Fibromyalgie: 26 Genvarianten erhöhen Schmerzrisiko messbar
Veröffentlicht am: 09.08.2026 um 06:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zur evolutionĂ€ren Vererbung verdeutlichen, wie tiefgreifend genetische Varianten von Vorfahren wie dem Neandertaler die menschliche Physiologie bis heute prĂ€gen. In Veröffentlichungen vom 9. August 2026 legen Forscher dar, dass insbesondere die AnfĂ€lligkeit fĂŒr Schmerzen sowie die AusprĂ€gung der Muskelmasse eng mit diesem genetischen Erbe verknĂŒpft sind. Die Untersuchungen verschiedener internationaler Forschungsinstitute zeigen dabei komplexe ZusammenhĂ€nge zwischen prĂ€historischen Genen und modernen Krankheitsbildern auf.
Die Rolle der Neandertaler-Genetik bei der Muskelentwicklung
Eine Studie des Max-Planck-Instituts fĂŒr evolutionĂ€re Anthropologie in Leipzig und des Karolinska-Instituts in Stockholm, deren Ergebnisse am 9. August 2026 thematisiert wurden, untersuchte eine spezifische Variante des Wachstumshormonrezeptors, die vom Neandertaler stammt. Den Daten zufolge erhöht diese Variante die Muskelmasse beim modernen Menschen um durchschnittlich 270 g. In Laborexperimenten zeigte sich, dass sich Zellen mit diesem speziellen Rezeptor nach fĂŒnf Tagen um 39 % stĂ€rker vermehren, wobei das hormonelle Signal um 22 % krĂ€ftiger ausfĂ€llt.
Die Untersuchung stĂŒtzt sich auf eine breite Datenbasis von 1.134.174 Erwachsenen aus fĂŒnf verschiedenen Biobanken. TrĂ€ger dieser genetischen Variante weisen im Schnitt ein um 285 g höheres Körpergewicht auf, wobei sich 150 g auf die ExtremitĂ€ten und 121 g auf den Rumpf verteilen. Interessanterweise tritt dieser Effekt erst nach der PubertĂ€t ein; bei einer Kontrollgruppe von 6.602 Kindern bis zum 11. Lebensjahr konnten keine signifikanten Unterschiede festgestellt werden.
Die geografische Verbreitung dieser vor etwa 47.000 Jahren in das menschliche Erbgut gelangten Variante variiert stark. WĂ€hrend sie in Pakistan bei 24 % und in SĂŒdasien bei 20 % der Bevölkerung nachweisbar ist, liegt die HĂ€ufigkeit in Europa bei lediglich 0,5 %. Neben dem Muskelwachstum beeinflusst die Variante auch die Skelettstruktur: Forscher beobachteten einen um 3,6 mm kĂŒrzeren Unterkieferast, ein fast dreifach erhöhtes Ăberbissrisiko sowie das Auftreten von Taurodontismus, einer speziellen Form der Zahnwurzelbildung.
Auswirkungen auf die sportliche LeistungsfÀhigkeit
ErgĂ€nzend zu den morphologischen VerĂ€nderungen identifizierten das Max-Planck-Institut und das Karolinska-Institut eine Variante des AMPD1-Gens, die ebenfalls auf den Neandertaler zurĂŒckgeht. Diese senkt die EnzymaktivitĂ€t im Reagenzglas um 25 % und in Mausmuskeln um bis zu 80 %. Betroffen sind etwa 2 % bis 8 % der EuropĂ€er. Laut den Forschern halbiere diese genetische Disposition die Wahrscheinlichkeit, ein Spitzensportler zu werden. Generell stammen schĂ€tzungsweise 1 % bis 2 % des Genoms von Menschen auĂerhalb Afrikas von Neandertalern.
Die aktuelle Forschung zeigt: Fibromyalgie ist keine Einbildung, sondern hat eine messbare genetische Ursache. Ăber 2,5 Millionen Menschen wurden untersucht â 26 Genvarianten erhöhen das Risiko. Verstehen Sie, was das fĂŒr Sie bedeutet. Jetzt kostenlosen Gen-Risiko-Report anfordern
Neue Erkenntnisse zur Fibromyalgie und chronischen Schmerzen
Parallel zur Erforschung evolutionĂ€rer EinflĂŒsse veröffentlichte die UniversitĂ€t Toronto am 5. August 2026 eine umfassende Studie zur Fibromyalgie. Auf Basis von Daten von ĂŒber 2,5 Millionen Menschen, darunter 54.629 Betroffene, wurden 26 Genvarianten identifiziert, die das Risiko fĂŒr diese chronische Schmerzerkrankung erhöhen. Der stĂ€rkste Zusammenhang wurde beim HTT-Gen festgestellt, das das Risiko um 9 % steigert.
Wissenschaftliche Auswertungen einer internationalen Forschungsgruppe vom 8. August 2026 stĂŒtzen die These, dass Fibromyalgie keine rein psychische Ursache hat. Die identifizierten Gene wirken primĂ€r im zentralen Nervensystem. Obwohl Frauen dreimal hĂ€ufiger von der Erkrankung betroffen sind, bleibt die genaue Ursache hierfĂŒr ungeklĂ€rt. Aktuell existieren noch keine neuen Medikamente auf Basis dieser Daten, sie liefern jedoch wichtige neue Ansatzpunkte fĂŒr die Therapieentwicklung.
Degenerative Prozesse und prÀventive AnsÀtze
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Einen weiteren Aspekt der Schmerzforschung lieferte eine Zebrafisch-Studie der UniversitĂ€ten Edinburgh und Bristol vom 7. August 2026. Die Forscher fanden heraus, dass das Gen col9a1b (Kollagen IX) die Degeneration von Bandscheiben maĂgeblich beeinflusst. Ein Defekt dieses Gens fĂŒhrte bei allen 40 untersuchten erwachsenen Fischen zu Mineralablagerungen und Wirbelverschmelzungen.
Die Studie, die Relevanz fĂŒr die rund 9,5 Millionen Menschen mit RĂŒckenschmerzen im Vereinigten Königreich hat, zeigte VerĂ€nderungen im Fett- und Phosphatstoffwechsel sowie im sogenannten mTOR-Signalweg auf. Experimentell konnte die Mineralisierung durch das Bisphosphonat Etidronat blockiert werden; zudem reduzierte eine Kalorienrestriktion die beobachteten SchĂ€den. WĂ€hrend bei jungen Fischen 868 Gene eine erhöhte AktivitĂ€t zeigten, verĂ€nderte sich dieses Muster bei erwachsenen Tieren signifikant, was die AltersabhĂ€ngigkeit degenerativer Prozesse unterstreicht.
