Fitnessabos in der Schweiz: Studios überholen erstmals die Sportvereine
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 08:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn der Schweiz zeichnet sich ein grundlegender Wandel im Freizeit- und Breitensport ab. Wie die im August 2026 publizierte Erhebung «Sport Schweiz 2026» darlegt, besitzt mittlerweile rund jede fünfte Person im Land ein Fitnessabonnement. Damit verzeichnen Fitnesscenter zum ersten Mal in der Erhebungsgeschichte mehr Mitglieder als klassische Sportvereine.
Dieser Zuwachs geht einher mit einer fortschreitenden Digitalisierung des Trainings, bei der automatisierte Systeme und künstliche Intelligenz eine wachsende Rolle im Alltag der Sporttreibenden einnehmen.
Grenzen von Standard-Chatbots und Tracker-Daten
Parallel zur steigenden Nachfrage nach flexiblen Trainingsmöglichkeiten greifen viele Aktive auf digitale Hilfsmittel zurück. Laut einer Erhebung einer deutschen Krankenkasse nutzen inzwischen rund 75 Prozent der Bevölkerung Chatbots als persönliche Ratgeber.
Fachleute sehen diese Entwicklung jedoch differenziert. Martin Rumo von der Fachhochschule Nordwestschweiz, der im Bachelor-Bereich für Datenwissenschaft und KI im Sport tätig ist, hebt hervor, dass Systeme zwar Muster erkennen und gezielte Impulse liefern können.
Standard-Anwendungen wie ChatGPT erstellten Trainingskonzepte jedoch vor allem auf Basis statistischer Mittelwerte aller verfügbaren Daten. Individuelle Faktoren wie das konkrete Leistungsniveau, die Zyklusphase oder persönliche Lebensumstände blieben dabei weitgehend unberücksichtigt.
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Auch bei der zugrunde liegenden Datenerfassung mahnt die Sportwissenschaft zur Vorsicht. Rahel Gilgen-Ammann von der Eidgenössischen Hochschule für Sport Magglingen verweist darauf, dass gängige Fitnesstracker kaum wissenschaftlich validiert seien. Die von den Geräten ausgegebenen Empfehlungen beruhten in der Praxis auf modellbasierten Abschätzungen und fungierten weitgehend als undurchsichtige Systeme.
Betreuungsfaktor Mensch bleibt zentral
Trotz technischer Neuerungen betonen Branchenvertreter den Wert der persönlichen Begleitung. Der Fitnesstrainer Sandro Krattiger erläutert, dass eine Software nicht die soziale Rechenschaft und Motivation ersetzen könne, die eine reale Betreuungsperson biete. Das reine Ausarbeiten von Trainings- und Ernährungsplänen mache in seiner täglichen Arbeit lediglich rund 10 Prozent der Aufgaben aus.
Gleichzeitig bestätigen weltweite Erhebungen den Trend zur technologiegestützten Trainingssteuerung. In der 21. Ausgabe der internationalen Trendbefragung des American College of Sports Medicine, an der über 1.400 Fachkräfte aus der Fitnessbranche 50 Strömungen bewerteten, erreichte tragbare Technologie zum zehnten Mal den Spitzenplatz.
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Seit 2016 platziert sich dieses Segment durchgehend unter den ersten drei Rängen. Mobile Trainingsanwendungen stiegen in derselben Rangliste von Platz 4 auf Platz 2 auf, während datengetriebene Trainingstechnologien Position 8 einnehmen.
Die Verschiebung von traditionellen Vereinsstrukturen hin zu Studios spiegelt somit einen breiteren Wandel wider, bei dem individuelle Zeitmodelle und digitale Messdaten den Trainingsalltag dominieren, die persönliche Einordnung der Daten durch Experten jedoch weiterhin gefragt bleibt.
