Familienmahlzeiten: 77,6% der Eltern nutzen Smartphone statt Kontakt
19.06.2026 - 19:18:47 | boerse-global.de
Das zeigt eine aktuelle US-Studie, die Mitte Juni 2026 im Fachjournal JAMA Pediatrics erschienen ist. Die Forscher befragten 357 Eltern mit Kindern zwischen vier und zehn Jahren.
Das Ergebnis: Bei der letzten gemeinsamen Mahlzeit griffen 77,6 Prozent der Eltern und 68,7 Prozent der Kinder zu digitalen Medien. In mehr als zwei Dritteln der Haushalte nutzten beide Seiten gleichzeitig ihre GerÀte.
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Eltern greifen dabei vor allem zum Smartphone, Kinder hÀufiger zum Fernseher oder Tablet. Der sÀchsische Kultusminister Conrad Clemens kritisierte Anfang Mai 2026 bei der Vorstellung eines neuen Bildungsplans die mangelnde Vorbildfunktion der Eltern. Ein falscher Umgang mit digitalen Medien im Beisein von Kindern könne deren Entwicklung negativ beeinflussen.
FĂŒnf Stunden Social Media â und das GedĂ€chtnis leidet
Die kognitiven Folgen des Medienkonsums rĂŒcken zunehmend in den Fokus der Forschung. Eine Studie der Camilo-JosĂ©-Cela-UniversitĂ€t Madrid und der UniversitĂ€t Bergen befragte 943 Erwachsene zwischen 18 und 35 Jahren.
Die Daten zeigen: Wer mehr als fĂŒnf Stunden tĂ€glich auf sozialen Plattformen verbringt, berichtet deutlich hĂ€ufiger von GedĂ€chtnislĂŒcken als Nutzer mit weniger als einer Stunde Bildschirmzeit.
Diese Erkenntnisse haben bereits bildungspolitische Konsequenzen. Das österreichische Bildungsministerium gab am 18. Juni bekannt, die geplante Ausgabe digitaler EndgerĂ€te an Schulen um eineinhalb Jahre zu verschieben. BegrĂŒndung: Internationale Studien belegen BeeintrĂ€chtigungen der Konzentration und Lernleistung durch digitale Ablenkung.
Eltern unterschÀtzen die Nutzungszeit ihrer Kinder
Eine groĂangelegte EU-Umfrage unter mehr als 39.000 Teilnehmern aus MĂ€rz und April 2026 zeigt eine krasse WahrnehmungslĂŒcke. WĂ€hrend 48 Prozent der befragten 13- bis 18-JĂ€hrigen den Einfluss sozialer Medien als positiv bewerten, teilen nur 21 Prozent der Eltern diese Ansicht.
Noch gravierender: Eltern unterschĂ€tzen die tatsĂ€chliche Bildschirmzeit ihrer Kinder im Durchschnitt um etwa eine Stunde. Laut der Erhebung liegt die reale Nutzungszeit bei 4,5 Stunden an Schultagen â am Wochenende steigt sie auf 6,1 Stunden.
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Trotz der bewussten Wahrnehmung von Ablenkungspotenzialen lehnen viele Jugendliche pauschale Verbote ab. Die Postbank Jugend-Digitalstudie vom September 2025 ergab: 60 Prozent der 16- bis 18-JĂ€hrigen sind gegen ein Handyverbot an Schulen. Sie sehen Smartphones als sinnvoll fĂŒr Kommunikation und Lernen. Gleichzeitig rĂ€umten 71 Prozent ein, dass die GerĂ€te ein hohes Ablenkungspotenzial haben.
Verbote allein reichen nicht
In der politischen Diskussion zeichnen sich unterschiedliche LösungsansÀtze ab. Eine EU-Expertengruppe will bis Mitte Juli 2026 Empfehlungen zu möglichen Social-Media-Verboten vorlegen. FachverbÀnde mahnen jedoch zur Differenzierung.
Die Psychotherapeutenkammer Niedersachsen betonte Mitte Juni: Verbote allein griffen zu kurz. Stattdessen fordert die Kammer verbindliche Schutzmechanismen der Plattformbetreiber â strengere Algorithmen und eine verlĂ€ssliche Altersverifikation. Zudem mĂŒsse die Medienkompetenz bei Erwachsenen und Kindern gezielt gefördert werden.
Auch Thorsten Schmiege, PrĂ€sident der Bayerischen Landeszentrale fĂŒr neue Medien (BLM), sprach sich im Juni fĂŒr eine stĂ€rkere gesetzliche Regulierung der Plattformen aus. Pauschale Verbote hĂ€lt er fĂŒr den falschen Weg.
