Fahrverhalten im Alter: Studie erkennt Demenzrisiko mit bis zu 87 Prozent
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 10:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
VerĂ€nderungen der alltĂ€glichen Gewohnheiten am Steuer können als frĂŒhe Warnzeichen fĂŒr kognitive BeeintrĂ€chtigungen dienen. Untersuchungen der Washington University School of Medicine in St. Louis zeigen, dass telemetrische Fahrdaten wertvolle Hinweise auf den Beginn einer Demenzerkrankung liefern können, noch bevor sich klinische Symptome im Alltag voll bemerkbar machen.
Mustererkennung durch GPS-Datenlogger
In einer prospektiven Studie der Washington University School of Medicine in St. Louis wurden 298 Personen mit einem Durchschnittsalter von 75 Jahren ĂŒber einen Zeitraum von 40 Monaten wissenschaftlich begleitet.
Zu Beginn der Untersuchung galten 242 Teilnehmende als kognitiv gesund, wÀhrend 56 bereits eine leichte kognitive Störung (MCI) aufwiesen. Um das Fahrverhalten detailliert zu dokumentieren, setzten die Forschenden GPS-Datenlogger in den Fahrzeugen ein.
Diese GerĂ€te erfassten kontinuierlich Parameter wie die FahrhĂ€ufigkeit, die Fahrdauer, die genutzten Tageszeiten sowie Geschwindigkeitsmuster und abruptes Bremsen. ErgĂ€nzend dazu fanden jĂ€hrliche neuropsychologische Tests statt, um die kognitive Verfassung der Probanden fortlaufend zu ĂŒberprĂŒfen.
Die Auswertung der Fahrdaten zeigte charakteristische VerhaltensĂ€nderungen bei Personen mit sinkender kognitiver Leistung: Die Betroffenen fuhren insgesamt seltener, wĂ€hlten kĂŒrzere Fahrtstrecken, vermieden Fahrten bei Nacht und verhielten sich im StraĂenverkehr merklich vorsichtiger.
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Mittels mathematischer Modelle gelang es der Forschungsgruppe, eine bestehende oder sich entwickelnde kognitive EinschrĂ€nkung mit einer Genauigkeit von rund 82 % vorherzusagen. Wurden zusĂ€tzlich demografische Faktoren wie Alter und Geschlecht berĂŒcksichtigt, stieg die Trefferquote auf bis zu 87 %.
Die beteiligten Wissenschaftler wiesen zugleich auf EinschrĂ€nkungen der Erhebung hin. So war die Stichprobe verhĂ€ltnismĂ€Ăig klein und wies wenig DiversitĂ€t auf.
Zudem erfassten die Datenlogger nicht alle sicherheitsrelevanten Verhaltensweisen, wie etwa das prĂ€zise Halten der Fahrspur oder die frĂŒhzeitige Gefahrenerkennung. Zudem fĂŒhrt laut Angaben der Alzheimer-Forschungsinitiative eine leichte kognitive BeeintrĂ€chtigung nicht zwangslĂ€ufig zu einer Demenz.
VerknĂŒpfung von Telemetrie und Hirnstrukturen
ErgĂ€nzende Erkenntnisse lieferte eine weitere Untersuchung der Washington University School of Medicine in St. Louis, bei der 220 Autofahrer mit einem Durchschnittsalter von 73 Jahren ĂŒber fĂŒnf Jahre in St. Louis, Missouri, begleitet wurden. Die Gesamtdatenerhebung erstreckte sich ĂŒber neun Jahre von 2016 bis 2024 und kombinierte Fahrzeugmetriken mit MRT-Scans zur Beurteilung der Hirngesundheit.
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Dabei zeigte sich, dass ein höheres AusmaĂ an SchĂ€den an der weiĂen Hirnsubstanz mit weniger Fahrten, dem wiederholten Nutzen derselben Routen und einer Zunahme von Fahrfehlern einherging, insbesondere bei Personen mit spĂ€terer Demenz.
Studienautorin Prof. Chia-Ling Phuah erklĂ€rte hierzu, dass Fahrgewohnheiten frĂŒhe VerĂ€nderungen im Gehirn offenbaren können. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen auf der International Stroke Conference der American Stroke Association in New Orleans vorgestellt werden.
Zudem fiel auf, dass Ă€ltere Menschen ab 65 Jahren, die Blutdrucktabletten einnahmen, trotz vorhandener HirnschĂ€den seltener riskantes Fahrverhalten an den Tag legten. Die Forschenden leiteten daraus ab, dass sogenannte ACE-Hemmer die Hirngesundheit möglicherweise unterstĂŒtzen könnten. Telemetrische Verhaltensanalysen könnten in Zukunft helfen, neurodegenerative Entwicklungen frĂŒher zu erkennen.
