€ĂŸ anders. VerbĂ€nde der betroffenen Konzerne beklagen ein „intransparentes Verfahren" und Rechtsunsicherheit, die letztlich europĂ€ischen MittelstĂ€ndlern schade, die auf die Plattformen angewiesen seien.

Ausblick: Die Schonfrist ist vorbei

Die EU-Kommission betont, der DMA sei ein „aktives Durchsetzungsinstrument", das bereits Erfolge vorweisen könne – etwa neue Einwilligungsmechanismen, verbesserte DatenportabilitĂ€t und Browser-Auswahlbildschirme. Die nĂ€chste große ÜberprĂŒfung ist fĂŒr 2029 vorgesehen.

Doch das Parlament macht klar: Es erwartet sichtbare MarktverĂ€nderungen weit vor 2029. Der Fokus fĂŒr den Rest des Jahres 2026 liegt auf laufenden Verfahren und möglichen neuen Gatekeeper-Designierungen im Cloud- und KI-Bereich. Besonders die Durchsetzung von InteroperabilitĂ€ts- und Anti-Steering-Verpflichtungen hat PrioritĂ€t.

Die Botschaft der Abgeordneten ist unmissverstĂ€ndlich: Die Schonfrist fĂŒr die Tech-Giganten ist abgelaufen. Jetzt geht es darum, ob der digitale Binnenmarkt in der Praxis hĂ€lt, was er auf dem Papier verspricht.

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