Letzte Ariane-5-Rakete ins All gestartet
06.07.2023 - 07:51:05Die letzte europĂ€ische Ariane-5-TrĂ€gerrakete ist in den Weltraum abgehoben - doch fĂŒr die europĂ€ische Raumfahrt ist das kein Grund zum Jubeln. Denn nach dem Start der Rakete in der Nacht zum Donnerstag vom europĂ€ischen Weltraumbahnhof in Kourou in Französisch-Guayana fehlen Europa nun vorerst die Mittel, um groĂe Satelliten ins All zu befördern. Und auch bei den leichteren Satelliten gibt es derzeit Probleme.
Die Ariane 5, deren Oberstufe mehr als 25 Jahre lang in Bremen gefertigt wurde, entwickelte sich in ihrer langen Geschichte schnell zum WeltmarktfĂŒhrer fĂŒr den Transport von Telekommunikationssatelliten und sicherte zugleich den Zugang Europas zum Weltall. Zu den bedeutenden Missionen der TrĂ€gerrakete gehörten die mit dem James-Webb-Teleskop als Nachfolger von Hubble (2021), die mit der BepiColombo-Sonde zum Merkur (2018) und mit den Galileo-Satelliten, die Europas UnabhĂ€ngigkeit im Bereich der Navigation ermöglichten.
Wie der Raketenbetreiber Arianespace mitteilte, startete die letzte Ariane 5 mit dem deutschen Telekommunikationssatelliten Heinrich Hertz und dem französischen MilitÀrsatelliten Syracuse 4B an Bord. Heinrich Hertz baute der Bremer Raumfahrt- und Technologiekonzern OHB. Arianespace gehört zur ArianeGroup, die wiederum ein Gemeinschaftsunternehmen des europÀischen Luftfahrtkonzerns Airbus und des französischen Triebwerkherstellers Safran ist.
FĂŒr die Ariane 5 war es der 117. Start seit 1997. Ihre Nachfolgerin, die Ariane 6, hĂ€tte eigentlich schon vor drei Jahren ihre Premiere haben sollen. Doch der Erstflug der Rakete, die die europĂ€ische Raumfahrt wettbewerbsfĂ€higer machen soll, wurde mehrfach verschoben. Mittlerweile peilt die EuropĂ€ische Raumfahrtagentur Esa den Start fĂŒr Ende des Jahres an - und damit mit drei Jahren VerspĂ€tung.
Misslich ist die Lage fĂŒr die Esa, weil es auch bei der TrĂ€gerrakete fĂŒr leichtere Satelliten hakt. Die frisch eingeweihte Vega C hatte bei ihrem ersten kommerziellen Flug im Dezember einen Fehlstart hingelegt und bleibt nun erstmal am Boden. «Ab Mitte dieses Jahres haben wir keinen garantierten Zugang Europas zum All mit europĂ€ischen TrĂ€gerraketen und das ist fĂŒr uns alle ein riesiges Problem», hatte Esa-Chef Josef Aschbacher die Lage beschrieben.
Laut Esa begann die Krise vor knapp einem Jahr, als Russland im Zuge des russischen Angriffskriegs in der Ukraine entschied, seine Sojus-Raketen vom europÀischen Weltraumbahnhof in Kourou in Französisch-Guayana abzuziehen. Wann genau die Esa die Vega C wieder einsetzen will, steht noch nicht fest. Erwartet wird, dass sie noch in diesem Jahr wieder abhebt. Die Vega C ist eine Weiterentwicklung der Vega-Rakete, die seit 2012 leichte Satelliten ins All bringt.
Die Wirtschaftssenatorin des Raumfahrtstandorts Bremen, Kristina Vogt (Linke), sagte anlĂ€sslich des letzten Starts einer Ariane-5-Rakete: «Das letzte Startsignal markierte zwar das Ende einer Ăra, doch mit der EinfĂŒhrung der Ariane 6 sind die Weichen fĂŒr die Zukunft bereits gestellt.» In Bremen wird die Oberstufe der Nachfolgerakete Ariane 6 produziert.


