Fischöl-Kapseln: Studie mit 365 Teilnehmern findet keinen GedÀchtnisnutzen
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 01:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deNahrungsergĂ€nzungsmittel mit Omega-3-FettsĂ€uren gelten seit Jahren als populĂ€res Mittel zur Förderung der geistigen Fitness und zur Vorsorge im Alter. Eine randomisierte, doppelblinde Studie von Keck Medicine of USC stellt die erhoffte Schutzwirkung fĂŒr das Gehirn nun jedoch grundlegend infrage.
Die im Juni 2026 im Fachjournal eBioMedicine veröffentlichte Forschungsarbeit zeigt, dass die Einnahme von hochdosierten Fischöl-Kapseln keinen messbaren Nutzen fĂŒr GedĂ€chtnis und Kognition erbringt.
Im Rahmen der Untersuchung erhielten 365 Teilnehmer ĂŒber einen Zeitraum von zwei Jahren tĂ€glich 2000 mg DocosahexaensĂ€ure (DHA). Nach Ablauf des Studienzeitraums stellten die Forscher fest, dass sich weder die kognitiven FĂ€higkeiten noch die GedĂ€chtnisleistung der Probanden verbesserten.
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Ebenso gelang es durch die Gabe des PrÀparats nicht, den volumenbezogenen Schwund des Hippocampus aufzuhalten, der typischerweise mit dem Alterungsprozess des Gehirns einhergeht.
Diskrepanz zwischen Markterfolg und wissenschaftlicher Evidenz
Die Ergebnisse stehen im deutlichen Kontrast zur wirtschaftlichen Verbreitung der Produkte. Rund 19 Millionen Erwachsene greifen regelmĂ€Ăig zu Fischölkapseln. Das globale Marktvolumen fĂŒr diese PrĂ€parate belĂ€uft sich inzwischen auf ĂŒber 3 Milliarden US-Dollar.
Wissenschaftliche Ăbersichten zeichnen jedoch bereits seit LĂ€ngerem ein nĂŒchternes Bild hinsichtlich der allgemeinen gesundheitlichen Effekte. Eine systematische Ăbersichtsarbeit der Cochrane Collaboration kam zu dem Ergebnis, dass eine erhöhte Aufnahme von Omega-3-FettsĂ€uren einen schwachen oder gar keinen Effekt auf die Gesamtsterblichkeit ausĂŒbt.
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Erkenntnisse aus experimentellen Labor- und Tierstudien
Differenzierte Mechanismen der einzelnen FettsÀuren wurden parallel in der prÀklinischen Forschung analysiert. Eine im Journal Cell Reports erschienene Studie an MÀusen legte dar, dass sich eine mit EicosapentaensÀure (EPA) angereicherte ErnÀhrung nach leichten traumatischen Kopfverletzungen nachteilig auswirken kann.
Die behandelten Tiere zeigten in Tests zu rĂ€umlichem GedĂ€chtnis und Lernvermögen schlechtere Leistungen. Den Analysen zufolge behinderte EPA potenziell die Regeneration geschĂ€digter GefĂ€Ăe, reicherte sich im Gehirngewebe an und begĂŒnstigte die Ansammlung toxischer Tau-Proteine.
Experimente mit menschlichen mikrovaskulÀren Endothelzellen zeigten hingegen, dass DHA diese zellulÀren ReparaturvorgÀnge nicht beeintrÀchtigte. Eine vergleichbare Stoffwechselstörung konnte zudem in menschlichem Hirngewebe bei chronisch-traumatischer Enzephalopathie (CTE) nachgewiesen werden.
Da diese Erkenntnisse ĂŒberwiegend auf Tier- und Zellmodellen beruhen, lassen sie sich nicht unbesehen auf gesunde Menschen ĂŒbertragen. Im Zusammenspiel mit den klinischen Ergebnissen von Keck Medicine of USC bestĂ€tigen sie jedoch den wachsenden Forschungsbedarf hinsichtlich der tatsĂ€chlichen Wirksamkeit und biologischen Funktion von hochdosierten Fischöl-Supplementen.
