FCA-Bilanz 2025/ 26: 5,6 Milliarden Pfund für Verbraucherschutz
Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 04:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die britische Finanzaufsicht FCA verschärft ihren Kurs: Mit Tausenden neuen Firmen unter Aufsicht und milliardenschweren Rückflüssen für Verbraucher will die Behörde Finanzkriminalität entschlossener bekämpfen. Auch für die Vermögensverwaltung gibt es deutliche Mahnungen.
Aufsicht mit Rekordbilanz
Die Financial Conduct Authority (FCA) rüstet personell und regulatorisch auf. Wie die stellvertretende Geschäftsführerin Sarah Pritchard Mitte Juli mitteilte, überwacht die Behörde derzeit rund 35.000 Unternehmen mit 5.500 Mitarbeitern. Doch das ist nur der Anfang: Weitere 60.000 Firmen und 100.000 Führungskräfte könnten künftig unter die Aufsicht der Briten fallen.
Die Bilanz des Geschäftsjahres 2025/26 kann sich sehen lassen: Rund 5,6 Milliarden Pfund an Vorteilen für Verbraucher und Märkte stehen zu Buche – das entspricht einer Rendite von sieben Pfund pro eingesetztem Pfund. Die Ermittler erwirkten 17 strafrechtliche Verurteilungen und verhängten Geldstrafen in Höhe von 129 Millionen Pfund. 82 Millionen Pfund flossen direkt an geschädigte Verbraucher zurück. Bei der Bearbeitung von Zulassungsanträgen hielt die Behörde in 99,2 Prozent der Fälle die gesetzlichen Fristen ein.
Schwachstellen in der Vermögensverwaltung
Besonders kritisch blickt die FCA auf die Geldwäschekontrollen im Asset-Management-Sektor. Eine Prüfung von 242 Unternehmen offenbarte erhebliche Mängel: Mehr als ein Fünftel der Firmen verfügte über keine vollständige unternehmensweite Risikobewertung. Bei 18 Prozent fehlten formelle Verfahren zur Kundenrisikobewertung gänzlich.
Auch das Thema Outsourcing bereitet der Behörde Sorgen. Zwar lagern 40 Prozent der geprüften Firmen ihre Sorgfaltspflichten gegenüber Kunden (Customer Due Diligence) an externe Dienstleister aus – doch nur 36 Prozent kontrollieren diese Anbieter tatsächlich umfassend. Bei 29 Prozent der Unternehmen fehlte ein System zur Überwachung verdächtiger Transaktionen, sieben Prozent führten gar keine laufende Überprüfung ihrer Kunden durch.
Wer die Sorgfaltspflichten gegenüber Dritten und die Dokumentation von Datenflüssen rechtssicher organisieren möchte, findet in diesem Experten-Leitfaden wichtige Unterstützung. Sichern Sie sich kostenlose Vorlagen und Checklisten für eine DSGVO-konforme Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern. Gratis E-Book mit fertigen Vorlagen und Checklisten zum sofortigen Einsatz
Ein weiteres Manko: Die Führungsebene nimmt ihre Aufsichtspflicht oft nicht ernst genug. Mehr als die Hälfte der Geldwäschebeauftragten (MLROs) arbeitet nur in Teilzeit, und bei 36 Prozent der Firmen werden Risiken der Geldwäschebekämpfung höchstens einmal pro Jahr thematisiert.
Strengere Kontrolle für „Annex-1“-Unternehmen
Neue Aufmerksamkeit gilt sogenannten „Annex-1“-Firmen – dazu zählen nicht regulierte Kreditgeber, Verwahrstellen, Geldmakler und Leasinggesellschaften. Die FCA kritisiert, dass viele dieser Unternehmen sich zu stark auf die Kontrollsysteme ihrer Mutterkonzerne verlassen. Rund 900 Firmen erhielten deshalb eine Aufforderung zur Informationsübermittlung. Die Bearbeitung von Registrierungsanträgen werde sich durch die verschärfte Prüfung voraussichtlich verlängern, so die Behörde.
Ermittlungen und Verbraucherschutz
Die FCA geht weiter entschlossen gegen Marktmissbrauch und unerlaubte Geschäfte vor. Am 5. August stand der Anwalt Richard Bloomfield vor Gericht: Ihm werden fünf Fälle von Insiderhandel zur Last gelegt. Zwischen März 2022 und Januar 2023 soll er mit vertraulichen Informationen über eine Übernahme Aktien der Seraphine Group PLC gehandelt haben.
In weiteren Verfahren:
- Unerlaubte Finanzberatung: Gegen Neil Woodford und die in den Vereinigten Arabischen Emiraten registrierte Firma W4.0 wurden Zivilverfahren eingeleitet. Die FCA want per Gerichtsbeschluss erreichen, dass die Parteien ihre ohne Zulassung betriebene Anlageberatung und Werbung über eine eigene Website einstellen.
- Ponzi-Schema: Im Juni wurde gegen Daniel Pugh eine Einziehungsanordnung über mehr als 452.000 Pfund verhängt. Pugh war zuvor wegen eines 1,3 Millionen Pfund schweren Schneeballsystems zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt worden – nur 19 Prozent der Anlegergelder wurden tatsächlich gehandelt.
- Irreführende Autofinanzierung: Seit Januar 2024 hat die Behörde mehr als 1.000 irreführende Werbeanzeigen für Autofinanzierungen aus sozialen Netzwerken entfernen lassen. Dahinter steckten oft Schadensersatzdienstleister und Anwaltskanzleien, die mit falschen „Geldtipps“ oder missbrauchten offiziellen Logos warben. Rund 28.000 Verbraucher konnten dank der Eingriffe gebührenfrei aus Verträgen aussteigen.
Die korrekte Erfüllung gesetzlicher Anforderungen ist für Geschäftsführer eine wesentliche Pflicht zur Vermeidung von Haftungsrisiken. Dieser kostenlose Report klärt über häufige Versäumnisse bei der Überwachung von Dienstleistern auf und zeigt, wie Sie teure Bußgelder vermeiden. Kostenlosen Experten-Report zum Datenschutz jetzt herunterladen
Neues Regime für Kryptoassets
Auch die Marktinfrastruktur wird weiterentwickelt: Für den Zeitraum Juli 2026 bis Juli 2028 hat die FCA 27 Mitglieder in ihren Beratungsausschuss für Sekundärmärkte berufen. Unter dem Vorsitz von Jon Relleen vertreten sind namhafte Häuser wie Goldman Sachs, J.P. Morgan, BlackRock und die London Stock Exchange Group.
Parallel dazu stehen die finalen Regeln für den Kryptosektor. Das neue Aufsichtsregime tritt am 25. Oktober 2027 in Kraft und verlangt von Krypto-Unternehmen eine Zulassung, verpflichtende Best-Execution-Standards für Handelsplattformen sowie besondere Schutzmaßnahmen für Kreditvergabe und Staking im Privatkundengeschäft. Zudem wird ein eigenes Marktmissbrauchsregime für digitale Vermögenswerte eingeführt.
Die Entwicklungen in Großbritannien reihen sich ein in eine weltweite Offensive: Auch die US-Börsenaufsicht SEC hat im Juli eine Arbeitsgruppe gegen Betrug an Kleinanlegern gegründet – ein klares Signal für verschärfte Durchsetzung in den Finanzmärkten.
