EVZ warnt: Abo-Fallen beim mobilen Check-in mit versteckten 79-Euro-Gebühren
Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 19:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) hat eine Warnung vor einer neuen Betrugsmasche herausgegeben, die Reisende beim Online-Check-in ins Visier nimmt. Drittanbieter nutzen dabei die Unachtsamkeit von Internetnutzern aus, um diese in kostspielige Abonnement-Verträge zu locken. Betroffene berichten von zunächst geringen Gebühren, auf die später deutlich höhere Abbuchungen folgen.
Versteckte Kosten bei digitalen Reisevorbereitungen
Der Mechanismus der Täuschung beginnt oft auf Webseiten, die Check-in-Dienstleistungen für Flugreisen anbieten. Verbraucher werden dazu verleitet, eine vermeintlich geringe Gebühr von 1 Euro zu zahlen, um den Prozess abzuschließen. Im Kleingedruckten oder durch unzureichend deklarierte Vertragsbedingungen wird jedoch ein Abonnement abgeschlossen, das in der Folge zu Abbuchungen von etwa 79 Euro führt.
Eine Juristin des EVZ erklärte hierzu, dass die notwendigen Kosten- und Vertragsinformationen auf diesen Portalen häufig nicht mit der erforderlichen Klarheit dargestellt werden. Besonders bei der Nutzung von Mobilgeräten sei erhöhte Vorsicht geboten, da die Darstellung auf Smartphones die Wahrnehmung wichtiger Details erschweren könne. Das Verbraucherzentrum empfiehlt Reisenden dringend, vor der Eingabe von Zahlungsdaten den Vertragspartner genau zu identifizieren, Preisangaben kritisch zu prüfen und unabhängige Bewertungen des Anbieters einzuholen.
Juristische Schritte gegen Täuschung im Buchungssektor
Die Problematik irreführender Praktiken im Reisesektor ist auch Gegenstand internationaler juristischer Auseinandersetzungen. In San Francisco hat Staatsanwalt David Chiu Klage gegen die Portale GuestReservations.com und BookOnline.com eingereicht. Den Betreibern wird vorgeworfen, Nutzer über die offizielle Herkunft der Webseiten getäuscht und Aufschläge von bis zu 85 Prozent erhoben zu haben. Zudem stünden die Plattformen wegen extrem strenger Stornobedingungen in der Kritik. In der Klageschrift wird Booking Holdings als aktiver Beteiligter genannt. Die Staatsanwaltschaft strebt Entschädigungen für die betroffenen Kunden an.
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Auch im Bereich der Ferienunterkünfte häufen sich die Betrugsfälle. In Cesenatico wurden rund 90 Familien Opfer von gefälschten Anzeigen auf bekannten Buchungsportalen. Unter Namen wie „Residence Angelini“ oder „Residence da Andrea“ wurden Objekte angeboten, deren Fotos laut Ermittlungen aus regulären Immobilienanzeigen entfremdet worden waren. Eine Betroffene zahlte nach einem persönlichen Telefonat eine Anzahlung von 650 Euro für eine Unterkunft, die vor Ort nicht existierte. Die Stadt musste für die gestrandeten Urlauber Notunterkünfte einrichten.
Cyber-Risiken durch manipulierte Infrastrukturen
Parallel zu den Täuschungen auf Webseiten warnen Sicherheitsforscher vor einer Angriffswelle auf die technische Infrastruktur von Hotels. Unter dem Namen „CaptiveCrunch“ identifizierte Microsoft eine Kampagne, bei der Hacker Router manipulieren, um Nutzer auf gefälschte Login-Seiten umzuleiten. Dabei kommt Schadsoftware wie „CornFlake“ und „ChocoShell“ zum Einsatz, um Passwörter, Tastatureingaben und Cookies zu entwenden sowie Mikrofone oder Webcams zu aktivieren. Hinter diesen Angriffen wird die mit staatlichen Stellen verbundene Gruppe Storm-2945 vermutet. Experten raten Reisenden zur Nutzung von VPN-Verbindungen und der konsequenten Aktivierung der Zwei-Faktor-Authentifizierung.
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Zunahme von Phishing und Identitätsmissbrauch
Die Warnungen des EVZ stehen im Kontext einer generell steigenden Bedrohungslage durch Online-Betrug. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) wies zuletzt verstärkt auf Identitätsmissbrauch hin, bei dem Kriminelle die Auftritte regulierter Finanzinstitute kopieren, um Anleger zu schädigen.
Aktuelle Daten verdeutlichen das Ausmaß: Während die Polizei im Kreis Diepholz für das Jahr 2025 bereits 1.022 Anzeigen wegen Betrugs und 3.200 Fälle von Computerbetrug registrierte, zeigen neue Analysen, dass mittlerweile 86 Prozent der Phishing-Angriffe durch künstliche Intelligenz unterstützt werden. Verbraucherschützer beobachten zudem eine neue Welle täuschend echter E-Mails im Namen der Sparkasse oder der Deutschen Rentenversicherung, die Nutzer auf Phishing-Seiten locken sollen. In einem aktuellen Fall in Ludwigshafen erbeuteten Betrüger durch die Kombination aus Gewinnversprechen und Fernwartungssoftware 19.000 Euro von einem Senior.
