Fehlzeiten, Psychische

Fehlzeiten explodieren: Psychische Störungen um 67% gestiegen

24.06.2026 - 03:50:24 | boerse-global.de

Rio de Janeiro verzeichnet die zweithöchste Zahl an Burnout-Klagen Brasiliens. Eine neue Richtlinie verpflichtet Firmen nun zur Erfassung psychosozialer Risiken.

Rio de Janeiro: Neue Burnout-Klagen und verschÀrfte Arbeitsschutzregeln
Fehlzeiten - Eine stilisierte, leicht unscharfe Darstellung der Stadtlandschaft von Rio de Janeiro mit abstrakten Elementen, die Stress und Daten symbolisieren. 24.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Der Bundesstaat belegt im nationalen Ranking der Burnout-Klagen Platz zwei – und eine neue Verordnung verschĂ€rft den Druck auf Firmen massiv.

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2.482 Verfahren in zehn Jahren

Nach Daten der Plattform Predictus wurden zwischen Januar 2016 und April 2026 in Rio de Janeiro 2.482 Burnout-Klagen registriert. Das sind 10,88 Prozent aller 22.815 landesweit erfassten FĂ€lle. Spitzenreiter ist SĂŁo Paulo mit 27,67 Prozent, gefolgt von Minas Gerais (9,39 Prozent).

Die wirtschaftliche Dimension ist enorm: Die Streitwerte aller Verfahren summieren sich auf fast 10 Milliarden Real. Grundlage ist die Einstufung der WHO, die Burnout als rein berufsbedingtes PhÀnomen definiert. Das stÀrkt die Position klagender Arbeitnehmer.

Neue Regeln seit Mai 2026

Seit Ende Mai gilt die ĂŒberarbeitete Arbeitsschutzrichtlinie NR-1. Sie zwingt Unternehmen, psychosoziale Risiken systematisch zu erfassen. Dazu zĂ€hlen Termindruck, unrealistische Ziele und BelĂ€stigung am Arbeitsplatz.

Die Neuregelung stellt psychische Belastungen rechtlich mit physischen Risiken gleich. Betriebe mĂŒssen ihr Risikomanagement-Programm (PGR) anpassen. Wer die GefĂ€hrdungsbeurteilung verschleppt, riskiert empfindliche Bußgelder. Experten betonen: Die Verantwortung liegt nicht mehr nur bei der Personalabteilung – FĂŒhrungskrĂ€fte sind direkt in der Pflicht.

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Krankschreibungen explodieren

Die Entwicklung in Rio spiegelt einen nationalen Trend. Das Sozialministerium meldete fĂŒr 2025 ĂŒber 500.000 Krankschreibungen wegen mentaler Störungen. Insgesamt fielen rund 4 Millionen ArbeitsausfĂ€lle an. Besonders alarmierend: Zwischen 2023 und 2024 stiegen die Fehlzeiten wegen psychischer Probleme um 67 Prozent.

Die Studie „Mapa da Felicidade Real“ 2026 zeigt die Ursachen: 29 Prozent der Befragten leiden unter Dauerstress. Berufliche Überlastung ist mit 24 Prozent der Hauptgrund fĂŒr Unzufriedenheit. 45 Prozent arbeiten im 6x1-Modell – sechs Arbeitstage, ein freier Tag. Die Erholungsphasen sind damit massiv eingeschrĂ€nkt.

Justiz unter Druck

Die Klageflut trifft auf ein ĂŒberlastetes Justizsystem. Das Oberste Arbeitsgericht (TST) zĂ€hlte 2025 rund 380.000 NeueingĂ€nge – nach 420.000 im Vorjahr. Mitte Juni 2026 hob der Oberste Gerichtshof (STF) zudem eine Aussetzung von Verfahren zur „Pejotização“ auf. Dabei werden Angestellte als Schein-SelbststĂ€ndige gefĂŒhrt. Tausende pausierte Verfahren können nun wieder aufgenommen werden.

Gleichzeitig geht die Justiz gegen Missbrauch vor. Im Juni 2026 verhÀngte ein Arbeitsgericht eine Geldstrafe gegen einen KlÀger: Er hatte standardisierte Klageschriften ohne konkrete Beweise in Serie eingereicht. Die Botschaft ist klar: Trotz der hohen Fallzahlen soll die VerfahrensqualitÀt nicht leiden.

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