Figure, BMW

Figure 03 bei BMW: Humanoide Roboter montieren ab sofort

02.07.2026 - 12:31:13 | boerse-global.de

BMW, Tesla und chinesische Hersteller melden große Fortschritte bei humanoiden Robotern. Experten warnen jedoch vor überzogenen Erwartungen an die Technologie.

Humanoide Roboter: BMW, Tesla und Co. treiben Produktion voran
Figure - Ein humanoider Roboter montiert präzise ein Bauteil an einem BMW-Fließband in einer hochmodernen Fabrik. 02.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Gleich mehrere Großkonzerne melden im Juni und Juli 2026 bedeutende Fortschritte bei der Integration von menschenähnlichen Maschinen in die Produktion.

BMW setzt auf Figure 03 in den USA

Am 30. Juni gab BMW den Einsatz des humanoiden Roboters Figure 03 im Werk Spartanburg bekannt. Die Partnerschaft mit Figure Robotics besteht seit Anfang 2024. Das neue Modell nutzt das KI-Modell Helix 02 für Bestückungsaufgaben, Teilehandhabung und den Transport von Wagen innerhalb der Fertigungshalle.

Der Vorgänger Figure 02 hatte bereits beeindruckende Zahlen geliefert: Über 30.000 Fahrzeuge montierte er im Jahr 2025. Insgesamt haben die Roboter im Werk bereits rund 90.000 Teile bewegt. Ihr Einsatz konzentriert sich auf repetitive Tätigkeiten – mit dem Ziel, die ergonomische Belastung für menschliche Arbeiter zu reduzieren.

Tesla baut Produktion massiv aus

Parallel dazu treibt Tesla die Entwicklung voran. Seit dem 1. Juli wird die Model-S/X-Linie im Werk Fremont auf die Produktion des Optimus Gen 3 umgerüstet. Das Unternehmen peilt eine Jahreskapazität von einer Million Einheiten an diesem Standort an. Über 1.000 Gen-3-Einheiten sind bereits werkseitig im Einsatz.

Noch ambitionierter sind die Pläne für das Werk Giga Texas: Dort soll bis 2027 eine Kapazität von zehn Millionen Einheiten pro Jahr erreicht werden. Ein gewaltiger Sprung – doch kann Tesla die Produktion so schnell skalieren?

Apptronik eröffnet „Robot Park" in Austin

Die steigende Nachfrage nach verkörperter KI erfordert neue Trainingsinfrastruktur. Am 1. Juli eröffnete Apptronik einen erweiterten „Robot Park" auf über 8.300 Quadratmetern in Austin, Texas. Die Anlage sammelt reale Daten für Google DeepMinds Gemini Robotics – mit Apollo-2-Robotern in zweibeiniger und rollender Konfiguration.

Apptronik hatte kürzlich 935 Millionen Euro in einer Series-A-Finanzierungsrunde eingesammelt. Zum Partnernetzwerk zählen Mercedes-Benz und GXO. Die gesammelten Daten sollen die Entwicklung humanoider KI für Logistik, Fertigung und Einzelhandel beschleunigen. Die Arbeiten am Nachfolgemodell Apollo 3 laufen bereits.

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Chinesische Hersteller mit 99,99-Prozent-Quote

In China vollzieht sich die Integration rasant – angetrieben durch staatliche Vorgaben und großflächige Tests. Am 1. Juli wurde bekannt, dass AgiBot-Roboter in einem sechstägigen Test über 60.000 Fabrikaufgaben mit einer Erfolgsquote von 99,99 Prozent absolvierten. Die Maschinen liefen durchgehend über 64 Stunden – Qualitätskontrolle, Fehlererkennung und Materialtransport in einem Elektronikwerk.

Der Fünfjahresplan 2026–2030 der chinesischen Regierung priorisiert die humanoide Robotik. Ein „Sonderaktionsplan" des Ministeriums für Industrie und Informationstechnologie vom 10. Juni verpflichtet zehn Provinzen zur Einführung dieser Technologien.

Bemerkenswert: Es hat sich ein robuster Mietmarkt entwickelt. Einsteiger-Roboter sind bereits ab rund 2.800 Euro pro Tag verfügbar. Analysten schätzen, dass chinesische Humanoide etwa 80 Prozent der menschlichen Produktivität erreichen. Mehr als 100 Unternehmen konkurrieren im Markt, der bis Ende 2026 auf 1,4 Milliarden Euro geschätzt wird.

Siemens und NVIDIA: KI-Kollaboration im Praxistest

Auch andere Industriegiganten loten die Grenzen der Mensch-Maschine-Zusammenarbeit aus. Am 1. Juli schlossen Siemens und NVIDIA einen Test des humanoiden Roboters HMND 01 in einer Fabrik ab. Dank NVIDIA-Simulationstechnologie verkürzte sich die Entwicklungszeit von zwei Jahren auf nur sieben Monate.

In einer Acht-Stunden-Schicht erreichte der Roboter eine Erfolgsquote von über 90 Prozent und bewegte rund 60 Container pro Stunde. Ein vielversprechender Wert – doch reicht das für den industriellen Alltag?

Experten warnen vor überzogenen Erwartungen

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Trotz aller Fortschritte: Auf der Konferenz Automate 2026 in Chicago am 30. Juni warnten Experten vor übertriebenen Hoffnungen. Der industrielle Wert humanoider Maschinen hänge weniger von ihrem menschenähnlichen Aussehen ab, sondern vielmehr von ihrer kognitiven Leistungsfähigkeit und Flexibilität.

Zwar seien Humanoide zunehmend für strukturierte Fabrikumgebungen geeignet. Doch sie blieben langsamer und teurer als spezialisierte Einzweckautomaten. Besonders in unstrukturierten Umgebungen – etwa im Haushalt – hapert es noch. Tests mit dem SeeLight S1, einem universell einsetzbaren Humanoiden, offenbarten weiterhin Probleme mit Arbeitsgeschwindigkeit und Akkulaufzeit. Der Weg zum Allrounder in der heimischen Garage ist also noch weit.

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