Cloud-Riesen, AWS

EU reguliert Cloud-Riesen: AWS und Azure werden Gatekeeper

25.06.2026 - 22:24:11 | boerse-global.de

Die EU stuft Amazon und Microsoft als Cloud-Gatekeeper ein. Hohe Wechselkosten und Marktmacht von 60 Prozent sind die GrĂĽnde.

EU-Kommission plant strengere DMA-Regeln fĂĽr AWS und Azure
Cloud-Riesen - Leuchtend blaues Netzwerk über Serverracks in einem Rechenzentrum, symbolisiert EU-Regulierung zu Cloud-Computing und digitalen Märkten. 25.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die vorläufige Einstufung als sogenannte Gatekeeper nach dem Digital Markets Act (DMA) könnte den milliardenschweren Markt grundlegend verändern.

Siebenmonatige Untersuchung zeigt Marktmacht

Nach einer Untersuchung, die im November 2025 begann, kommt die Kommission zu dem Schluss: Amazon Web Services (AWS) und Microsoft Azure kontrollieren gemeinsam rund 60 Prozent des europäischen Cloud-Marktes. Dieser ist mittlerweile rund 220 Milliarden Euro schwer. Die Behörde sieht die beiden US-Konzerne als „zentrale Zugangstore“ für Geschäftskunden in der EU.

Die Wettbewerbshüter nutzten dabei einen besonderen Hebel. Obwohl die Unternehmen nicht alle quantitativen Schwellenwerte für eine Gatekeeper-Einstufung erfüllen, zog die Kommission eine qualitative Bewertung heran. Entscheidend waren demnach die enorme operative Reichweite und die Umsätze der Anbieter, die Wettbewerber weit hinter sich lassen.

Hohe Wechselkosten und Lock-in-Effekte

Ein zentrales Problem: Kunden sitzen oft fest. Die Kommission identifizierte hohe Wechselkosten und sogenannte Lock-in-Effekte – Unternehmen können ihre Daten und Anwendungen kaum zu anderen Anbietern migrieren. Die rasche Integration von Künstlicher Intelligenz und strategische Partnerschaften hätten diese Abhängigkeit weiter verstärkt.

Wird die vorläufige Einstufung endgültig, drohen beiden Konzernen strenge Auflagen:

  • Verbot der Selbstbevorzugung eigener Dienste
  • Interoperabilitäts-Pflichten – Systeme mĂĽssen mit Konkurrenzprodukten zusammenarbeiten
  • Datenportabilität – Kunden sollen ihre Daten leichter zu anderen Anbietern mitnehmen können

Das Ziel: kleinere Wettbewerber sollen eine echte Chance bekommen, und Unternehmen mehr Freiheit bei der Wahl ihres Cloud-Anbieters.

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Teil der europäischen Technologie-Souveränität

Der Schritt gegen die US-Riesen ist kein Einzelfall. Anfang Juni 2026 – am 3. des Monats – präsentierte die Kommission das Europäische Technologie-Souveränitätspaket. Kernstück: der Cloud- und KI-Entwicklungsakt (CADA). Der Hintergrund: AWS, Microsoft und Google kontrollieren gemeinsam über 70 Prozent des EU-Cloud-Marktes. Das neue Gesetz führt vier Sicherheitsstufen für öffentliche Aufträge ein und stellt strenge Anforderungen an die Datensouveränität.

Auffällig: Google Cloud ist von der aktuellen Gatekeeper-Einstufung nicht betroffen. Branchenbeobachter werten das als strategische Entscheidung der Kommission.

Unternehmen wehren sich

Amazon und Microsoft können die vorläufigen Ergebnisse noch anfechten. Der Online-Händler kritisiert, die Bewertung ignoriere die große Vielfalt verfügbarer Cloud-Dienste. Zudem sei das bestehende EU-Datengesetz bereits ausreichend.

Microsoft wiederum zeigt sich verwundert über den Fokus auf die eigenen Dienste und verweist auf die wachsende Marktmacht von Google – das in dieser Runde nicht reguliert wird.

Ausblick: Entscheidung bis November 2026

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Die endgültige Entscheidung der Kommission wird für November 2026 erwartet. Bestätigt sie die Einstufung, müssen AWS und Azure ihre Cloud-Angebote innerhalb einer bestimmten Frist an die DMA-Vorgaben anpassen.

Der Zeitpunkt ist brisant: EU und USA bereiten parallel ihr erstes formelles Digital-Dialog-Treffen vor. Dort soll es um die künftige transatlantische Tech-Regulierung gehen – ein Thema, das mit dieser Entscheidung neue Brisanz bekommt.

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