Familienleistungen: 80.000 Kinder verlieren Unterhaltsanspruch
Veröffentlicht: 14.07.2026 um 02:48 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Bundesregierung plant tiefe Einschnitte beim Elterngeld und Unterhaltsvorschuss – und erntet heftige Kritik. Während das Finanzministerium auf Einsparungen in Millionenhöhe pocht, warnen Experten vor negativen Folgen für Familien und die demografische Entwicklung.
Elterngeld: Kürzere Bezugsdauer, höhere Sätze
Die geplanten Neuregelungen für das Elterngeld treten im November 2027 in Kraft. Kern der Reform: Die reguläre Bezugsdauer sinkt von 14 auf 12 Monate. Gleichzeitig steigt die Mindest-Betreuungszeit pro Elternteil von zwei auf drei Monate. Das soll die partnerschaftliche Aufteilung der Sorgearbeit stärken.
Finanziell gibt es eine leichte Anhebung der Sätze. Der Mindestbetrag steigt von 300 auf 330 Euro, der Höchstsatz von 1.800 auf 1.900 Euro. Die Regierung erhofft sich dadurch jährliche Einsparungen von rund 500 Millionen Euro.
Befürworter argumentieren: Die kürzere Bezugsdauer schaffe Anreize für eine schnellere Rückkehr in den Arbeitsmarkt. Kritiker aus der SPD schlagen vor, Kürzungen stattdessen bei Haushalten mit sehr hohen Einkommen ab 100.000 Euro vorzunehmen.
Diskriminierung am Arbeitsplatz: „Ein wachsendes Problem“
Die Antidiskriminierungsbeauftragte Ferda Ataman schlug heute Alarm. Sie fordert, „familiäre Fürsorge“ als geschütztes Merkmal im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) zu verankern. Der Hintergrund: Eine aktuelle Studie zeigt, dass 30 Prozent der Väter und 24 Prozent der Mütter bei der Beantragung von Elternzeit auf negative Reaktionen von Arbeitgebern oder Kollegen stoßen.
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Die geplante Elterngeldreform könnte diese Tendenzen verstärken. Fachleute befürchten, dass strengere Regeln und die Verknappung der Bezugszeit den Druck auf Beschäftigte erhöhen – und familiäre Verpflichtungen gegenüber beruflichen Anforderungen zurückgestellt werden.
Unterhaltsvorschuss: 80.000 Kinder verlieren Anspruch
Familienministerin Prien plant parallel eine weitere Kürzung. Der Unterhaltsvorschuss soll künftig nur noch bis zum 16. Geburtstag eines Kindes gezahlt werden – bisher bestand der Anspruch bis zum 18. Lebensjahr. Schätzungsweise 80.000 Kinder wären betroffen.
Der Grund: Die Kosten explodieren. Seit 2017 haben sich die Ausgaben für den Unterhaltsvorschuss vervierfacht. 2025 erreichten sie 3,3 Milliarden Euro für rund 855.000 Kinder.
Der Widerstand ist groß. SPD, Grüne, Linke und der Kinderschutzbund kritisieren, dass die Kürzung einseitig zu Lasten der Kinder gehe. Besonders pikant: Der Staat ist bei der Eintreibung der Schulden von säumigen Unterhaltspflichtigen wenig erfolgreich. 2025 konnten nur 18 Prozent der gezahlten Beträge zurückgeholt werden.
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Das Familienministerium erwägt deshalb verschärfte Sanktionen – etwa den Entzug des Führerscheins bei falschen Angaben zu den Einkommensverhältnissen.
Geburtenrate auf Rekordtief
Die Debatte findet vor einem düsteren Hintergrund statt. 2025 sank die Geburtenrate auf 1,32 Kinder pro Frau – der niedrigste Stand seit 1997.
Die Direktorin des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB), Spieß, nennt wirtschaftliche Unsicherheit, Inflation und globale Krisen als Ursachen. Ihre Warnung: Weitere Verunsicherungen durch Leistungskürzungen könnten dazu führen, dass Bürger ihren Kinderwunsch weiter aufschieben oder ganz darauf verzichten.
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