EU zwingt Hersteller: Wechselbare Akkus ab 2027 Pflicht
29.05.2026 - 18:13:57 | boerse-global.deExtreme Temperaturen von bis zu 47 Grad Celsius in Indien und über 43 Grad im US-Bundesstaat Arizona bringen Lithium-Ionen-Akkus an ihre Grenzen. Hersteller und Sicherheitsbehörden schlagen Alarm – und die Industrie arbeitet an Lösungen.
Wenn die Hitze zur Gefahr wird
Die aktuelle Hitzewelle in Südasien und Nordamerika stellt Verbraucher vor ein wachsendes Problem: Smartphones, Laptops und E-Bikes funktionieren optimal nur bei Temperaturen unter 35 Grad. Liegt das Thermometer deutlich höher, leiden die Lithium-Ionen-Akkus massiv. Besonders tückisch: Die Umgebung in einem aufgeheizten Auto oder auf dem Armaturenbrett kann die Batterie schneller altern lassen und das Risiko eines Defekts erhöhen.
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Die Geräte selbst zeigen dabei charakteristische Schutzreaktionen. Smartphones verweigern etwa das Aufladen über 80 Prozent, entladen sich plötzlich oder drosseln die Leistung drastisch. Experten raten deshalb zu einfachen Gegenmaßnahmen: dicke Schutzhüllen entfernen, anstrengende Aufgaben und das Laden während der größten Hitze vermeiden und den Flugmodus aktivieren. Der ADAC empfiehlt zudem Besitzern von Elektroautos, ihre Fahrzeuge möglichst im Schatten zu parken – besonders während des Ladevorgangs.
Drei Brände in einer Woche: Toronto schlägt Alarm
Die physischen Gefahren durch defekte Akkus sind längst kein theoretisches Problem mehr. Die Feuerwehr von Toronto meldete allein in der letzten Maiwoche drei separate Brände, die auf Lithium-Ionen-Batterien zurückgingen. Am 25. Mai brannte es in einer Recyclinganlage, zwei Tage später fing ein E-Bike in einem schuppen Feuer.
Torontos Feuerwehrchef Jim Jessop spricht von einer ernstzunehmenden Entwicklung. Allein 2025 verzeichnete die kanadische Metropole 90 solcher Brände. Die Behörden appellieren an die Bevölkerung, ausschließlich zertifizierte Akkus und Ladegeräte zu verwenden, Geräte während des Ladevorgangs nicht unbeaufsichtigt zu lassen und Batterien bei ersten Anzeichen von Verformung, ungewöhnlichen Gerüchen oder extremer Überhitzung sofort auszutauschen.
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EU zwingt Hersteller zu wechselbaren Akkus
Die Politik reagiert auf die wachsenden Probleme. Die Europäische Union kündigte am 27. Mai eine weitreichende Verschärfung der Regeln an: Ab 2027 müssen alle in Europa verkauften Smartphones mit wechselbaren Akkus ausgestattet sein. Das Ziel ist ehrgeizig: Der steigende Elektroschrott-Berg – 2022 waren es 62 Millionen Tonnen weltweit, bis 2030 werden 82 Millionen Tonnen erwartet – soll deutlich schrumpfen.
Neue Technologien gegen die Überhitzung
Die Industrie sucht unterdessen fieberhaft nach technischen Lösungen. Gleich mehrere vielversprechende Entwicklungen zeichnen sich ab:
- Hitzebeständigere Elektroden: Die Batteriefirma JRES sicherte sich neue Technologien für LMFP- und Natrium-Batterie-Elektroden. Die LMFP-Technologie soll die Lebensdauer und Speicherleistung bei hohen Temperaturen um über 15 Prozent verbessern.
- Zink statt Lithium: Forscher der Kyung Hee University und der Yangzhou University stellten einen neuartigen Elektrolyten für wässrige Zink-Metall-Batterien vor. Im Test behielten Zink-Iod-Zellen nach über 800 Ladezyklen noch 93,1 Prozent ihrer Kapazität – und funktionierten selbst nach Einstichen oder Verbiegungen weiter.
- Größere Akkus als Puffer: Hersteller setzen zunehmend auf schlicht mehr Kapazität. Xiaomi kündigte das 17T Pro mit einem 7.000 mAh-Akku an, RedMagic brachte eine Global-Version seines 11S Pro mit 7.500 mAh auf den Markt.
- Kühleres Laden: Ein neu vorgestelltes Ladegerät von Anker mit 45 Watt bietet einen speziellen Nachtlade-Modus, der 36 Prozent kühler arbeitet als herkömmliche Schnellladezyklen.
Die Entwicklungen deuten auf einen grundlegenden Wandel hin: Die Branche rüstet sich für eine Zukunft, in der extreme Temperaturen zur neuen Normalität werden.
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