Fehlbehandlung bei Sehnenreizungen: Heilung kann zwei- bis dreimal länger dauern
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 01:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deBei plötzlich auftretenden Beschwerden an Gelenken oder Muskeln spielen physikalische Sofortmaßnahmen eine zentrale Rolle. Fachratgeber weisen darauf hin, dass gezielte Schritte wie Kühlen, Hochlagern und Entlastung Schwellungen und Schmerzen maßgeblich verringern können. Eine strukturierte Erstversorgung dämmt Gewebereaktionen frühzeitig ein und unterstützt den weiteren Heilungsverlauf.
Erstversorgung in der Akutphase: RICE- und POLICE-Konzepte
Als Standard für die Erstbehandlung von Weichteilverletzungen wie Zerrungen, Verstauchungen, Prellungen oder Rissen gilt die sogenannte RICE-Regel, die auf Ruhe, Eis, Kompression und Hochlagern setzt. Bei akuten Sportverletzungen wie Sprunggelenksläsionen, Prellungen oder Frakturen wird zudem das POLICE-Prinzip herangezogen. Dieses umfasst den Schutz des betroffenen Bereichs, optimale Belastung sowie Eis, Kompression und Hochlagern.
In der Akutphase, die üblicherweise die ersten 48 Stunden nach einer Verletzung oder dem Ausbruch einer Entzündung umfasst, steht die Kälteanwendung im Mittelpunkt. Eisbeutel sollten stets in ein Handtuch gewickelt aufgelegt werden, um Gewebeschäden zu vermeiden.
Empfohlen werden Einheiten von 15 bis 20 Minuten, die im Abstand von ein bis zwei Stunden oder alle zwei bei drei Stunden wiederholt werden können. Bei starken Schwellungen an den Armen kommt auch eine stündliche Kühlung infrage. Zudem soll das betroffene Glied mindestens 30 Minuten über Herzhöhe gelagert werden.
Nach ärztlicher Anweisung können nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen, Diclofenac oder Celecoxib eingenommen oder äußerlich als Diclofenac-Diethylamin-Gel aufgetragen werden. Bei Muskelreizungen wird empfohlen, die auslösende Bewegung einige Stunden zu meiden, kalte Umschläge zu nutzen und mindestens eine Stunde zu ruhen, gegebenenfalls ergänzt durch Schmerzmittel.
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Übergang zur Erholungsphase und Wärmeanwendung
Nach Ablauf der ersten 48 Stunden ändert sich das Behandlungsschema in der Regel. Während Kälte die Gefäße verengt und Schwellungen hemmt, fördert Wärme im weiteren Verlauf die Durchblutung und Regeneration.
Bei Armverletzungen wird nach 48 Stunden beispielsweise auf 40 °C warme Umschläge umgestellt, die dreimal täglich für jeweils 20 Minuten mit leichter Bewegung kombiniert werden. Auch nach Muskelreizungen erfolgt nach zwei Tagen der Wechsel zu Wärme und langsamem Dehnen; zumeist heilen derartige Reizungen innerhalb eines Monats ab.
Bei Schulter-Nacken-Zerrungen sieht die Versorgung in den ersten 48 Stunden Ruhigstellung, Kühlen für 15 bis 20 Minuten drei- bis fünfmal täglich sowie maßvolle Kompression und Hochlagern vor. In der anschließenden Erholungsphase bis zu einer Woche werden Wärmeanwendungen von etwa 20 Minuten mit sanften Bewegungen kombiniert. Nach überstandener Akutphase empfiehlt sich zudem der Einsatz von Physiotherapie.
Spezifische Vorgaben für Sehnen und Gelenke
Je nach Körperregion und Verletzungsart gelten teils abweichende Richtwerte. Bei einer akuten Epicondylitis, dem sogenannten Tennisarm, ist eine Kältebehandlung nur innerhalb von 72 Stunden nach dem akuten Ausbruch angezeigt, jeweils für 10 bis 15 Minuten. Erst nach 72 Stunden, in der chronischen Erholungsphase, kommt Wärme bei 40 bis 45 °C für 15 bis 20 Minuten zum Einsatz.
Während in der Akutphase Ruhigstellung und eine Bandage angeraten werden, folgt später ein schrittweises Widerstandstraining des Handgelenks. Auch bei der akuten Bizeps-Langkopftendinitis greift das Schema: Kühlen in der Akutphase, Wärmeanwendung in der chronischen Phase.
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Bei einer akuten Sehnenscheidenentzündung wird ausdrücklich davor gewarnt, die betroffene Stelle zu massieren, stark zu drücken, Wärmeanwendungen zu früh zu starten oder trotz Schmerzen in betroffene Richtungen zu dehnen. Auch das alleinige Verlassen auf eine Bandage gilt als unzureichend. Fachberichte warnen generell davor, dass unsachgemäße Behandlungen den gesamten Heilungszeitraum um das Zwei- bis Dreifache verlängern können.
Kriterien für eine ärztliche Abklärung
Trotz wirksamer physikalischer Maßnahmen erfordern bestimmte Symptome eine zügige fachärztliche Untersuchung in der Orthopädie, Rheumatologie oder Sportmedizin:
- Schwellungen und Schmerzen, die länger als drei Tage anhalten, oder anhaltende Schmerzen über mehr als eine Woche
- Begleitendes Fieber oder schwere Bewegungseinschränkungen
- Gelenkdeformitäten, Taubheitsgefühle in den Fingern oder ausstrahlende Taubheit im Arm
- Finger, die sich bei Verdacht auf Sehnenscheidenentzündung nicht strecken lassen, sowie Morgensteifigkeit von mehr als einer Stunde
- Instabilität im Gelenk oder Schmerzen, die nach zwei Wochen bei Tendinitis oder nach sechs bis acht Wochen fortbestehen
Bei Frakturen sind eine sofortige Fixierung, Schmerztherapie und unverzügliche ärztliche Versorgung erforderlich. Bei chronischer Instabilität oder Schmerzen nach sechs bis acht Wochen kann im Einzelfall eine arthroskopische Operation in Betracht gezogen werden.
