Fahrtauglichkeit, Petition

Fahrtauglichkeit im Alter: Petition mit 54.000 Unterschriften im Bundestag

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Petition mit mehr als 54.000 Unterstützern fordert Prüfungen für ältere Autofahrer. Der ADAC setzt dagegen auf individuelle Verantwortung.

Fahrtauglichkeit im Alter: Petition nach tödlichem Unfall eingereicht
Eine leere, regennasse Landstraße in der Dämmerung, die eine nachdenkliche Atmosphäre für die Debatte um Verkehrssicherheit schafft. Illustration mit AI erstellt.

Ein tödlicher Verkehrsunfall im Kreis Minden-Lübbecke hat eine Debatte über verpflichtende Fahrtauglichkeitsprüfungen für ältere Autofahrer neu belebt.

Anfang Juli war ein 59-jähriger vierfacher Familienvater in Bad Oeynhausen von einer rückwärts ausparkenden 86-jährigen Fahrerin erfasst worden und starb wenige Tage später an den Folgen. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld ermittelt weiterhin, die Unfallursache ist nach wie vor unklar, die Beschuldigte schweigt zu den Vorwürfen.

Petition mit über 54.000 Unterschriften im Bundestag

Die Familie des Getöteten reagierte auf den Verlust mit politischem Engagement: Sie startete eine Petition auf change.org, die eine verpflichtende Fahrtauglichkeitsprüfung für ältere Autofahrer fordert. Eine konkrete Altersgrenze wird darin nicht genannt. Die Petition sammelte inzwischen mehr als 54.000 Unterschriften und wurde im Bundestag eingereicht.

Der ADAC Nordrhein positioniert sich gegen eine pauschale Altersgrenze. Laura Scherer vom Automobilclub setzt stattdessen auf Eigenverantwortung der Fahrerinnen und Fahrer statt auf verpflichtende, altersbezogene Prüfungen.

Was die Statistik zeigt

Zahlen des Statistischen Bundesamts liefern ein differenziertes Bild: Demnach waren ältere Menschen 2024 seltener an Unfällen mit Verletzten beteiligt als jüngere Altersgruppen.

Waren jedoch Menschen ab 65 Jahren an einem Unfall beteiligt, wurden sie in mehr als zwei Dritteln der Fälle als Unfallverursacher identifiziert. Diese scheinbar widersprüchliche Datenlage – seltenere Beteiligung, aber höhere Verursacherquote im Einzelfall – bildet den Hintergrund für die aktuelle Debatte.

Jüngste Vorfälle mit älteren Fahrern

Mehrere aktuelle Zwischenfälle unterstreichen die Brisanz des Themas. In der Uckermark meldeten Zeugen eine ältere Autofahrerin, die auf der Landesstraße 100 mit einem Opel Corsa mehrfach beinahe von der Straße abkam; in Klein Dölln konnte die 78-jährige Berlinerin zum Anhalten gebracht werden.

Die Polizei stellte vor Ort gesundheitliche Probleme fest, die eine Weiterfahrt unmöglich machten – Hinweise auf Alkohol- oder Drogenkonsum gab es nicht. Rettungskräfte brachten die Frau ins Krankenhaus, ihr Führerschein wurde vorläufig sichergestellt.

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In Tespe im Landkreis Harburg verwechselte eine 77-jährige Fahrerin vor einem Edeka-Markt Gas- und Bremspedal und landete in einem Graben. Sie musste von der Feuerwehr aus ihrem Seat befreit werden und erlitt leichte Verletzungen, ihre 27-jährige Beifahrerin wurde schwer verletzt.

Auf der B252 bei Diemelstadt in Nordhessen kollidierten ein Auto und ein Wohnmobil frontal; eine 87-jährige Frau aus Essen und ein 91-jähriger Mann aus Mülheim an der Ruhr starben.

Ein 88-jähriger Beifahrer schwebte laut Polizei Kassel weiterhin in Lebensgefahr, während ein 90-jähriger Autofahrer aus Ratingen und ein 73-jähriger Wohnmobilfahrer aus Bochum nach Angaben eines Polizeisprechers nicht mehr lebensbedrohlich verletzt sind. Die Unfallursache wird derzeit von einem Sachverständigen rekonstruiert.

In Offenbach verlor eine 78-jährige Fahrerin einer Mercedes A-Klasse die Kontrolle über ihr Fahrzeug, erfasste einen 32-jährigen Fußgänger und beschädigte einen Post- und Stromkasten, bevor sie in drei geparkten Autos zum Stehen kam. Der Gesamtsachschaden wird von den Behörden auf rund 70.000 Euro beziffert.

Auf der A6 zwischen Aurach und Feuchtwangen-Nord fuhr ein 87-jähriger VW-Fahrer im stockenden Verkehr auf einen vorausfahrenden Ford auf; der Gesamtschaden wird von der Polizei auf rund 40.000 Euro geschätzt.

In Apen im Landkreis Ammerland geriet ein 77-Jähriger auf die Gegenfahrbahn und kollidierte frontal mit einem Traktor – er erlitt lebensgefährliche Verletzungen, die Straße war knapp elf Stunden gesperrt, der Schaden liegt im niedrigen sechsstelligen Bereich.

Bei Seebruck am Chiemsee erfasste ein 84-jähriger Motorrollerfahrer einen 85-jährigen Pedelec-Fahrer, der mit seiner Ehefrau die Straße überqueren wollte. Der Pedelec-Fahrer starb trotz Reanimation, der Motorrollerfahrer wurde mit lebensbedrohlichen Verletzungen per Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen.

Zwischen Einzelfällen und Systemfrage

Die Häufung solcher Meldungen befeuert die gesellschaftliche Diskussion, ob altersbezogene Fahrtauglichkeitstests sinnvoll wären oder ob – wie vom ADAC Nordrhein vertreten – die individuelle Verantwortung im Vordergrund stehen sollte.

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Die Zahlen des Statistischen Bundesamts liefern beiden Positionen Argumente: Sie relativieren einerseits die Gefährdung durch ältere Fahrer insgesamt, bestätigen andererseits eine überdurchschnittliche Verursacherrolle im Einzelfall. Wie der Bundestag mit der eingereichten Petition umgeht, ist bislang offen.

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