Familiäre, Hypercholesterinämie

Familiäre Hypercholesterinämie: Pflanzliche Kost senkt LDL um 17,9 Prozent

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 09:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Vier Wochen überwiegend pflanzliche Ernährung senkten bei Betroffenen LDL-Cholesterin und weitere Risikomarker; Medikamente bleiben meist nötig.
Frische, bunte GemĂĽsesorten und HĂĽlsenfrĂĽchte in einer Keramikschale auf einem Holztisch bei natĂĽrlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Untersuchungen zur Wechselwirkung zwischen Genetik und Lebensstil liefern neue Einblicke in die Behandlung von Fettstoffwechselstörungen. Eine Untersuchung der Université Laval in Québec zeigt, dass eine gezielte Ernährungsumstellung selbst bei einer genetisch bestätigten familiären Hypercholesterinämie messbare Effekte erzielen kann.

Bei betroffenen Erwachsenen führte eine überwiegend pflanzliche Kost zu einem deutlichen Rückgang wichtiger kardiovaskulärer Risikomarker, wenngleich eine medikamentöse Therapie in der Regel weiterhin erforderlich bleibt.

Signifikante Senkung von LDL-Cholesterin und Risikomarkern

In der im Fachjournal Nature Communications publizierten Untersuchung der Université Laval wurden 50 Erwachsene mit genetisch bestätigter familiären Hypercholesterinämie analysiert. Nach einer vierwöchigen Phase mit einer überwiegend pflanzlichen Ernährung, bei der 82% der Kalorien aus pflanzlichen Quellen stammten, lag das LDL-Cholesterin um 17,9% niedriger als unter einer amerikanischen Standardernährung.

Neben dem LDL-Wert verzeichneten die Forschenden im selben Studienarm weitere Verbesserungen: Das Apolipoprotein B sank um mehr als 14%, während der Blutdruck um etwa 2 mmHg zurückging. Insgesamt verringerte sich das geschätzte Zehn-Jahres-Herz-Kreislauf-Risiko der Teilnehmenden um 11,9%.

Trotz dieser Verbesserungen betonten die Wissenschaftler der kanadischen Universität, dass eine Umstellung der Ernährung allein bei den meisten Patienten nicht ausreiche, um die klinischen Therapieziele zu erreichen. Eine begleitende medikamentöse Behandlung – etwa mittels Statinen, Ezetimib oder bei schweren Verläufen durch PCSK9-Hemmer – bleibe weiterhin unentbehrlich.

Zusammenspiel von Genvarianten und Ernährungsqualität

Ergänzende Erkenntnisse lieferte eine gemeinsame Untersuchung der Madras Diabetes Research Foundation (MDRF) in Chennai und der University of Reading, die in der Fachzeitschrift PLOS ONE erschien.

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Anhand von 1.020 Erwachsenen im Alter zwischen 25 und 80 Jahren aus der Chennai Urban Rural Epidemiology Study – darunter 452 Männer und 568 Frauen – untersuchten die Wissenschaftler die drei genetischen Varianten TCF7L2 rs7903146, FTO rs8050136 und FTO rs1588413. Die Ernährungsqualität wurde dabei anhand des Indian Diet Quality Score über acht Lebensmittelgruppen bewertet.

Die Daten zeigten, dass Personen mit einem höheren genetischen Risiko bei schlechter Ernährungsqualität signifikant höhere Werte beim Gesamt- und LDL-Cholesterin aufwiesen als Personen mit geringerem Risiko. Bei einer mittleren oder hohen Qualität der Ernährung verschwand dieser Unterschied hingegen.

Zudem war ein erhöhtes genetisches Risiko mit höheren Werten beim Nüchternblutzucker und beim HbA1c verbunden. V. Mohan, Vorsitzender der Madras Diabetes Research Foundation, erklärte dazu, dass Gene nicht zwangsläufig über das metabolische Schicksal entscheiden müssten.

Da es sich um eine Querschnittsstudie handelte, wiesen die Forscher darauf hin, dass die Resultate keine Kausalität belegen und weitere Langzeitstudien erforderlich seien.

Relevanz für Prävention und Ernährungsmuster

Die Bedeutung ernährungsbasierter Ansätze wird auch durch Daten aus dem ICMR/MDRF-INDIAB-Kontext unterstrichen. Diesen Angaben zufolge weisen 87,3% der indischen Erwachsenen eine Dyslipidämie auf. Zudem leben 101 Millionen Menschen in Indien mit Diabetes, 136 Millionen mit Prädiabetes und 356 Millionen mit Hypertonie, während 62,3% der täglichen Kalorien aus Kohlenhydraten stammen.

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Hinweise auf wirksame Ernährungsmuster liefern Publikationen von Harvard Health Publishing und der American Heart Association. Eine kontrollierte Untersuchung mit 351 Teilnehmern zeigte, dass eine Ernährung reich an löslichen Ballaststoffen, Nüssen, Sojaprotein und pflanzlichen Sterolen das LDL-Cholesterin nach sechs Monaten im Schnitt um 13 bis 14% senkte, verglichen mit etwa 3% in der Kontrollgruppe.

Hafer liefert über Beta-Glucan rund 1 bis 2 Gramm lösliche Ballaststoffe pro Portion Haferbrei. Hülsenfrüchte wie Bohnen, Linsen und Kichererbsen tragen ebenfalls über Ballaststoffe zur Senkung des LDL-Spiegels bei und dienen zugleich als Ersatz für gesättigte Fette in der täglichen Ernährung.

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