Fibromyalgie, Opioide

Fibromyalgie: 40% erhalten Opioide trotz besserer Alternativen

30.05.2026 - 12:49:06 | boerse-global.de

Hohe Opioidverordnungen bei Fibromyalgie trotz Leitlinien. Multimodale Therapie und Forderungen nach mehr Gender-Medizin prägen die Debatte.

Fibromyalgie: 40% erhalten Opioide trotz besserer Alternativen - Foto: ĂĽber boerse-global.de
Fibromyalgie: 40% erhalten Opioide trotz besserer Alternativen - Foto: ĂĽber boerse-global.de

Die Erkrankung betrifft überwiegend Frauen – und wird häufig mit starken Schmerzmitteln behandelt, obwohl Leitlinien längst andere Wege empfehlen.

Opioidverordnung auf Rekordniveau

Auf der Jahrestagung des American Society of Clinical Psychopharmacology (ASCP) in Miami Beach wurden Ende Mai alarmierende Zahlen präsentiert. Eine Analyse von Versicherungsdaten aus den Jahren 2021 bis 2024 mit fast 262.000 erwachsenen Fibromyalgie-Patienten zeigt: Das Durchschnittsalter der Betroffenen liegt bei 52,3 Jahren – und 92,1 Prozent sind weiblich.

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Trotz klinischer Leitlinien, die alternative Behandlungen empfehlen, greifen Ärzte weiterhin häufig zu Opioiden. Bei Privatversicherten oder Medicare-Patienten erhielten 40,2 Prozent ein Opioid-Rezept, bei Medicaid-Versicherten waren es 38,8 Prozent. Besonders betroffen: die Altersgruppe der 61- bis 65-Jährigen mit 43,1 Prozent. Tramadol und Oxycodon sind die am häufigsten verordneten Wirkstoffe. Noch besorgniserregender: Rund 19 bis 20 Prozent der Patienten nahmen gleichzeitig Opioide und Benzodiazepine ein – eine Kombination, die das Risiko schwerer Nebenwirkungen drastisch erhöht.

Multimodale Therapie als Goldstandard

In Deutschland setzt die Schmerzmedizin längst auf einen anderen Ansatz. Seit 2014 bieten spezialisierte Programme wie jenes in Travemünde eine multimodale Schmerztherapie an. Sie kombiniert medizinische Behandlung mit physiotherapeutischen und psychologischen Elementen.

„Es gibt keine universelle Lösung", betonen Experten. Stattdessen empfehlen sie eine Mischung aus Bewegung, Pacing (gezielter Aktivitätssteuerung), Schlafhygiene, Stressmanagement und Physiotherapie. In Köln bietet das Cellitinnen-Krankenhaus St. Antonius stationäre Programme von zwei bis drei Wochen an – mit einem Team aus Schmerzexperten, Psychologen und Kunsttherapeuten.

Ähnliche interdisziplinäre Ansätze verfolgt die Behandlung des Komplexen Regionalen Schmerzsyndroms (CRPS). Therapeuten setzen hier auf aktive, schmerzfreie Mobilisierung, um den Teufelskreis der Schonhaltung zu durchbrechen.

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Klare Grenzen bei Kindern und Jugendlichen

Die Deutsche Schmerzgesellschaft hat ihre S3-Leitlinie bereits 2017 aktualisiert. Für den pädiatrischen Bereich gibt es klare Vorgaben: Die Diagnose eines juvenilen Fibromyalgie-Syndroms ist umstritten – und die Leitlinie spricht eine explizite Warnung vor Antidepressiva oder Antikonvulsiva bei Kindern und Jugendlichen mit chronischen Schmerzen aus.

Geschlechterforschung: „87 Prozent der Ärzte fordern mehr Gender-Aspekte"

Ende Mai 2026 forderte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken einen stärkeren Fokus auf geschlechtsspezifische Unterschiede in der Medizin. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der AOK untermauert ihre Forderung: 87 Prozent der Ärztinnen und Ärzte wünschen sich mehr genderspezifische Aspekte in medizinischen Leitlinien. Die Forschung und Arzneimitteltests seien noch immer überwiegend an männlichen Probanden ausgerichtet – ein Problem, das bei Erkrankungen wie Fibromyalgie besonders deutlich wird.

Parallel dazu forderte der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) am 28. Mai 2026 die verbindliche Einbindung spezialisierter Schmerzpflegekräfte. Die Qualifikation „Schmerzexpertise in der Pflege" solle auf dem Niveau DQR-5 verankert werden, um die Versorgung chronisch Schmerzkranker zu verbessern.

Neue Technologien und Aufklärung

Der bundesweite Aktionstag gegen Schmerz am 2. Juni 2026 rückt näher. In Lübeck laden die Sana Kliniken zu Patienteninformationsabenden speziell zum Thema Fibromyalgie ein. Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) bietet im gesamten Juni Vorträge zu Neurostimulation, Migräne-Management und Rückenschmerzen an.

Auch aus der Privatwirtschaft kommen Innovationen. Ende Mai 2026 stellten Forscher und Gründer aus Schleswig-Holstein die App „femCycle" vor – entwickelt zur Unterstützung bei Menstruationsschmerzen und Endometriose. Und auf dem Life Summit in Berlin diskutierten Experten am 30. Mai 2026 über Longevity-Trends, die mit der Schmerztherapie verschmelzen: Stresskontrolle, KI-basierte Gesundheitschecks und der Einsatz von Vitalpilzen wie Reishi.

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