Fibromyalgie: 26 Genomregionen identifizieren neurologische Basis
Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 15:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein internationales Forscherteam hat 26 Genomregionen identifiziert, die mit Fibromyalgie in Verbindung stehen. Die bislang größte Studie ihrer Art bestätigt: Die chronische Schmerzerkrankung hat eine neurologische Basis.
Neue Einblicke in die Schmerzforschung
Die Ergebnisse, am 31. Juli in Nature Medicine veröffentlicht, stützen die Theorie, dass Fibromyalgie primär eine Störung der zentralnervösen Schmerzverarbeitung ist. Analysiert wurden die genetischen Daten von über 2,5 Millionen Menschen aus elf Datenbanken und sechs Ländern. Rund 55.000 davon hatten eine gesicherte Fibromyalgie-Diagnose.
Die Vererbbarkeit der Erkrankung konzentriert sich demnach auf Gewebe des zentralen Nervensystems. Besonders deutliche Signale fanden die Forscher im Hippocampus, im Kortex sowie im Corpus striatum. Das distanziert das Krankheitsbild klar von rein muskulären oder psychosomatischen Erklärungsansätzen.
Bekanntes Gen, neue Rolle
Die stärkste genetische Assoziation liegt im HTT-Gen – bekannt als Auslöser der Huntington-Krankheit. Bei der identifizierten Variante (rs149109767-A) handelt es sich jedoch nicht um die Huntington-Mutation. Träger dieser Variante haben ein um etwa 9 bis 10 Prozent erhöhtes Fibromyalgie-Risiko.
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Ein weiterer vielversprechender Ansatzpunkt: der GPR52-Rezeptor, der an der Regulierung des Huntingtin-Spiegels beteiligt ist. Zusammen mit anderen Loci wie CELF4 eröffnet er neue Perspektiven für Medikamente, die direkt an den Mechanismen der Nervenzellfunktion ansetzen.
Gemeinsame Wurzeln mit anderen Erkrankungen
Die Analyse zeigt deutliche genetische Überschneidungen mit anderen chronischen Leiden. Hohe Korrelationen bestehen bei Kreuzschmerzen, Reizdarmsyndrom, PTBS, Angststörungen und Depressionen. Das deutet auf gemeinsame genetische Wurzeln in der Schmerz- und Stressregulation hin.
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Noch keine Gentests in Sicht
Für die Praxis gilt: Die Ergebnisse taugen derzeit nicht für eine Diagnose per Gentest. Die gefundenen Varianten erklären nur etwa 10 Prozent der genetischen Variabilität. Die Diagnose stellen Ärzte weiterhin anhand klinischer Kriterien.
Auch methodisch gibt es Einschränkungen: Rund 90 Prozent der Teilnehmer waren europäischer Herkunft, was die Übertragbarkeit auf andere Bevölkerungsgruppen begrenzt. Zudem basierten einige Diagnosen auf Patientenakten. Organisationen wie Arthritis UK bewerten die Studie dennoch als Meilenstein – sie validiert die Erfahrungen Betroffener und liefert eine Grundlage für gezielte Therapieforschung.
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