Euro-Office: EU startet Open-Source-Alternative zu Microsoft
22.06.2026 - 04:08:11 | boerse-global.de
Eine Allianz europÀischer Technologieorganisationen hat mit Euro-Office eine Open-Source-Alternative zu den marktbeherrschenden ProduktivitÀtssuiten aus den USA gestartet. Die Plattform soll die digitale SouverÀnitÀt der EU stÀrken.
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Die BĂŒro-Suite fĂŒr Europa
Euro-Office wurde am 9. Juni 2026 offiziell vorgestellt und ist als Fork von OnlyOffice konzipiert. Die Suite bietet volle KompatibilitĂ€t mit gĂ€ngigen Dateiformaten wie .docx, .xlsx, .pptx und .pdf. Besonders hervorzuheben: Die Software ist lizenzkostenfrei und speziell auf die Anforderungen der DSGVO zugeschnitten â ein entscheidender Vorteil gegenĂŒber US-Anbietern, die dem CLOUD Act unterliegen.
Die Integration mit Nextcloud Hub 26 ermöglicht Echtzeit-Zusammenarbeit und Selbsthosting. Allerdings: FĂŒr die vollstĂ€ndige Installation sind derzeit noch Programmierkenntnisse nötig. Auf GitHub finden sich bereits 24 öffentliche Projekte, darunter ein Dokumentenserver und Desktop-Editoren.
Nicht alle in der Open-Source-Gemeinde sind begeistert. LibreOffice-Entwickler kritisieren den starken Fokus auf Microsoft-kompatible Formate. Die Free Software Foundation hatte OnlyOffice bereits im April 2026 wegen LizenzbeschrÀnkungen verwarnt, die mit den AGPLv3-Standards nicht vereinbar seien.
EU setzt auf digitale SouverÀnitÀt
Der Start von Euro-Office ist kein Zufall. Bereits am 3. Juni 2026 hatte die EuropĂ€ische Kommission das Tech-SouverĂ€nitĂ€tspaket auf den Weg gebracht. KernstĂŒcke sind der Cloud- und KI-Entwicklungsakt (CADA) sowie eine zweite Version des Chips Acts â mit einem Investitionsvolumen von rund 120 Milliarden Euro.
Das Ziel ist ambitioniert: Die europĂ€ische RechenzentrumskapazitĂ€t soll sich in den nĂ€chsten fĂŒnf bis sieben Jahren verdreifachen. Notwendig ist das auch, weil der europĂ€ische Cloud-Marktanteil von 29 Prozent im Jahr 2017 auf nur noch 15 Prozent im Jahr 2022 geschrumpft ist. KĂŒnftig sollen öffentliche Einrichtungen in der EU bevorzugt europĂ€ische Cloud- und KI-Dienste nutzen.
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KI aus Europa: 400 Milliarden Parameter
Am 20. Juni 2026 gab die EU-Kommission bekannt, dass das EUROPA-Konsortium die Frontier-AI-Grand-Challenge gewonnen hat. Unter der FĂŒhrung des Unternehmens Domyn und mit Beteiligung der Fraunhofer-Gesellschaft entsteht ein Open-Source-KI-Modell mit ĂŒber 400 Milliarden Parametern. Es soll alle 24 EU-Amtssprachen unterstĂŒtzen und erhĂ€lt fĂŒr ein Jahr Zugriff auf 2,5 Prozent der Supercomputing-KapazitĂ€ten des EuroHPC Joint Undertaking.
Auch industrielle Player ziehen mit. OVHcloud hat kĂŒrzlich seinen OVHai Workspace vorgestellt â eine Kollaborationsplattform mit verschlĂŒsselter E-Mail und lokalen KI-Funktionen. Gemeinsam mit Partnern wie Welinq und Quobly arbeitet der französische Cloud-Anbieter zudem an einer Quanten-Cloud-Plattform, deren Silizium-Spin-Qubit-System noch 2026 einsatzbereit sein soll.
Reaktionen aus den USA: Google warnt vor Isolation
Die europĂ€ischen SouverĂ€nitĂ€tsbestrebungen bleiben in den USA nicht unbemerkt. Am 20. Juni 2026 forderte Google Cloud Nachbesserungen an den EU-PlĂ€nen. Technische Kontrollen seien wirksamer als strenge geografische Kriterien, so der Konzern. Die aktuellen VorschlĂ€ge könnten zu einer Marktisolation fĂŒhren.
Doch die US-Unternehmen passen sich an. Google Cloud plant noch 2026 einen deutschen Sovereign-Cloud-Dienst, der von einer unabhÀngigen Thales-Tochter betrieben wird. Zudem hat sich der Konzern verpflichtet, bis 2029 rund 5,5 Milliarden Euro in die deutsche Infrastruktur zu investieren.
