EU-SouverÀnitÀt, Chips

EU-SouverÀnitÀt: Chips Act 2.0 und KI-Gesetz gegen US-China-AbhÀngigkeit

06.06.2026 - 01:28:10 | boerse-global.de

Die EU-Kommission prÀsentiert ein Gesetzespaket zur Reduzierung der AbhÀngigkeit von US- und China-Tech. Cloud-Anbieter und Chip-Produktion stehen im Fokus.

EU-Paket fĂŒr technologische SouverĂ€nitĂ€t: Chips Act 2.0 und Cloud-Gesetz
EU-SouverĂ€nitĂ€t - A secure, futuristic server room with blue light and data streams, symbolizing EU digital sovereignty and technological independence. 06.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

BrĂŒssel – Die EuropĂ€ische Union will ihre AbhĂ€ngigkeit von US-amerikanischen und chinesischen Technologiekonzernen radikal reduzieren. Am 3. Juni stellte die EU-Kommission ein umfassendes Gesetzespaket zur „technologischen SouverĂ€nitĂ€t" vor. KernstĂŒcke sind der Chips Act 2.0 und der Cloud- und KI-Entwicklungsgesetz (CADA). Derzeit stammen mehr als 80 Prozent aller wichtigen digitalen Produkte in der EU aus Importen von außerhalb des Binnenmarkts.

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Neues Sicherheitsmodell fĂŒr Cloud-Dienste

Mit dem Cloud- und KI-Entwicklungsgesetz will BrĂŒssel die Rechenzentrums-KapazitĂ€ten in der EU innerhalb von fĂŒnf bis sieben Jahren verdreifachen. Das Gesetz fĂŒhrt ein vierstufiges Sicherheitsmodell fĂŒr Cloud-Dienste ein. Auf der höchsten Stufe wĂ€ren Nicht-EU-Unternehmen von sensiblen öffentlichen Bereichen ausgeschlossen – darunter Verteidigung, Justiz und Gesundheitswesen.

Die Kommission betont die Notwendigkeit von DatensouverĂ€nitĂ€t, um sogenannte „Kill-Switch"-Szenarien zu verhindern. Dabei könnten auslĂ€ndische Anbieter den Zugang zu kritischer Infrastruktur kappen. Hintergrund sind jĂŒngste geopolitische Spannungen und ein Vorfall Anfang des Jahres: Die KĂŒndigung eines Microsoft-Kontos eines AnklĂ€gers des Internationalen Strafgerichtshofs hatte Alarm ausgelöst.

Ein weiterer Pfeiler der Strategie: das „Open Source First"-Prinzip bei der öffentlichen Beschaffung von Cloud- und KI-Diensten. Damit will die EU europĂ€ische Alternativen in der Cybersicherheit und Internet-Infrastruktur fördern und lokale Start-ups sowie Open-Source-Ökosysteme unterstĂŒtzen.

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Chips Act 2.0: Europas Halbleiter-Offensive

Der Chips Act 2.0 baut auf der VorgĂ€ngerregelung von 2023 auf. Der Fokus liegt nun stĂ€rker auf der Beschleunigung der Produktion und der Ankurbelung der Nachfrage in Europa. Wichtige Maßnahmen:

  • Genehmigungsverfahren gestrafft: Mitgliedsstaaten mĂŒssen neue chipfabriken innerhalb von zwölf Monaten genehmigen.
  • „Excellence Labels" fĂŒr Regionen mit starker Halbleiter-Industrie.
  • Staatliche Beihilfen fĂŒr sogenannte „first-of-a-kind"-Fabriken.

Kurzfristig rĂ€umt die EU eine AbhĂ€ngigkeit von auslĂ€ndischen Chip-Designs fĂŒr moderne KI-Anwendungen ein. Das langfristige Ziel: KI-Komponenten sollen bis 2030 mehr als 70 Prozent des Halbleitermarktes ausmachen. Die erste europĂ€ische ProduktionsstĂ€tte fĂŒr moderne Chips soll zwischen 2030 und 2033 die Pilotproduktion aufnehmen.

Branchenanalysten sehen einen strategischen Wandel: Der Chips Act 2.0 setze weniger auf die Anwerbung großer auslĂ€ndischer Foundries, sondern stĂ€rker auf bestehende europĂ€ische MarktfĂŒhrer in der Lieferkette – etwa Hersteller von Lithografie-Anlagen.

Europaparlament geht mit gutem Beispiel voran

Bereits am 4. Juni setzte das EuropĂ€ische Parlament ein Zeichen: Im Rahmen seiner „Buy and Use European"-Initiative stellte es die Standardsuche in den Browsern Microsoft Edge und Mozilla Firefox von Google auf den französischen Dienst Qwant um. Nutzer können weiterhin manuell andere Suchmaschinen auswĂ€hlen.

Das gesamte Technologie-SouverĂ€nitĂ€ts-Paket muss nun vom EuropĂ€ischen Parlament und den 27 Mitgliedsstaaten verhandelt und verabschiedet werden. VerbĂ€nde wie Bitkom, ESIA und ZVEI begrĂŒĂŸen die strategische Ausrichtung grundsĂ€tzlich, drĂ€ngen jedoch auf ausreichende Investitionen und ein schnelleres Tempo, um international wettbewerbsfĂ€hig zu bleiben.

Das Paket enthĂ€lt zudem eine Roadmap zur Digitalisierung des Energiesektors. KĂŒnstliche Intelligenz soll kĂŒnftig die WiderstandsfĂ€higkeit der europĂ€ischen Stromnetze stĂ€rken. Die endgĂŒltige Zustimmung der Mitgliedsstaaten steht noch aus.

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