Feuerwehrübungen: 320 Kräfte trainieren Vegetationsbrand und Hochwasser
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 04:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Regelmäßige Einsatzübungen der Feuerwehr und weiterer Hilfsorganisationen dienen der gezielten Vorbereitung auf psychisch hochgradig belastende Notfallsituationen. Das wiederholte Trainieren komplexer Abläufe soll die Handlungssicherheit der Einsatzkräfte stärken, damit Rettungsmaßnahmen auch unter extremen Bedingungen strukturiert und routiniert bewältigt werden können. Zahlreiche Übungen und Nachbereitungsformate veranschaulichen das breite Spektrum an Szenarien, mit denen Rettungsdienste konfrontiert sind.
Simulation extremer Lagen zur Stärkung der Routine
Um Belastungsresilienz aufzubauen, greifen Feuerwehren auf realitätsnahe Notfallkonstellationen zurück. Bei einer Übung der Feuerwehr Sassenberg auf dem Areal des Betriebs Vereinsbedarf Deitert erprobten rund 50 Einsatzkräfte das Vorgehen in einer verrauchten Halle.
Angenommen worden war ein Großbrand mit über zehn und unter Umständen mehr als 20 Vermissten. Vor Ort forderte Einsatzleiter Patrik Hillebrand zwei weitere Löschzüge an, während die vermutete Opferzahl zugleich einen Großeinsatz des Rettungsdienstes auslöste.
Auch bei den Feuerwehren der Stadt Flörsheim am Main stand das Vorgehen bei unübersichtlichen Menschenrettungen im Mittelpunkt. Im Galluszentrum an der Hauptstraße probten Einsatzkräfte unter der Leitung von Stadtbrandinspektor Peer Neugebauer und dessen Stellvertreter Markus Kaschel die Brandbekämpfung bei Temperaturen von über 30 Grad Celsius.
Im verrauchten Innenraum wurden vier Personen gesucht, darunter ein Kind, während sich vier weitere Menschen auf einem Balkon befanden. Die Personenrettung und Brandbekämpfung waren nach rund einer Stunde abgeschlossen.
Für den 26. September 2026 plant der Löschzug Elmpt der Freiwilligen Feuerwehr Niederkrüchten eine Übung am ehemaligen Hotel Lenhsen. Geplant sind Brandbekämpfung und Menschenrettung unter Einsatz von künstlichem Rauch ab 9 Uhr. Der stellvertretende Löschzugführer Jan Pearse hob hervor, wie wichtig kontinuierliches Training unter realistischen Bedingungen für die Einsatzkräfte sei.
Interdisziplinäre Großübungen und medizinische Herausforderungen
Gefahrenlagen mit zahlreichen Verletzten stellen erhebliche psychische und logistische Anforderungen dar. Am 19. September 2026 absolvierten Notärzte aus ganz Österreich sowie acht Militärärzte in Kirchberg an der Raab einen Refresher-Kurs im Rahmen des Diplom-Fortbildungs-Programms. Das von Dr. Christoph Castellani, dem stellvertretenden Chefarzt des Roten Kreuzes Steiermark und Bereichsfeuerwehrarzt, organisierte Szenario simulierte einen schweren Unfall zwischen einem Reisebus und einem weiteren Fahrzeug mit rund 50 Betroffenen samt Schadstofflage.
Ob verrauchte Halle, Trümmerfeld oder Hochwasserlage: Der Unterschied zwischen Chaos und strukturierter Rettung entsteht in der Übung. In diesem kostenlosen Leitfaden finden Sie den Ablaufplan für realistische Großübungen – von der Szenario-Planung über Darsteller und Rauch bis zur Stationen-Rotation mit Feuerwehr, THW, DRK und DLRG. Kostenlosen Übungs-Leitfaden jetzt anfordern
Rund 80 Feuerwehrleute waren eingebunden, darunter etwa 50 Kräfte aus Kirchberg an der Raab, Oberdorf und Studenzen sowie rund 20 Kräfte des Schadstoffzugs Feldbach unter Brandinspektor Wolfgang Kotzbeck. Rund 50 geschminkte Darsteller sorgten für die Darstellung der Unfallopfer, bevor tags darauf weitere Lagen mit Forstunfällen, einem Fallschirmspringer und einer Photovoltaikanlage folgten.
Ebenfalls am 19. September 2026 trainierte der Katastrophenschutz des Vogelsbergkreises auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken. Rund 320 ehrenamtliche Kräfte von Feuerwehr, THW, DRK und DLRG rückten mit rund 80 Einsatzfahrzeugen in geschlossenen Kolonnen an.
Unter der Leitung der Kreisbrandmeister Thomas Stein, Tony Michelis und Andreas Leinweber sowie mit Unterstützung von Stabsfeldwebel Christian Feibel wurden Vegetationsbrandbekämpfung, Hochwasserschutz und die technische Rettung aus Trümmern und einem echten Panzer erprobt.
Psychische Einsatznachsorge und strategische Resilienz
Neben der operativen Praxis gewinnt die psychosoziale Unterstützung an Bedeutung. In Ried im Innkreis beging das Innviertler Team für Stressverarbeitung nach belastenden Einsätzen (SVE) sein 15-jähriges Bestehen. Das am 20. September 2011 gegründete Team, dessen Grundlagen rund 25 Jahre zurückreichen, versammelte über 50 Fachleute verschiedener Organisationen.
Nach einem belastenden Einsatz entscheidet die Nachsorge darüber, ob Ihre Kräfte wiederkommen. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie psychosoziale Einsatznachsorge in Ihrer Organisation verankern – mit Checkliste für die Nachbereitung, klaren Zuständigkeiten und Formaten für den organisationsübergreifenden Austausch. Checkliste Einsatznachsorge jetzt sichern
Der SVE-Bezirksverantwortliche Heinz Rieder organisierte das Treffen, durch das Daniela Ortner von der Krisenhilfe Oberösterreich führte. Im Rahmen der Veranstaltung stellten Christina Baier und Peter Jodlbauer ein Musikvideo zu einem Lied für die SVE-Arbeit vor, um die organisationsübergreifende Nachsorge weiterzuentwickeln.
Auf kommunaler Ebene ergänzen infrastrukturelle Übungen diese Programme. Am 26. September 2026 erprobt die Feuerwehr Mainz mit rund 100 Kräften alternative Meldewege und Führungsstäbe für einen langanhaltenden Stromausfall. In Bamberg läuft ein Pilotprojekt mit einem Beratungsunternehmen des Bundesverteidigungsministeriums, das bis Herbst 2027 Handlungsempfehlungen zur regionalen Krisenresilienz entwickeln soll.
