Euro-Office, Europas

Euro-Office 1.0 startet 9. Juni: Europas Antwort auf Microsoft

Veröffentlicht: 03.06.2026 um 07:50 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Bayern plant den kompletten Umstieg von proprietärer Software auf Open Source und europäische Anbieter bis März 2027.

Euro-Office 1.0 startet 9. Juni: Europas Antwort auf Microsoft Illustration mit AI erstellt ĂĽbermittelt durch boerse-global.de
Euro-Office 1.0 startet 9. Juni: Europas Antwort auf Microsoft Illustration mit AI erstellt ĂĽbermittelt durch boerse-global.de

Bis März 2027 will die bayerische Staatsregierung komplett auf proprietäre Software verzichten – und setzt stattdessen auf Open Source und europäische Anbieter.

Digitalminister Fabian Mehring hat eine Testphase für alternative Softwarelösungen gestartet. Das Ziel: Digitale Souveränität für die gesamte Landesverwaltung. Konkret bedeutet das: Die geplante Großinvestition in Microsoft-Produkte ist vom Tisch. Stattdessen sollen bis zum 31. März 2027 vollwertige Alternativen bereitstehen.

Der Schritt kommt nicht von ungefähr. Die Ausgaben für Microsoft-Lizenzen sind in Bayern massiv gestiegen – von 30 Millionen Euro im Jahr 2020 auf zuletzt 49 Millionen Euro. Die Opposition fordert zwar eine umfassendere Gesamtstrategie, doch das Ministerium setzt bewusst auf einen Mix aus Open-Source-Lösungen und europäischen Anbietern. So will man sich gegen Abhängigkeiten absichern – etwa durch den US Cloud Act, der amerikanischen Behörden Zugriff auf Daten von US-Unternehmen gewährt.

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Rechtsklarheit fĂĽr die digitale Verwaltung

Ein entscheidendes Hindernis ist ausgeräumt: Seit dem 1. Juni 2026 liegt ein Rechtsgutachten der Universität Passau vor, das bestätigt: Die durchgängig digitale Verwaltungskommunikation ist rechtlich zulässig und verfassungsrechtlich unbedenklich. Mehring spricht von der nötigen „rechtlichen Klarheit", um die Digitalisierungsoffensive nun entschlossen voranzutreiben.

Bayerns Vorstoß findet bereits über die Grenzen hinaus Beachtung. Am 1. Juni startete in Wien das Programm „NextGen4Austria" – direkt angelehnt an das bayerische Vorbild „NextGen4Bavaria". Gemeinsam mit der österreichischen Wirtschaftskammer sollen rund 52.500 anstehende Unternehmensübergaben bis 2034 begleitet werden. Ein gemeinsames Netzwerktreffen ist für den 26. Juni in München geplant.

Europa zieht bei Cloud und Digital-Identität nach

Auch auf Bundes- und EU-Ebene tut sich einiges. Am 1. Juni besiegelten Deutschland und Estland in Heilbronn eine Innovationspartnerschaft. Die Minister Wildberger und Pakosta unterzeichneten ein Abkommen zu Künstlicher Intelligenz, digitaler Souveränität und der EU Digital Identity Wallet.

Die EU-Kommission verschärft zudem die Regeln für Cloud-Dienste. Seit heute gelten verbindliche Cloud-Souveränitätsregeln (CADA), die US-Hyperscaler von strategischen Regierungsaufträgen in Bereichen wie Verteidigung, Energie und Gesundheit ausschließen. Bereits im April hatte die Kommission einen 180 Millionen Euro schweren Auftrag für eine souveräne Cloud an vier europäische Anbieter vergeben: OVHcloud, STACKIT, Scaleway und Proximus.

Zur Bewertung der Datensouveränität wurde ein neues Instrument eingeführt – das „Sovereignty Effectiveness Assurance Level" (SEAL). Es prüft anhand von 48 Kriterien, wie unabhängig ein Cloud-Dienst tatsächlich ist.

Neue Konkurrenz fĂĽr Microsoft Office

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Die Privatwirtschaft reagiert ebenfalls. Am 2. Juni präsentierte ein Konsortium europäischer Tech-Firmen – darunter SUSE und Cubbit – in Berlin ein „Sovereign Disaster Recovery Pack". Das System soll den Geschäftsbetrieb auch dann sicherstellen, wenn ein externer Cloud-Anbieter ausfällt.

Und es kommt noch dicker für den US-Software-Riesen: Am 9. Juni soll „Euro-Office 1.0" erscheinen. Die webbasierte Produktivitätssuite mit Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationsprogramm ist als direkte Alternative zu Microsoft Office positioniert. Zudem wurde die Low-Code-Plattform A12, die bereits im ELSTER-Steuersystem läuft, als Open Source veröffentlicht – ein weiterer Schritt zu mehr Kontrolle über die eigene digitale Infrastruktur.

Polen zieht unterdessen nach: Ministerpräsident Donald Tusk kündigte für den heutigen Tag einen verpflichtenden „Souveränitätstest" für staatliche Technologiekäufe an – betroffen sind Cloud, KI und Telekommunikationsinfrastruktur.

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