Jugendliche, Erkrankung

Fast jeder dritte Jugendliche lebt mit psychischer Erkrankung

13.05.2026 - 12:47:53 | boerse-global.de

Fast jeder dritte Jugendliche leidet an psychischen Erkrankungen. Lokale Workshops und Resilienztraining sollen gegensteuern.

Fast jeder dritte Jugendliche lebt mit psychischer Erkrankung - Foto: über boerse-global.de
Fast jeder dritte Jugendliche lebt mit psychischer Erkrankung - Foto: über boerse-global.de

Ein neuer Bericht der Zurich Insurance Group zeigt: 2026 leidet fast jede dritte Person zwischen 15 und 19 Jahren an einer psychischen Erkrankung. In Deutschland sind rund 13 Millionen Menschen betroffen – etwa 15 Prozent der Gesamtbevölkerung. Da viele Erkrankungen früh beginnen, sehen Experten massive Risiken für Bildungs- und Berufswege.

Prävention vor Ort: Workshops und Achtsamkeit

Um gegenzusteuern, entstehen immer mehr lokale Angebote. In Bad Dürrenberg startet Mitte Mai eine Workshop-Reihe für Eltern. Der CVJM organisiert die kostenlosen Veranstaltungen im Bürgerhaus. Themen: Erziehung, Umgang mit Wut und Resilienzförderung.

In Nieder-Weisel (Hessen) fand bereits ein Achtsamkeitsworkshop für 15- bis 27-Jährige statt. Das Geistliche Zentrum bot das Training an – oft auch zur Verlängerung der Jugendleitercard. Auch in Köln und Bonn laufen Kurse: Das Achtsamkeits-Zentrum Köln bietet MBSR-Kurse an, die Krankenkassen bezuschussen. In Bonn gibt es „AkiJu“ für pädagogische Fachkräfte sowie MCP-Elternkurse.

Anzeige

Neben Workshops vor Ort kann auch gezielte Bewegung helfen, die psychische Widerstandskraft zu stärken und das Energielevel im Alltag zu heben. Ein kostenloser Ratgeber zeigt einfache Übungen, die in nur drei Minuten helfen, Beschwerden vorzubeugen. 17 wirksame Übungen jetzt kostenlos herunterladen

Ein neuer Trend: Coaching im Wald. In Bingen startete im Mai das Training „Mehr Ruhe. Mehr Kraft. Mehr DU.“ im Binger Wald. Die Natur dient als Raum zur Stärkung der psychischen Widerstandskraft.

Was die Wissenschaft sagt: Resilienz ist trainierbar

Professor Klaus Lieb vom Leibniz-Institut für Resilienzforschung identifizierte über 150 Faktoren, die unsere Widerstandskraft beeinflussen. Sie fallen in drei Kategorien: individuelle Faktoren wie Optimismus, soziale Faktoren wie Unterstützung und gesellschaftliche Aspekte wie Zugang zu Grünflächen. Die effektivsten Schutzfaktoren: soziale Einbindung und erlebte Selbstwirksamkeit.

Eine Studie der RPTU Kaiserslautern-Landau im „Journal of Neuroscience“ zeigt: Höhere Resilienz führt zu stärkerer Gewichtung positiver Aspekte bei Entscheidungen. Resiliente Menschen regulieren negative Informationen besser – ein Schlüssel für den Umgang mit Stress.

Eine Meta-Analyse in „Nature Human Behaviour“ untermauert die Bedeutung von Bewegung. Die Auswertung von 67 Studien mit über 8.000 Teilnehmenden zeigt: Sport verbessert Stimmung und Energielevel sofort. Besonders Menschen mit niedrigem Wohlbefinden profitieren enorm.

Kritik: Individualisierung statt Systemveränderung

Trotz des Ausbaus bleibt die Lage angespannt. Sarah Goll vom Münchner Bündnis gegen Depression berichtet: Allein in Bayern litten 2023 rund 1,45 Millionen Menschen an Depressionen. Bei 13- bis 15-Jährigen sind etwa zwei Prozent betroffen, bei 15- bis 18-Jährigen steigt der Anteil auf 15 Prozent. Hauptbelastungsfaktoren: Pandemiefolgen und globale Konflikte.

Die Autorin Kathrin Fischer übt Kritik. Ihr Buch „Achtsam geht die Welt zugrunde“ (2026) warnt vor einer Entpolitisierung durch Achtsamkeitskonzepte. Ihre These: Stress werde individualisiert, während systemische Ursachen ausgeblendet bleiben.

Auch Fachkräfte leiden. Psychologe Johannes Wendsche von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin empfiehlt klare Grenzen zwischen Beruf und Privatleben. Bewusster Kleidungswechsel nach Dienstende, Sport oder Tagebuchschreiben helfen. Offene Gesprächskultur im Team sei ebenso wichtig.

Anzeige

Eine gesunde Work-Life-Balance ist entscheidend, um beruflich erfolgreich zu bleiben, ohne das persönliche Glück zu opfern. Dieser kostenlose Leitfaden liefert konkrete Maßnahmen und Übungen für mehr Ausgeglichenheit im stressigen Alltag. Gratis E-Book für mehr innere Ruhe anfordern

Frühzeitige Hilfe als wirtschaftlicher Faktor

Die Folgen sind massiv: Gefährdete Bildungswege und Berufseinstiege verursachen langfristige Kosten für Sozialsysteme. Das Projekt „PsychKOMPASS“ der Universität Duisburg-Essen untersucht seit April die psychische Gesundheit von Studierenden. Ziel: fundierte Handlungsempfehlungen für Politik und Hochschulen.

Die Gesundheitskonferenz in Osnabrück am 11. Mai betonte die Bedeutung von Alltagsstruktur und stabilen sozialen Beziehungen. Landrätin Anna Kebschull fordert: Offene Gespräche über mentale Gesundheit müssen enttabuisiert werden. Für September ist ein „World-Café“ zur mentalen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen geplant.

Was 2026 noch kommt

Im Juni zieht die genetische Sprechstunde der Universität Zürich in neue Räume im Hochschulquartier. Die Diagnostiklabore bleiben in Schlieren. Die Neuausrichtung könnte die klinische Anbindung genetischer Beratung stärken – auch bei Prädispositionen für psychische Erkrankungen.

Die Herausforderung: Individuelle Resilienzförderung mit strukturellen Verbesserungen im Gesundheits- und Bildungssystem verknüpfen. Bewegungsprogramme im Alltag, wie von der Meta-Analyse empfohlen, könnten eine kosteneffiziente Ergänzung zu Therapien sein.

So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
de | wissenschaft | 69322739 |