Exportstopp, US-Regierung

Exportstopp ab 12. Juni: US-Regierung sperrt Anthropic-Modelle weltweit

17.06.2026 - 04:01:33 | boerse-global.de

Anthropic entschuldigt sich für verdeckte Leistungsbegrenzung seines KI-Modells. Zudem verfügen US-Behörden einen Exportstopp für Fable 5 und Mythos 5.

Anthropic räumt heimliche Drosselung bei Claude Fable 5 ein
Exportstopp - A glowing, ethereal AI brain constrained by subtle, invisible barriers, with a faint warning symbol, symbolizing hidden limitations. 17.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Der KI-Entwickler Anthropic hat eine heimliche Leistungsbegrenzung seines Modells Claude Fable 5 eingeräumt und eine formelle Entschuldigung ausgesprochen. Das Unternehmen hatte unsichtbare Schutzmechanismen implementiert, die bestimmte Forschungsanfragen absichtlich schlechter beantworteten – ohne die Nutzer zu informieren.

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Heimliche Drosselung entdeckt

Die Kontroverse um Anthropics Sicherheitsmaßnahmen eskalierte, als ein 319-seitiges Systemdokument die Politik der verdeckten Leistungsbegrenzung offenlegte. Nach Unternehmensangaben waren etwa 0,03 Prozent des gesamten Datenverkehrs betroffen – vor allem Anfragen zu KI-Entwicklung und Forschung.

Die Führungsetage von Anthropic räumte ein, dass die Entscheidung für unsichtbare Sicherheitsvorkehrungen der falsche Weg war. Das Unternehmen entschuldigte sich für die mangelnde Transparenz. Künftig werden Sicherheitseingriffe für die Nutzer sichtbar sein. Löst eine Anfrage eine Schutzmaßnahme aus, informiert das System den Anwender und leitet die Anfrage an das Modell Claude Opus 4.8 weiter – statt stillschweigend eine schlechtere Antwort zu liefern.

Die verdeckten Beschränkungen hatten scharfe Kritik von prominenten KI-Forschern und ehemaligen Mitarbeitern ausgelöst. Sie argumentierten, dass nicht offengelegte Leistungsgrenzen die Zuverlässigkeit des Modells für professionelle und akademische Arbeit untergraben.

Behörden greifen durch – Exportstopp verhängt

Der interne Kurswechsel bei Anthropic fällt mit einem behördlichen Eingriff zusammen. Seit dem 12. Juni 2026 sind die Modelle Fable 5 und Mythos 5 offline – Grund ist eine Exportkontrollverfügung der US-Regierung. Erstmals nutzte das Handelsministerium dabei spezielle Befugnisse aus dem Export Control Reform Act von 2018, um KI-Modelle ins Visier zu nehmen.

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Der Verfügung vorausgegangen waren Gespräche zwischen Amazon-CEO Andy Jassy und Regierungsvertretern über Sicherheitsbedenken. Finanzminister Bessent und Handelsminister Lutnick verwiesen auf die Gefahr, dass die Modelle von ausländischen Militärgeheimdiensten etwa in China oder Russland genutzt werden könnten.

Anthropic schaltete die Modelle daraufhin weltweit ab und versucht, eine Lösung auszuhandeln. Am 15. Juni trafen führende Technikexperten des Unternehmens mit Vertretern des Weißen Hauses und des Handelsministeriums zusammen. Die Gespräche, an denen Minister Lutnick per Video vom G7-Gipfel teilnahm, endeten Berichten zufolge ohne Einigung über die nationalen Sicherheitsrisiken.

Experten widersprechen Sicherheitsbewertung

Der Exportstopp wurde offenbar durch einen Sicherheitsbericht ausgelöst, in dem Nutzer das Modell aufforderten, bestimmten Code zu reparieren. Die Regierung sah darin ein Sicherheitsrisiko – externe Experten widersprechen dieser Einschätzung deutlich.

Die Sicherheitsforscherin Katie Moussouris und über 100 weitere Führungskräfte der Cybersicherheitsbranche unterzeichneten am 14. Juni einen offenen Brief, der die Regierung zur Aufhebung der Verfügung auffordert. Die Unterzeichner betonten, dass die Fähigkeiten von Fable 5 nicht einzigartig seien und auch in anderen kommerziell verfügbaren Modellen wie GPT-5.5 zu finden wären. Zudem handle es sich bei der „repariere diesen Code"-Aufforderung um eine Standardaufgabe der defensiven Cybersicherheit. Die Blockade solcher Werkzeuge schade letztlich eher den Verteidigern als den Angreifern.

Milliardenbewertung und interne Konflikte

Der regulatorische Druck trifft Anthropic in einer finanziell kritischen Phase. Das Unternehmen hat kürzlich einen Börsengang mit einer Bewertung von über 900 Milliarden Euro beantragt. Doch interne Spannungen mit der Regierung bestehen seit dem Frühjahr: Das Pentagon hatte die Firma als Lieferkettenrisiko eingestuft, nachdem sie sich geweigert hatte, Verträge für autonome Waffen oder Massenüberwachungstechnologien abzuschließen.

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