EU-Studie: Microsoft respektiert Browser-Wahl nur im EWR
Veröffentlicht: 16.07.2026 um 11:47 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Windows-Nutzer werden weiterhin systematisch zum Edge-Browser gedrängt – und der KI-Assistent Copilot spielt dabei eine immer größere Rolle.
Eine neue, von Mozilla in Auftrag gegebene Studie mit dem Titel „Over The Edge 2.0" enthüllt, wie Microsofts Windows 11 die Browserwahl der Nutzer untergräbt. Die am 14. Juli 2026 veröffentlichte Untersuchung der Experten Dr. Harry Brignull und Cennydd Bowles zeigt: Copilot, Windows-Suche, Widgets, Teams und Outlook ignorieren regelmäßig die vom Nutzer eingestellten Standard-Browser.
Klickt man in diesen Oberflächen auf Links, öffnen sie sich meist in einem Edge-Seitenpanel oder einem vollwertigen Edge-Fenster – selbst wenn der Anwender Firefox oder Chrome als Standard festgelegt hat.
Europa als Vorreiter beim Nutzerschutz
Besonders brisant: Die Forscher dokumentierten ein deutliches Gefälle zwischen den Regionen. In der Europäischen Union und dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) finden sich deutlich weniger sogenannte „Dark Patterns" – manipulative Design-Tricks – als in den USA, Indien oder Brasilien.
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Der Grund liegt im Digital Markets Act (DMA) der EU. In Europa respektiert die Windows-Suche die Standard-Browser-Einstellungen, aggressive Aufforderungen zum Edge-Wechsel bleiben aus. Sogar bei den Datenfreigabe-Einstellungen von Copilot zeigen sich Unterschiede: Im EWR und Großbritannien sind sie standardmäßig ausgeschaltet, in den USA und Indien dagegen vorausgewählt auf „Ein".
Die Botschaft der Studie ist eindeutig: Microsoft könnte die Nutzerwahl weltweit respektieren – tut es aber nur dort, wo Gesetze es erzwingen.
Die Tricks im Detail
Die Untersuchung listet mehrere Methoden auf, mit denen Microsoft den Edge-Browser bevorzugt:
- Rücksetzung bei Migration: Wechselt ein Nutzer von Windows 10 auf 11, speichert die Windows-Backup-Funktion die Browser-Einstellungen nicht. Edge wird dann wieder zum Standard.
- Werbebanner auf Konkurrenzseiten: Edge blendet große Banner auf den Download-Seiten von Chrome ein – mit der irreführenden Botschaft, beide Browser nutzten die gleiche Technik und ein Wechsel sei unnötig.
- Irreführende Oberflächen: Die Windows-Einrichtung verwendet gezielt trickreiche Formulierungen, aufdringliche Hinweise und missverständliche Button-Beschriftungen.
In Indien, wo laut Daten aus dem ersten Quartal 2026 noch 43 Prozent der Windows-Nutzer auf Windows 10 arbeiten, sind diese Methoden besonders verbreitet.
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Marktanteile und Forderungen
Die Studie erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Marktdynamik verschiebt. Google Chrome dominiert mit 72,2 Prozent den Windows-Browser-Markt. Microsoft Edge folgt mit 16,3 Prozent, Firefox hält 7,6 Prozent. Andere Daten deuten darauf hin, dass Edges Gesamtmarktanteil zuletzt auf rund zehn Prozent fiel – ein Rückgang von 13 Prozent im Juni 2025.
Die Browser Choice Alliance, ein Zusammenschluss von Wettbewerbern, hatte Microsoft-CEO Satya Nadella bereits am 3. Juni 2026 in einem offenen Brief kritisiert. Die Allianz begrüßt die Mozilla-Studie und fordert weltweit einheitliche Standards für fairen Browser-Wettbewerb. Die technischen Möglichkeiten dafür, so die Forscher, existieren längst.
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